
Kushners 1,4-Milliarden-Euro-Resort in Albanien: Grundstücksverkäufer wegen Urkundenfälschung und Drogenhandels angeklagt
Albanische Staatsanwälte untersuchen, ob die Eigentumstitel für ein Küstenschutzgebiet, das für ein von Jared Kushner unterstütztes Resort verkauft wurde, gefälscht wurden, und haben rund 110 Millionen Euro aus dem Verkauf eingefroren.
Die Ermittlungen
Die albanische Sonderstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität (SPAK) prüft, ob die Eigentumstitel für ein Küstenschutzgebiet, das für ein von Kushner unterstütztes Luxusresort vorgesehen ist, gefälscht wurden, wie aus von Reuters eingesehenen Fallakten hervorgeht. Die 200 Seiten umfassenden Akten nennen Artur Shehu, einen in Miami ansässigen Geschäftsmann, als Verkäufer, der das Land im April an Albania Land Development übertragen hat. Albania Land Development ist das Unternehmen hinter dem Kushner-Projekt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Shehu und seinen Geschäftspartnern vor, Erlöse aus dem Kokainschmuggel aus Südamerika in albanische Immobilien geleitet und dabei gefälschte Eigentumstitel verwendet zu haben, um die Herkunft des Geldes zu verschleiern. Sie haben daraufhin rund 110 Millionen Euro (126 Millionen US-Dollar) aus dem Verkauf auf einem Notarkonto eingefroren. Die SPAK-Akten wurden am selben Tag veröffentlicht, an dem die Behörde separate Haftbefehle gegen 20 Personen erließ, denen Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen werden.
Nichts, was über die Person von Herrn Artur Shehu behauptet wird, ist wahr. Er ist weder ein Drogenhändler noch ein Fälscher von Grundstücksdokumenten.
Cakrani, Shehus Anwalt, bestätigte, dass die albanische Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen seinen Mandanten wegen Geldwäsche im Zusammenhang mit Drogengeldern erlassen hat. Er sagte, Shehu sei 1998 in die USA geflohen und habe dort Asyl erhalten, nachdem sein Bruder und sein Onkel bei Bandengewalt getötet worden seien. Shehu sei von dem Haftbefehl unbeeindruckt, da in Albanien allgemein angenommen werde, dass die Staatsanwaltschaft politischen und geschäftlichen Interessen folge.
Eigentumsstreit
Mehrere Bewohner des Dorfes Zvernec in der Nähe des Projektgeländes bestreiten seit über einem Jahrzehnt vor Gericht Shehus Eigentumsrechte. Sie legten Reuters Eigentumstitel und Steuerdokumente vor, die ihrer Aussage nach belegen, dass sie die rechtmäßigen Eigentümer des Landes sind. In den SPAK-Akten heißt es, dass „begründete Verdachtsmomente auf der Grundlage von Beweisen dafür vorliegen, dass die Vermögenswerte durch die Verwendung gefälschter Dokumente erworben wurden.“
Shehus Anwalt hält dagegen, dass die Familie seines Mandanten das Land seit mehr als einem Jahrhundert, seit osmanischer Zeit, besitze. Die Entwickler teilten Reuters mit, sie betrachteten die Transaktion als legal. Reuters fand keine Hinweise darauf, dass Kushner, Sazan Real Estate Development oder andere Geldgeber des Resorts zum Zeitpunkt des Grundstückswechsels von den Verdächtigungen gegen Shehu wussten. Die SPAK-Akten enthalten keine Vorwürfe gegen Kushner, Sazan Real Estate Development, Albania Land Development oder andere Investoren des Resortprojekts.
Das Resortprojekt
Das von Kushner unterstützte Bauprojekt wird auf 1,4 Milliarden Euro (1,4 Milliarden US-Dollar) geschätzt und liegt im Herzen eines Naturschutzgebiets im Vjosa-Delta, einem der wichtigsten Feuchtgebiete Albaniens. Die Pläne sehen Luxushotels, Villen, Yachthäfen und Freizeitinfrastruktur auf der unbewohnten Insel Sazan (einem ehemaligen Militärstützpunkt) und entlang der Küste von Vlora vor.
Kushner und seine Frau Ivanka Trump haben erklärt, die Idee für das Resort sei ihnen gekommen, nachdem sie die Küste von einer Yacht aus gesehen hätten. Er stellte 2024 Renderings des Projekts in den sozialen Medien vor.
Flamingo-Revolution
Seit Ende Mai finden in der Hauptstadt Tirana nächtliche Proteste gegen den Bau des Resorts in einem geschützten Naturgebiet an der Adriaküste statt. Die Region beherbergt wichtige Brut- und Rastgebiete für Flamingos, Reiher und zahlreiche andere Vogelarten sowie Meeresschildkröten. Die Massendemonstrationen werden als „Flamingo-Revolution“ bezeichnet, wobei die Demonstranten den Flamingo als Symbol angenommen haben und unter dem Slogan „Albanien ist nicht zu verkaufen“ demonstrieren.
Albanien ist nicht zu verkaufen.
Umweltorganisationen befürchten, dass die geplanten Bauarbeiten das empfindliche Ökosystem irreversibel schädigen werden. Die Proteste, die sich zunächst gegen das Resortprojekt richteten, haben sich inzwischen zu einer breiteren Unmutsbekundung gegen die mutmaßliche Regierungskorruption ausgeweitet.
- Artur Shehu verkauft Küstenland an Albania Land Development für rund 110 Millionen Euro
- Nächtliche Proteste in Tirana gegen das Resortprojekt beginnen, später als „Flamingo-Revolution“ bezeichnet
- Tausende versammeln sich zu Protesten unter dem Slogan „Albanien ist nicht zu verkaufen“
- SPAK-Ermittlungsakten werden öffentlich; Sicherungsbeschlagnahme der 110 Millionen Euro aus dem Grundstücksverkauf
Wie es weitergeht
Das albanische Gericht hat eine Sicherungsbeschlagnahme der 110 Millionen Euro, die für das Land gezahlt wurden, angeordnet, so dass Shehu vorerst nicht auf das Geld zugreifen kann. Ein Sprecher des US-Justizministeriums lehnte eine Stellungnahme dazu ab, ob es ein Ersuchen Albaniens erhalten habe, Shehu in Miami ausfindig zu machen oder festzunehmen. Die Entwickler bestehen weiterhin darauf, dass die Transaktion legal war.


