
EU eröffnet Ausschreibung für sieben KI-Gigafabriken mit 30 Milliarden Euro aus öffentlichen und privaten Mitteln
Die Europäische Union hat einen Aufruf für Konsortien gestartet, um bis zu sieben KI-Gigafabriken zu bauen, die 10 Milliarden Euro aus EU- und nationalen Mitteln mit mindestens 20 Milliarden Euro privater Investitionen kombinieren, um den Rückstand zu den USA und China aufzuholen.
Die Europäische Union hat am Donnerstag offiziell einen Aufruf für Konsortien gestartet, um bis zu sieben KI-Gigafabriken zu bauen, unterstützt durch 10 Milliarden Euro aus EU- und nationalen Mitteln sowie erwarteten 20 Milliarden Euro von privaten Investoren – ein Gesamtpaket, das 30 Milliarden Euro übersteigen könnte und zu den größten KI-Infrastrukturinitiativen weltweit zählt. Die Initiative zielt darauf ab, den Block mit der massiven Rechenleistung auszustatten, die für das Training fortschrittlicher KI-Modelle erforderlich ist, ohne auf Infrastruktur in den USA oder China angewiesen zu sein.
Zweistufige Struktur mit Chipzahlen und Finanzierungsobergrenzen
Das Ausschreibungsverfahren ist in zwei Lose unterteilt. Das ursprüngliche Ziel von fünf Gigafabriken wurde nach starkem Interesse der Mitgliedstaaten auf sieben erhöht. Das erste Los umfasst bis zu vier kleinere Rechenzentren, die jeweils mit 25.000 bis 75.000 spezialisierten KI-Chips betrieben werden. Konsortien können in einer ersten Phase bis zu 100 Millionen Euro und später bis zu 400 Millionen Euro erhalten. Das zweite Los zielt auf bis zu drei größere Zentren mit 40.000 bis 100.000 Chips ab, die zunächst bis zu 200 Millionen Euro und in einer späteren Phase bis zu 800 Millionen Euro erhalten können. Vorschläge können von Konsortien aus Technologieanbietern, Cloud-Betreibern, öffentlichen Stellen und Investoren kommen, und die Einrichtungen können in einem einzigen Mitgliedstaat oder als grenzüberschreitende Projekte gebaut werden.
Strategische Notwendigkeit und der Drang nach Autonomie
Exekutiv-Vizepräsidentin für technologische Souveränität Henna Virkkunen bezeichnete den Start als Meilenstein.
Der Zugang zu der enormen Rechenleistung von KI-Gigafabriken ist eine strategische Notwendigkeit für Europa, da sich die KI-Entwicklung beschleunigt.
Die Kommission betonte, dass die Gigafabriken zusammen mit dem bestehenden Netz von 19 KI-Fabriken die technologische Führungsrolle, Widerstandsfähigkeit und strategische Autonomie Europas stärken würden.
Mit dem europäischen Netz von 19 KI-Fabriken werden sie die technologische Führungsrolle, Widerstandsfähigkeit und strategische Autonomie Europas stärken.
Der Plan wurde erstmals im April 2025 skizziert und erfüllt ein Versprechen von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf einem KI-Gipfel im letzten Jahr. Nach monatelangen Verzögerungen, die bei potenziellen Partnern für Unsicherheit sorgten, markiert der Aufruf vom Donnerstag den konkreten Start dessen, was die EU als die weltweit größte öffentlich-private Partnerschaft für KI-Infrastruktur bezeichnet. Der Vorstoß erfolgt, während die EU bei der KI-Entwicklung hinter den USA und China zurückliegt, und die Gigafabriken sollen die Abhängigkeit von ausländischer Infrastruktur verringern und europäische Regeln zu Datenschutz, Sicherheit und Ethik durchsetzen.
Branchenunterstützung und Chipversorgung
Um den Zugang zur notwendigen Hardware zu gewährleisten, unterzeichnete die Kommission Absichtserklärungen mit drei amerikanischen Chip-Herstellern: AMD, Nvidia und Qualcomm. Die Vereinbarungen sind eine Folge des EU-US-Handelsabkommens und sollen sicherstellen, dass Konsortien fortschrittliche Prozessoren beziehen können. Die Kommission erklärte, die Schreiben würden einen reibungslosen Zugang zur benötigten Hardware gewährleisten. Die Gigafabriken werden diese Chips mit Cloud-Software, Hochgeschwindigkeitskonnektivität und energieeffizienten Rechenzentren kombinieren und für Start-ups, Universitäten, öffentliche Einrichtungen und kleine Unternehmen offen sein.
Interesse der Mitgliedstaaten und nächste Schritte
Deutschland, Griechenland, Portugal, Italien und Spanien gehören laut POLITICO zu den Ländern, die Pläne zur Aufnahme der größten Zentren unterstützen. Konsortien haben bis zum 12. November 2026 Zeit, Angebote einzureichen. Die Kommission erwartet, die ausgewählten Kandidaten Anfang 2027 bekannt zu geben, wobei die ersten Verträge noch im selben Jahr unterzeichnet werden sollen. Sobald die Verträge abgeschlossen sind, müssen die Einrichtungen innerhalb von 18 Monaten betriebsbereit sein, was die frühestmöglichen Inbetriebnahmen auf Ende 2028 datiert.
- EU startet Ausschreibungsverfahren für KI-Gigafabriken
- Frist für Konsortialvorschläge
- Kommission gibt ausgewählte Kandidaten bekannt
- Erste Verträge unterzeichnet
- Erste Gigafabriken voraussichtlich betriebsbereit
Finanzierungsaufschlüsselung
Der maximale EU-Beitrag pro Projekt variiert stark zwischen den beiden Losen, was die unterschiedlichen Größenordnungen der geplanten Zentren widerspiegelt.
- Kleinere Gigafabrik (Los 1)
- 400 Millionen €
- Größere Gigafabrik (Los 2)
- 800 Millionen €


