
Sechs EU-Finanzminister drängen auf Übergewinnsteuer auf Ölkonzerngewinne im Iran-Krieg
Die Finanzminister von sechs EU-Staaten haben einen gemeinsamen Brief an die irische EU-Ratspräsidentschaft geschickt, in dem sie eine EU-weite Übergewinnsteuer auf Ölkonzerne fordern, die von den kriegsbedingten Preissteigerungen im Iran profitieren.
Gemeinsame Initiative für eine EU-weite Steuer
Die Finanzminister von sechs Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben einen gemeinsamen Vorstoß gestartet, der eine EU-weite Übergewinnsteuer auf internationale Ölkonzerne fordert. Die Initiative umfasst die Finanzminister aus Deutschland, Österreich, Spanien, Portugal, Polen und Italien, die einen gemeinsamen Brief an den Finanzminister Irlands richteten, dem Land, das derzeit die rotierende Ratspräsidentschaft des Rates der Europäischen Union innehat. Die Minister erklärten, dass der andauernde Iran-Krieg starke Preisanstiege an den Tankstellen ausgelöst habe, was zu erheblichen Gewinnsteigerungen für multinationale Energieproduzenten geführt habe. Dem Brief zufolge hätten die bisher ergriffenen Entlastungsmaßnahmen auf staatlicher Ebene nicht ausgereicht, um die Kraftstoffkosten für europäische Bürger und Unternehmen dauerhaft zu senken oder zu stabilisieren. Die Ministerkoalition argumentierte, dass eine einheitliche europäische fiskalische Reaktion notwendig sei, um krisenbedingte Gewinne umzuverteilen und den finanziellen Druck auf die Haushalte im gesamten Block zu verringern.
Der Brief beschrieb die Marktsituation in einer förmlichen Stellungnahme an die irische Präsidentschaft:
Wir erleben einen der größten Angebotsschocks seit Jahrzehnten, und weltweit wächst der Unmut über den Anstieg der Lebenshaltungskosten.
Prüfung der Raffineriemargen und Rahmenwerksgestaltung
Der Ministerbrief drängt die Mitgliedstaaten, einen EU-weiten Rahmen zur Besteuerung von Übergewinnen zu erörtern und dabei frühere regulatorische Erfahrungen einzubeziehen, um multinationale Ölkonzerne wirksam zu besteuern. Die Unterzeichner forderten insbesondere die zügige Vorlage der Ergebnisse einer laufenden europäischen Untersuchung der Gewinnspannen von Ölraffinerien. Die Finanzminister halten die zeitnahe Beschaffung dieser Ergebnisse für entscheidend, um zu überprüfen, ob Raffinerien die derzeitige volatile Energiemarktlage nicht ausnutzen.
Die Minister begründeten ihr Anliegen, sofortigen Zugang zu der regulatorischen Überprüfung zu erhalten:
Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass uns die Ergebnisse der europäischen Untersuchung der Raffineriemargen so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt werden, um sicherzustellen, dass Raffinerien die aktuelle Energiesituation nicht ausnutzen.
Dieser gemeinsame Appell stellt eine Fortsetzung früherer diplomatischer Bemühungen dar, nachdem ein erster Brief im April 2026 von den Ministern Österreichs, Deutschlands, Spaniens, Portugals und Italiens an die Europäische Kommission gesandt worden war. Die Europäische Union hatte bereits 2022 nach früheren Marktspitzen Notfallmaßnahmen gegen übermäßige Energiegewinne eingeführt.
Deutscher politischer Hintergrund und Ecofin-Agenda
Der deutsche Bundesfinanzminister Lars Klingbeil von der Sozialdemokratischen Partei war laut einem Bericht des Spiegels federführend bei der Ausarbeitung des gemeinsamen Briefes. Innerhalb der deutschen Bundeskoalition suchte Klingbeil eine EU-weite Initiative, da die Unionsparteien zugestimmt hatten, eine Übergewinnabgabe nur dann zu unterstützen, wenn sie auf einem europäischen Rahmenwerk basiere. Bereits Anfang 2026 hatte sich die deutsche Koalition auf eine strengere Überwachung der Mineralölunternehmen durch das Bundeskartellamt geeinigt. Diese nationalen Regelungen umfassten die 12-Uhr-Regel, die Tankstellenbetreiber darauf beschränkt, die Zapfsäulenpreise nur einmal täglich um 12:00 Uhr mittags zu erhöhen.
Im April 2026 trafen sich die deutschen Koalitionsführer auch in der Villa Borsig, um eine befristete Kraftstoffermäßigung zu verabschieden, die die Steuern auf Benzin und Diesel um 17 Cent pro Liter senkte. Die sechs Finanzminister drängen nun darauf, den Vorschlag für eine EU-Übergewinnsteuer formell auf die Tagesordnung des kommenden Ecofin-Treffens im September 2026 in Dublin zu setzen.
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