
Deutsche Polizei entdeckt Sprengstoff an Umspannwerken nahe der polnischen Grenze
Behörden in Sachsen entdeckten am Freitag Spreng- und Brandvorrichtungen an zwei Umspannwerken nahe der polnischen Grenze, nach ähnlichen Angriffen in ganz Deutschland.
Entdeckung in der Ostsachsen
Die deutsche Polizei leitete am 4. September einen Einsatz in Ostsachsen ein, nachdem an zwei Umspannwerken Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt wurden. Die betroffenen Anlagen befinden sich nördlich von Bautzen im Landkreis Görlitz, nahe der Landesgrenze zu Brandenburg und in unmittelbarer Nähe zur polnischen Grenze. Die Anlagen liegen im Lausitzer Braunkohlerevier, wo das Energieunternehmen LEAG Braunkohle abbaut, um die Kraftwerke Jänschwalde und Boxberg zu versorgen. Die sächsische Polizei konzentrierte ihre Maßnahmen auf die Gemeinden Weißwasser und Boxberg, um die Anlagen zu inspizieren und die umliegenden Hochspannungsleitungen zu sichern.
Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz, Anja Leuschner, äußerte sich zu dem taktischen Vorgehen:
Ein Polizeieinsatz läuft. Aus taktischen Gründen können wir uns dazu nicht äußern.
Koordiniertes Muster von Netzstörungen
Der Einsatz in Sachsen folgt auf eine Reihe von Angriffen auf die Energieinfrastruktur in ganz Deutschland Anfang September. Am 1. September entdeckten Rettungskräfte selbstgebaute Sprengvorrichtungen an einem Umspannwerk in Turnow-Preilack, Brandenburg, etwa 20 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Ermittler berichteten, dass die Täter selbstgebaute Projektile verwendeten, um leitfähiges Material in Oberleitungen zu schießen und so das Netz nahe dem Kraftwerk Jänschwalde kurzzuschließen. Am selben Abend legte eine elektrische Störung in Bergheim, 25 Kilometer westlich von Köln in Nordrhein-Westfalen, mehrere Hochspannungsleitungen lahm. Die Behörden verbuchten den Ausfall in Bergheim zunächst als technischen Fehler, bevor sie ihn am Morgen des 2. September als vorsätzliche Straftat einstuften.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann bestätigte, dass der Vorfall in Turnow-Preilack eine gezielte Sabotage am öffentlichen Netz darstellte. Am 4. September rückte die Polizei in Dormagen aus, nachdem ein Passant einen verdächtigen Gegenstand in der Nähe eines weiteren Umspannwerks gefunden hatte, was Sicherheitsüberprüfungen in regionalen Stromanlagen auslöste.
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Fahndung und ideologische Motive
Bundes- und Landesbehörden leiteten Ermittlungen wegen Straftaten gegen die verfassungsmäßige Ordnung und der Störung öffentlicher Versorgungseinrichtungen ein. In Nordrhein-Westfalen startete die Polizei eine großangelegte Fahndung nach dem 48-jährigen Daniel V. im Zusammenhang mit den Netzangriffen. Beamte durchsuchten die Wohnung des Verdächtigen in Gevelsberg und fanden bestätigte Spuren von Explosivstoffen in der Wohnung. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul bestätigte die Funde und stellte fest, dass die Ermittler mögliche Verbindungen sowohl zu ausländischen staatlichen Akteuren als auch zum linksextremistischen Inland prüfen.
Die Durchsuchung folgte der Sicherstellung eines Bekennerschreibens, das die Ermittler als authentisch bestätigten. In dem Schreiben bekannte sich der Verfasser zu Kurzschlüssen an mehreren Stromanlagen und begründete dies mit dem Widerstand gegen die Förderung fossiler Brennstoffe und das dadurch verursachte Leid. Die Erklärung äußerte zudem Feindseligkeit gegenüber dem Verteidigungssektor und bezog sich auf den militärischen Konflikt in Palästina.
Weitere Sicherheitsvorfälle
Die Entdeckungen an den Stromnetzen fielen mit anderen Sicherheitsoperationen im ganzen Land zusammen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verhaftete die Polizei in München zwei bulgarische Staatsbürger (eine 28-jährige Frau und einen 38-jährigen Mann), nachdem von einem Fahrzeug aus Brandvorrichtungen auf eine Baustelle von Rohde & Schwarz im Stadtteil Berg am Laim geworfen worden waren. Feuerwehrleute löschten den daraus entstandenen Brand, und Beamte entschärften eine zweite Brandvorrichtung, die nicht gezündet hatte.
Die deutschen Behörden verwiesen auch auf ausländische Sabotage bei einem früheren Vorfall im August am Flughafen Leipzig, bei dem eine mit Sprengstoff beladene Drohne ein ukrainisches Frachtflugzeug angriff. Zu den Verdächtigen in diesem Fall gehörten ein in Russland geborener Mann mit lettischem Pass und ein in Belarus geborener russischer Staatsbürger. Die erhöhten Infrastrukturalarme erfolgen vor den Landtagswahlen am 6. September in Sachsen-Anhalt, bei denen Umfragen der Partei Alternative für Deutschland etwa 40 Prozent Zustimmung zeigen.


