Staatsanwaltschaft Gdańsk stellt Ermittlungen zu Nawrockis Nutzung von Museumswohnungen ein – keine Straftat
Die Staatsanwaltschaft Gdańsk hat die Ermittlungen eingestellt, ob Präsident Karol Nawrocki als Direktor des Museums des Zweiten Weltkriegs seine Befugnisse überschritten hat, indem er Museumswohnungen unentgeltlich nutzte. Der Fall, ein Zündstoff des Präsidentschaftswahlkampfs, enthielt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte für eine Straftat.
Ermittlungen eingestellt
Die Staatsanwaltschaft Gdańsk gab am 12. August 2026 bekannt, dass sie die Ermittlungen eingestellt habe, ob Karol Nawrocki, heute Präsident Polens, als Direktor des Museums des Zweiten Weltkriegs in Gdańsk seine Befugnisse überschritten habe, indem er die kostenlose Nutzung von Museumswohnungen gestattete. Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass die Handlung keine Anhaltspunkte für eine Straftat enthielt. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, kann also theoretisch angefochten werden.
Die Ermittlungen wurden am 24. Februar 2025 eingeleitet und umfassten den Zeitraum vom 18. Oktober 2017 bis Juni 2024. Untersucht wurden die Handlungen der Museumsdirektoren, insbesondere ob Nawrocki ein Luxusapartment im Hotelkomplex des Museums über mehr als ein halbes Jahr unentgeltlich nutzte, obwohl er etwa 5 Kilometer entfernt wohnte.
- Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Gdańsk eingeleitet nach Artikel auf Wyborcza.pl und Anzeige von Abgeordnetem Giertych
- Präsident Nawrocki Mitte Juli als Zeuge vernommen
- Ermittlungen eingestellt; keine Anhaltspunkte für eine Straftat gefunden
Ursprung des Falls
Der Fall geht auf einen Artikel auf Wyborcza.pl mit dem Titel „Karol Nawrocki przez pół roku mieszkał w apartamencie Muzeum II Wojny. Nie zapłacił ani grosza“ (Karol Nawrocki wohnte ein halbes Jahr in einer Museumswohnung. Er bezahlte keinen Cent) zurück. Nach der Veröffentlichung erstattete der Abgeordnete der Bürgerkoalition Roman Giertych Strafanzeige mit der Behauptung, Nawrocki habe zwischen 2018 und 2021 Museumsräume und -apartments, die kommerziell angeboten wurden, unentgeltlich genutzt und damit der Einrichtung finanziellen Schaden zugefügt, um persönlich zu profitieren.
Nawrocki erklärte während des Wahlkampfs, er habe während der COVID-19-Pandemie eine zehntägige Quarantäne in dem Apartment verbracht, während er seinen Dienst versah. Der Historiker Sławomir Cenckiewicz bezeichnete die Affäre als den Nagel des Wahlkampfs.
Gesammelte Beweise
Die Staatsanwaltschaft vernahm 41 Zeugen, darunter 37 aktuelle und ehemalige Museumsmitarbeiter, von denen einige mehrfach befragt wurden. Nawrocki selbst wurde Mitte Juli 2026 als Zeuge vernommen. Die Ermittler sicherten Reservierungsausdrucke, E-Mail-Korrespondenz von Mitarbeitern, eine Kopie des Kalenders des Direktorbüros sowie Unterlagen zu Diensten, Urlaub, Krankenstand und Quarantänen einzelner Direktoren. Sie beschafften auch Kontrollakten des Obersten Rechnungshofs (NIK) zur Finanzverwaltung des Museums und befragten NIK-Prüfer.
Die Analyse des Reservierungssystems ergab 205 Tage mit Vermerken wie „Dyrektor“ oder „Pan Dyrektor“, am häufigsten für Apartment Nummer 78 de Luxe.
Begründung der Staatsanwaltschaft
Staatsanwalt Mariusz Duszyński, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gdańsk, erklärte, dass die museums eigene Satzung den Direktor ermächtige, Gebührenermäßigungen und -befreiungen für die Anmietung von Zimmern und Apartments zu gewähren, und dass diese Befugnis an keine bestimmten Voraussetzungen geknüpft sei. Er sagte, die gesammelten Beweise hätten nicht zweifelsfrei belegt, dass Nawrocki tatsächlich in den Apartments im üblichen Sinne einer Anmietung gewohnt habe, was die Belastung mit Instandhaltungskosten ermöglicht hätte.
Es kann nicht gesagt werden, dass ein Amtsträger seine Befugnisse überschritten hat, wenn der Museumsdirektor auf der Grundlage von Anordnungen, die gemäß der Museumsordnung erlassen wurden, Ermäßigungen und Befreiungen von Gebühren für die Anmietung von Zimmern und Apartments gewähren konnte.
Die Staatsanwaltschaft stellte zudem fest, dass nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei, dass Nawrocki die „Pan Dyrektor“-Einträge durch das Rezeptionspersonal im Reservierungssystem kannte.
Politische Reaktionen
Paweł Szefernaker, Chef des Präsidialkabinetts und Nawrockis ehemaliger Wahlkampfleiter, sagte, der Fall habe Nawrocki zerstören und einen Kandidatenwechsel erzwingen sollen.
Es sollte eine politische Bombe sein, die Karol Nawrocki zerstören und zu einem Kandidatenwechsel führen sollte.
Szefernaker fügte hinzu, die Wahrheit habe sich durchgesetzt und Nawrocki sei nun Präsident Polens. Nawrocki selbst reagierte auf Nachfrage eines TVN24-Reporter abweisend, nannte es eine politische Farce, aber eine erfreuliche Nachricht, falls der Fall eingestellt werde. Er sagte, er habe so viele Verfahren gegen sich laufen, dass er sich darüber überhaupt keine Sorgen mache.


