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Diplomatie·vorgestern

EU-Außenminister lehnen Sondergesandten für Ukraine-Gespräche ab – Kallas warnt vor russischer „Falle“

Bei einem informellen Treffen in Limassol, Zypern, haben die EU-Außenminister gegen die Ernennung eines Chefunterhändlers für Friedensgespräche zur Ukraine entschieden. Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte, Moskau versuche zu diktieren, wer für Europa spreche.

Kein Sondergesandter vorerst

Die Außenminister der Europäischen Union haben sich bei einem informellen Treffen in der zypriotischen Hafenstadt Limassol am Donnerstag entschieden gegen Vorschläge ausgesprochen, einen eigenen Chefunterhändler für mögliche Friedensgespräche mit Russland zur Ukraine zu ernennen. Führende Mitgliedsstaaten wie Deutschland und Schweden sprachen sich entschieden gegen die Idee aus. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte Befürworter des Gesandtenkonzepts vor weiterer öffentlicher Diskussion und bezeichnete die gesamte Debatte als eine von Moskau orchestrierte bewusste Ablenkung.

Es ist eine Falle, in die uns Russland locken will.

Kallas argumentierte, die Taktik Russlands bestehe darin, die Europäer in eine Debatte darüber zu verwickeln, wer mit Moskau sprechen solle, damit der Kreml dann auswählen könne, wen er für akzeptabel halte. Statt über Personalfragen zu diskutieren, müsse die EU zunächst ihre strategischen Interessen und Kernforderungen klären.

Schröders Schachzug und andere Namen

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte öffentlich den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler ins Spiel gebracht. Der 82-jährige Schröder gilt aufgrund seiner engen Verbindungen zum Kreml als kompromittiert und wurde von den europäischen Regierungen rundweg abgelehnt. Weitere Namen, die für eine mögliche Rolle als EU-Sondergesandter kursierten, waren die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel, der finnische Präsident Alexander Stubb und der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi.

Europa wird über die Person des Unterhändlers entscheiden, nicht Herr Putin.

Der italienische Außenminister Antonio Tajani und der spanische Außenminister José Manuel Albares wiesen beide darauf hin, dass die EU bereits hochrangige Vertreter in Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa habe, die bei Bedarf Gespräche führen könnten. Albares betonte, dass es wichtiger sei, mit einer Stimme zu sprechen, als über Personalien zu debattieren.

Kallas legt Maximalforderungen vor

Kallas nutzte das Treffen, um eine grundsätzliche Debatte darüber zu eröffnen, was die EU eigentlich von künftigen Verhandlungen erwarte. Sie präsentierte einen von ihr selbst als „maximalistischen Ansatz“ bezeichneten Vorschlag: Russland müsse Reparationen zahlen, Verantwortung für Kriegsverbrechen übernehmen und sich – spiegelbildlich zu etwaigen Beschränkungen für die Ukraine – Obergrenzen für die eigene Truppenstärke auferlegen. Weiter forderte sie, dass keine russischen Soldaten in Georgien oder Moldau verbleiben dürften und der Kreml die Einmischung in Wahlen einstellen müsse.

Es liegt in unserem Interesse, dass diese nicht dort sind.

Kallas räumte den weitreichenden Charakter ihrer Forderungen ein, merkte jedoch an, dass auch Russland maximalistische Positionen verfolge. Die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger sagte, ein Stimmungswandel sei spürbar: Die Ukraine habe in den letzten Wochen an Stärke gewonnen, und die wirtschaftliche Wirkung der Sanktionen sei in Russland zunehmend zu spüren.

US-Initiative ins Stocken geraten, Europa sucht eigenen Weg

Die Debatte in Limassol fand vor dem Hintergrund einer ins Stocken geratenen amerikanischen Friedensinitiative statt. Die USA, Russland und die Ukraine haben seit einem Treffen in Genf Mitte Februar keine Gespräche mehr geführt. Der anschließende Krieg mit dem Iran hat die Prioritäten Washingtons verschoben; nun hat eine Verständigung mit Teheran Vorrang. US-Außenminister Marco Rubio sagte am Dienstag, derzeit sei nichts Weiteres geplant, die USA seien jedoch weiterhin für eine „konstruktive Rolle“ bereit.

Da sich die USA zurückziehen, haben die europäischen Diskussionen über eine Rückkehr zum Dialog mit Moskau an Intensität gewonnen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat offen zu einer stärkeren EU-Rolle aufgerufen und angeregt, es könne sich lohnen zu klären, wer Europa theoretisch am Verhandlungstisch vertreten könnte. Erst letzte Woche führte Selenskyj eine Videokonferenz ohne offizielle EU-Institutionenbeteiligung durch und konsultierte lediglich Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und den britischen Premierminister Keir Starmer zur Wiederbelebung der Friedensdiplomatie.

Sanktionen und nächste Schritte

Kallas machte deutlich, dass die EU niemals ein neutraler Vermittler zwischen Russland und der Ukraine sein werde, da sie auf der Seite der Ukraine stehe und ihre eigenen grundlegenden Sicherheitsinteressen verteidige. Sie rief beide Seiten zu direkten Gesprächen auf, bestand jedoch darauf, dass ein bedingungsloser Waffenstillstand eine Vorbedingung für etwaige Friedensverhandlungen sein müsse.

Wir müssen darüber sprechen, wie wir den gezielten Druck auf Russland aufrechterhalten und der Ukraine zum Sieg verhelfen können.

Der litauische Außenminister Kęstutis Budrys drängte darauf, sich auf konkrete Druckmaßnahmen zu konzentrieren, und verwies auf die Umsetzung eines Verbots von Dienstleistungen für Schiffe, die russisches Öl transportieren – vereinbart im jüngsten Sanktionspaket, aber noch Gegenstand weiterer G7-Gespräche. In der Zwischenzeit begannen die Europäische Kommission und der Europäische Auswärtige Dienst damit, den Vertretern der Mitgliedstaaten einen Vorschlag für das inzwischen 21. Russland-Sanktionspaket zu unterbreiten, das den Finanzsektor und Zulieferer der Rüstungsindustrie ins Visier nimmt.

Limassol · Moskau · Kiew

8 Quellen

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