
Polen leitet Ermittlungen wegen möglicher Vergiftung des Präsidenten während des Wahlkampfs 2025 ein
Die Staatsanwaltschaft in Świdnica hat ein formelles Ermittlungsverfahren zu einem Vorfall am 15. Mai 2025 in Ząbkowice Śląskie eingeleitet, bei dem der damalige Präsidentschaftskandidat Karol Nawrocki unter Erbrechen, Krämpfen und kurzzeitigem Bewusstseinsverlust litt, nachdem ihm auf ungeklärte Weise eine unbekannte Substanz verabreicht worden war.
Die polnische Staatsanwaltschaft hat ihre Untersuchung des plötzlichen Gesundheitskollapses von Karol Nawrocki während des Präsidentschaftswahlkampfs des letzten Jahres ausgeweitet und ein vollständiges Ermittlungsverfahren eingeleitet, um zu klären, ob der damalige Kandidat absichtlich einer lebensbedrohlichen Substanz ausgesetzt wurde.
Was in Ząbkowice Śląskie geschah
Der Vorfall ereignete sich am 15. Mai 2025 während eines Wahlkampfstopps in Ząbkowice Śląskie, einer Stadt in Niederschlesien. Nawrocki, damals der führende Präsidentschaftskandidat, erkrankte nach einer kurzen Rede. Laut Staatsanwaltschaft erlitt er Erbrechen, Krämpfe und einen kurzzeitigen Bewusstseinsverlust, nachdem ihm auf ungeklärte Weise eine unbekannte Substanz verabreicht worden war. Der Vorfall erstreckte sich Medienberichten zufolge auch auf einen zweiten Wahlkampfstopp am selben Tag im nahegelegenen Dzierżoniów.
Die Ereignisse blieben über ein Jahr lang unveröffentlicht, bis ein Buch-Interview mit dem Präsidenten mit dem Titel „Skąd się wziął Karol Nawrocki?“ (Woher kam Karol Nawrocki?), geführt von dem Historiker Prof. Andrzej Nowak, veröffentlicht wurde. Das Portal wpolityce.pl war die erste Quelle, die über den Inhalt des Buches berichtete, der Nawrockis eigene Schilderung der Gesundheitskrise enthielt.
Von der Vorprüfung zur vollständigen Untersuchung
Nach Medienberichten Ende Juni 2026 leitete die Bezirksstaatsanwaltschaft in Świdnica von Amts wegen eine Vorprüfung ein. Diese wurde nun zu einem formellen strafrechtlichen Ermittlungsverfahren aufgewertet, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch, dem 29. Juli 2026, bekannt gab. Staatsanwalt Marek Rusin erklärte, die bisherigen Prüfungen hätten eine plötzliche und heftige Verschlechterung des Gesundheitszustands des Geschädigten nicht ausschließen können, und die Komplexität und Schwere des Falles erforderten eine vollständige Untersuchung.
Die bisherigen Überprüfungen haben nicht ausgeschlossen, dass es nach dem Ende der Wahlveranstaltung in Ząbkowice Śląskie zu einer plötzlichen und heftigen Verschlechterung des Gesundheitszustands des Geschädigten kam, weshalb die Entscheidung getroffen wurde, das Verfahren fortzusetzen.
Die Vorprüfung konnte nicht alle relevanten Umstände klären, und der Fall erfordert nun Verfahrensschritte, die in formellen Protokollen dokumentiert werden müssen, was während einer Vorprüfungsphase in der Regel nicht zulässig ist.
Zwei Privatanzeigen wurden zur Akte hinzugefügt
Die Ermittlungsakte enthält auch zwei separate Strafanzeigen, die von Privatpersonen eingereicht wurden. Rusin bestätigte, dass der Inhalt dieser Anzeigen einen Bezug zum Gegenstand des Falles aufweise und sie in das Verfahren aufgenommen worden seien.
Präsident Nawrocki wurde über die Ermittlungen informiert und hat in dem Verfahren den Status des Geschädigten (pokrzywdzony). Die untersuchte Straftat – das Aussetzen einer Person einer unmittelbaren Lebensgefahr oder der Gefahr einer schweren Körperverletzung – ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bedroht.
- Nawrocki erkrankt nach einer Wahlkampfkundgebung in Ząbkowice Śląskie; es wird von Erbrechen, Krämpfen und kurzzeitigem Bewusstseinsverlust berichtet.
- Medien berichten über den Vorfall nach Veröffentlichung des Buches „Skąd się wziął Karol Nawrocki?“; die Staatsanwaltschaft leitet eine Vorprüfung ein.
- Die Bezirksstaatsanwaltschaft in Świdnica eröffnet ein formelles Ermittlungsverfahren; zwei Privatanzeigen werden zur Akte hinzugefügt.
- Die Erklärung des Staatsanwalts wird veröffentlicht; Präsident Nawrocki wird informiert und erhält den Status des Geschädigten.
Ein Wahlkampfgeheimnis kommt ans Licht
Das Buch, das den Vorfall an die Öffentlichkeit brachte, wurde Wochen vor der Ankündigung der Ermittlungen veröffentlicht und hat in Polen politische Debatten ausgelöst. Es schildert bisher nicht berichtete Hintergrundmomente des Wahlkampfs 2025. Nawrockis Schilderung der Episode, die in dem Interview wiedergegeben wurde, lieferte den ersten öffentlichen Bericht darüber, was nach der Kundgebung in Ząbkowice Śląskie geschah.
Die Ermittlungen sollen nun klären, ob die Substanz absichtlich verabreicht wurde, um welche Substanz es sich handelte und auf welche Weise sie verabreicht wurde. Nach der Stellungnahme des Staatsanwalts vom 29. Juli sind sowohl die Substanz als auch die Art und Weise ihrer Verabreichung weiterhin unbekannt.


