Deutsches Verteidigungsministerium räumt ‚Fehler‘ nach mutmaßlich rechtswidriger Reisegenehmigungsregel für wehrpflichtige Männer ein
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gerät unter Druck, nachdem ein Gutachten des Bundestages zu dem Ergebnis kommt, dass seine Aussetzung der umstrittenen Reisegenehmigungspflicht für Männer zwischen 18 und 45 Jahren wahrscheinlich rechtswidrig ist. Das Ministerium räumt nun einen ‚Fehler‘ ein und verspricht eine gesetzliche Nachbesserung.
Was geschah
Seit Jahresbeginn 2026 sieht eine Klausel im neuen Wehrdienstgesetz vor, dass Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren für Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten eine Genehmigung der Bundeswehr einholen müssen. Die Regelung lag zunächst brach, bis sie im April öffentliche Aufmerksamkeit erregte und Empörung über die möglichen Einschränkungen der Freizügigkeit junger Männer auslöste.
Als Reaktion darauf erließ Verteidigungsminister Boris Pistorius am 9. April 2026 eine Allgemeinverfügung, die die Pflicht faktisch außer Kraft setzte.
Mir sind unbürokratische und handhabbare Verfahren wichtig. In der aktuellen Friedenszeit wird es keine Genehmigungsverfahren geben. Wir setzen die Genehmigungspflicht aus, solange der Wehrdienst freiwillig ist.
Rechtliche Zweifel
Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, das von der Linksfraktion in Auftrag gegeben wurde, kommt nun zu dem Schluss, dass die Allgemeinverfügung von Pistorius wahrscheinlich rechtswidrig ist. Zwar erlaube das Wehrpflichtgesetz dem Minister, Ausnahmen von der Meldepflicht zu gewähren, doch das Gutachten argumentiert, dass mit der pauschalen Aussetzung für alle Männer faktisch ein geltendes Gesetz außer Kraft gesetzt werde – eine Befugnis, die allein dem Bundesverfassungsgericht zustehe.
dürfte angenommen werden können, dass die Allgemeinverfügung vom 9. April 2026 rechtswidrig ist
- Das neue Wehrdienstgesetz tritt in Kraft und führt die Reisegenehmigungspflicht für Männer von 18 bis 45 Jahren wieder ein.
- Minister Pistorius erlässt eine Allgemeinverfügung, die die Genehmigungspflicht für alle Männer aussetzt.
- Das Ministerium räumt einen Fehler ein und kündigt eine Gesetzesänderung über das Reservestärkungsgesetz an.
Ministerium rudert zurück
Auf einer Pressekonferenz am 1. Juni 2026 räumte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums den Fehler ein. Sie bezeichnete die ursprüngliche Formulierung des Gesetzes als
und fügte hinzu:sicherlich ein Fehler beziehungsweise eine Ungenauigkeit
.dass die Norm so drin steht, wie sie drin steht, ist ein Versehen
Das Ministerium plant nun, das Gesetz im Zuge des anstehenden Reservestärkungsgesetzes zu ändern und die Reisegenehmigungspflicht auf Spannungs- oder Verteidigungsfälle zu beschränken. In der Zwischenzeit, so die Sprecherin, müsse niemand Sanktionen fürchten, der die Regel ignoriere.
Politische Reaktionen
Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages, forderte von Pistorius umgehend Klarheit und warnte, der Vorgang gefährde die freiwillige Rekrutierung.
Er forderte den Minister auf, persönlich für Rechtssicherheit zu sorgen und nötigenfalls eine schnelle gesetzliche Lösung vorzulegen.Der Vorgang ist extrem ärgerlich und schadet dem Anliegen, junge Menschen freiwillig für den Wehrdienst zu gewinnen.
Die Linksfraktion, die das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, erwägt nun eine Klage gegen die Ministerverfügung. Unterdessen verharren Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren in einer rechtlichen Grauzone und sind unsicher, ob sie für längere Auslandsreisen eine Genehmigung einholen müssen.


