
EU erhebt Zollgebühr von 3 € auf Online-Pakete unter 150 € und trifft damit Shein, Temu und AliExpress
Seit Mittwoch wird für jedes zollpflichtige Paket unter 150 € aus Nicht-EU-Ländern eine obligatorische Bearbeitungsgebühr von 3 € pro Produktkategorie fällig. Damit endet die jahrzehntelange Zollfreiheit für extrem günstige Online-Bestellungen, die vor allem von chinesischen Plattformen genutzt wurde, die den Binnenmarkt überschwemmt haben.
Die neue Gebühr
Seit Mittwoch unterliegt jedes Paket mit einem Wert unter 150 €, das aus einem Nicht-EU-Land in die Europäische Union eingeführt wird, einer pauschalen Zollgebühr von 3 € pro Zolltarifklassifikation. Die Gebühr wird für jede einzelne Produktkategorie innerhalb der Sendung fällig: Ein Paket mit Hose und Uhr kostet 6 €, eines mit Hose, Hemd und Uhr 9 €. Identische Artikel in derselben Kategorie (z. B. fünf T-Shirts) lösen nur eine Gebühr aus.
Der Schritt betrifft unmittelbar Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress, die sich auf die De-minimis-Ausnahme stützten, um große Mengen direkt an europäische Verbraucher zu versenden, ohne Zollkosten zu verursachen.
Die Ausnahme wurde im industriellen Maßstab missbraucht und zweckentfremdet, um einen Wettbewerbsvorteil zu Lasten der EU-Unternehmen zu schaffen.
Hintergrund und Reaktionen
Die Ausnahme, deren Freigrenze 2008 auf 150 € angehoben wurde, war für eine andere Handelsära konzipiert. Die Zahl der zollfreien E-Commerce-Pakete, die in den Binnenmarkt gelangen, stieg jedoch von 1,4 Milliarden im Jahr 2022 auf 5,8 Milliarden im Jahr 2025 – mehr als 90 % davon kamen aus China. Brüssel erklärt, die Zollbehörden seien überlastet und bearbeiteten täglich zwischen 12 und 16 Millionen solcher Pakete. Zudem hätten Inspektionen im vergangenen Jahr ergeben, dass über 60 % der getesteten Kosmetika und persönlichen Schutzausrüstungen nicht den EU-Sicherheits- und Qualitätsvorschriften entsprachen.
Die Vereinigten Staaten hatten ihre eigene De-minimis-Ausnahme für chinesische Importe bereits im Mai beendet und werden sie bis Ende August für alle Herkunftsländer abschaffen.
Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Valdis Dombrovskis, erklärte, der Status quo sei nicht nachhaltig. Er wies darauf hin, dass die Exporte Chinas in die EU weiter steigen, während der EU-Marktanteil in China stetig schrumpfe.
Auswirkungen auf Verbraucher
Rechtlich muss die 3-€-Gebühr vom Anmelder (Plattform, Verkäufer oder Spediteur) entrichtet werden, nicht vom Verbraucher bei der Zustellung. Verbraucherorganisationen gehen jedoch davon aus, dass die Kosten weitergegeben werden. BEUC, der europäische Verbraucherdachverband, warnte, dass „Verbraucher die Kosten indirekt tragen könnten, entweder durch höhere Preise, Überraschungsgebühren oder beides.“
In Portugal betonte die Verbrauchervereinigung Deco Proteste, dass die Gebühr vor dem Kauf im Warenkorb ausgewiesen werden müsse, und die portugiesische Post CTT wies darauf hin, dass Bestellungen vor dem 1. Juli, die jedoch nach diesem Datum beim Zoll eintreffen, ebenfalls der neuen Gebühr unterliegen. Deco warnte zudem vor Betrugsrisiken und forderte Käufer auf, jede Zahlungsaufforderung vor Abholung eines Pakets zu überprüfen.
Wir warnen alle Verbraucher: Sollten Sie Nachrichten erhalten, in denen Geldbeträge für die Abholung von Paketen verlangt werden, prüfen Sie, ob Sie tatsächlich ein Paket im Zollabfertigungsprozess haben, und vergewissern Sie sich, bevor Sie eine Zahlung leisten, dass derjenige, der diese Zahlung verlangt, legitim ist.
Logistische Herausforderungen
Der E-Commerce-Luftfrachtberater Derek Lossing rechnet in den kommenden Wochen mit einem Rückgang der EU-bestimmten Sendungen um 10 % bis 35 %, was weltweite Auswirkungen auf die Luftfracht haben wird. Er merkte an, dass Plattformen Lieferanten möglicherweise dazu drängen, einige Kosten zu übernehmen, um die Verbraucher zu schützen, es aber keinen offensichtlichen alternativen Markt gebe, nachdem sowohl die USA als auch die EU verschärft vorgehen.
Der spanische Logistikverband UNO forderte eine dringende, tiefgreifende Zollreform und warnte, dass das derzeitige System nicht für die tägliche Flut von Billigpaketen ausgelegt sei. Er forderte vollständig digitale, vernetzte Abfertigungsverfahren, vereinfachte Zolltarifklassifikationen und eine Übergangsfrist zur Vermeidung von Engpässen.
- 2022
- 1.4 Mrd. Pakete
- 2025
- 5.8 Mrd. Pakete
Branchenreaktionen und nächste Schritte
Der katalanische Modecluster MODACC begrüßte die Gebühr als faireren Wettbewerbsrahmen. Shein hat sein Lager im polnischen Breslau erweitert und versendet nun mehr Produkte in großen Mengen in die EU. Weder Shein noch Temu reagierten auf Anfragen um Stellungnahme.
Die 3-€-Gebühr pro Kategorie ist eine Übergangsmaßnahme. Sie bleibt bis zum 1. Juli 2028 in Kraft, wenn ein neuer EU-Zolldaten-Hub in Betrieb gehen soll. Danach unterliegen alle Importe den regulären Zöllen auf der Grundlage ihres Inhalts.
- Vereinigte Staaten beenden De-minimis-Ausnahme für Importe aus China
- EU führt 3-€-Zollgebühr pro Kategorie für Pakete unter 150 € ein
- Vereinigte Staaten beenden De-minimis-Ausnahme für alle Importe
- EU-Zolldaten-Hub geht in Betrieb; reguläre Zölle gelten für alle Importe


