
EU-Experten empfehlen Social-Media-Beschränkung für Kinder unter 13 Jahren, gestaffeltes Zugangsmodell vorgeschlagen
EU-Kommissionsexperten befürworten eine EU-weite Beschränkung des Social-Media-Zugangs für Minderjährige unter 13 Jahren, wobei für unter Dreijährige ein komplettes Bildschirmverbot gilt und Plattformen die Sicherheit für Jugendliche nachweisen müssen.
Ein umfassender Bericht mit Biss
Die Expertengruppe, unter dem Vorsitz des deutschen Jugendpsychiaters Jörg Fegert und der französischen Forscherin Maria Melchior, übergab ihren Bericht am Montag in Brüssel an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Gestützt auf Erkenntnisse, dass europäische Teenager durchschnittlich vier bis sechs Stunden täglich in sozialen Medien verbringen, argumentieren die Autoren, dass dies die Gehirnentwicklung und Persönlichkeitsbildung schädigt. Ihre zentrale Empfehlung ist eine regulatorische Kehrtwende: Anstatt sich auf die Eltern zu verlassen, die die Nutzung ihrer Kinder überwachen, schlagen sie vor, die Beweislast auf die Plattformen selbst zu verlagern.
Soziale Medien sind kein Spielzeug. Sie sind ein sehr profitables, aber auch gefährliches Produkt.
Ein gestaffeltes Modell von null bis achtzehn
Für Kinder bis zu drei Jahren empfiehlt der Bericht eine Bildschirmzeit von null. Zwischen drei und dreizehn wäre der Zugang nur unter elterlicher oder lehrerseitiger Aufsicht und für begrenzte Zeiträume erlaubt. Ab dreizehn könnten Jugendliche schrittweise Autonomie erlangen, aber nur, wenn die Plattformen zuerst nachweisen, dass ihre Dienste keinen Schaden verursachen. Fegert nannte dies eine Umkehr der Beweislast. Der Bericht hebt Funktionen wie personalisierte Empfehlungen und endloses Scrollen als süchtig machendes Design hervor, das eingedämmt werden muss.
Weil solch klare Altersverbote das falsche Signal sind.
Nationale Fragmentierung droht
Mehrere Mitgliedstaaten drängen bereits auf höhere Altersgrenzen. Frankreich plant ein Verbot bis zum Alter von 15 Jahren, Österreich erwägt 14, und Spanien denkt über 16 nach. Die deutsche Rechtsgrenze liegt derzeit bei 16, und die Regierung befürwortet abgestufte Schutzmaßnahmen bis 18. Die Expertengruppe räumte ein, dass Länder aufgrund kultureller Unterschiede strengere Regeln erlassen könnten, aber von der Leyen bestand auf einem harmonisierten EU-weiten Rahmen, um einen Flickenteppich nationaler Gesetze zu vermeiden.
- EU-Expertenempfehlung
- 13 Jahre
- Österreich
- 14 Jahre
- Frankreich
- 15 Jahre
- Spanien
- 16 Jahre
- Deutschland
- 16 Jahre
Vollzugsdefizite und der bestehende Rechtsrahmen
Heute verbietet die DSGVO bereits Kindern unter 13 Jahren (oder unter 16 in einigen Staaten, mit elterlicher Zustimmung) die eigenständige Einwilligung in die Datenverarbeitung. Plattformen wie Meta und TikTok haben 13 als Mindestalter in ihren Nutzungsbedingungen festgelegt, dennoch bleibt die Durchsetzung schwach. Australiens sechsmonatige Erfahrung mit einem Mindestaltersgesetz zeigt, dass viele Kinder die Regeln immer noch umgehen. Von der Leyen wies auf eine EU-entwickelte Altersverifikations-App hin, die benutzerfreundlich und datenschutzkonform ist und den Eltern ein Stück Kontrolle zurückgibt.
Was als nächstes kommt
Von der Leyen bezeichnete den Expertenentwurf als überzeugend und versprach einen formellen Gesetzesvorschlag nach der Sommerpause der EU-Institutionen. Der Geltungsbereich würde sich auf Plattformen mit altersunangemessenem und süchtig machendem Design konzentrieren. Die Kommission hat bereits Verfahren gegen Meta wegen unzureichender Altersüberprüfungen eingeleitet. In Deutschland bezeichnete sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder als „aufgeschlossen“ gegenüber der Initiative, und eine jüngste Kommission unter Bildungsministerin Karin Prien befürwortete ebenfalls eine Altersgrenze von 13. Von der Leyen stellte das Thema in den Kontext der Produktsicherheit: So wie Autohersteller Sicherheitsgurte einbauen müssen, argumentierte sie, sollten Technologieunternehmen sicherstellen, dass ihre Produkte von Grund auf sicher sind.


