Kurz gefasst
Eriksen stürzte in der 65. Minute des Testspiels Dänemark gegen die Ukraine in Odense zu Boden und fasste sich an die Brust, fünf Jahre nach seinem Herzstillstand bei der EM 2020.
Eriksen bestätigte, dass sein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator einen Schock abgegeben habe, den er als ‚andere Situation‘ im Vergleich zum Herzstillstand 2021 beschrieb.
Der dänische Sportdirektor Peter Möller sagte, die Entscheidung über Eriksens Zukunft liege allein bei ihm, während Kardiologen meinen, das Wiederholungsereignis verschiebe die Risikoeinschätzung in Richtung Rückzug aus dem Spitzensport.
Registerdaten zeigen, dass 30–40 % der Athleten nach einem bewusst erlebten ICD-Schock vorübergehend vom Sport zurücktreten, aus Angst vor einem Wiederauftreten.
- 12.06.Eriksen erleidet einen plötzlichen Herzstillstand während des EM-Gruppenspiels Dänemark gegen Finnland in Kopenhagen; er wird auf dem Platz lebensrettend wiederbelebt.
- 18.06.Eriksen erhält einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) und nimmt später seine Vereins- und internationale Karriere wieder auf.
- 7.06.Eriksen bricht in der 65. Minute eines Testspiels gegen die Ukraine in Odense zusammen; sein ICD wird aktiviert und das Spiel abgebrochen.
- 8.06.Eriksen postet auf Instagram, dass er zu Hause sei, sich wohlfühle und der ICD-Schock eine ‚andere Situation‘ als 2021 gewesen sei.
Der Vorfall in Odense
Der Däne Christian Eriksen brach am Sonntagabend in der 65. Minute eines Testländerspiels gegen die Ukraine in Odense zusammen. Der 34-jährige Spielmacher fasste sich an die Brust und stürzte ohne gegnerische Einwirkung zu Boden, woraufhin die Partie kurz darauf abgebrochen wurde. Die Szene rief sofort Erinnerungen an den Juni 2021 wach, als Eriksen während eines EM-Gruppenspiels gegen Finnland in Kopenhagen einen plötzlichen Herzstillstand erlitt und auf dem Platz wiederbelebt werden musste.
Eriksens Stellungnahme
Eriksen veröffentlichte am Montag ein Update auf Instagram, in dem er bestätigte, dass er nach Hause zurückgekehrt sei und sich wohlfühle. Er erklärte, dass sein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD), der nach dem Vorfall von 2021 eingesetzt worden war, einen Schock abgegeben hatte.
„Einen Schock von meinem ICD zu bekommen, hat große Auswirkungen auf mich und meine Familie gehabt, aber ich möchte alle beruhigen, dass dies eine andere Situation war als das, was 2021 passiert ist.“
„Dank ihrer Fachkenntnis hat der ICD genau das getan, wofür er entwickelt wurde: mich zu schützen, als ich ihn brauchte.“
Medizinische Perspektive auf ICDs im Sport
Von Schweizer und deutschen Medien befragte Kardiologen erklärten, dass ein ICD die zugrunde liegende Herzerkrankung, die Eriksens Herzstillstand von 2021 verursachte, nicht verhindert. Christian Schmied, Kardiologe am Zürcher Herz-Gefäss-Zentrum, stellte fest, dass die Notfallfunktion des Geräts in der Regel erst aktiviert wird, wenn das Kammerflimmern bereits eingesetzt hat und der Patient bereits das Bewusstsein verloren hat. Der Schock unterbricht das chaotische Rhythmusgeschehen, um einen normalen Herzschlag wiederherzustellen, der Zusammenbruch selbst sei jedoch nicht ungewöhnlich. Michael Stiefel, Oberarzt der Klinik für Kardiologie am Universitätsspital Zürich, sagte gegenüber Blick, dass die schnelle Rückkehr des Bewusstseins beruhigend sei, das Wiederholungsereignis jedoch die Risiko-Nutzen-Abwägung in Richtung Rückzug aus dem Spitzensport verschiebe.
„Ein implantierter Defibrillator ist kein Freifahrtschein für uneingeschränkten Spitzensport; die sports-kardiologischen Richtlinien erlauben Wettkampfsport mit einem ICD nur nach individueller Prüfung.“
Psychologische Belastung und Karriere-Ungewissheit
Stiefel hob auch die psychologischen Auswirkungen hervor, die ein bewusst erlebter Defibrillator-Schock mit sich bringt. Registerdaten legen nahe, dass 30 bis 40 Prozent der Athleten nach einem solchen Ereignis vorübergehend vom Sport zurücktreten, aus Angst vor einem Wiederauftreten. Der dänische Teamarzt Morten Boesen bestätigte, dass er mit Eriksen gesprochen habe, der sich bei seiner Familie guter Laune zeige, wollte sich jedoch nicht zu dessen sportlicher Zukunft äußern. Der dänische Sportdirektor Peter Möller sagte, die Entscheidung liege allein bei Eriksen. Der Vorfall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, als Eriksen vertragliche Gespräche mit seinem derzeitigen Verein VfL Wolfsburg nach dem Abstieg aus der Bundesliga anstehen.
Weiterer Kontext zum plötzlichen Herzstillstand bei jungen Menschen
Dr. Steven Cox, Geschäftsführer der Wohltätigkeitsorganisation Cardiac Risk in the Young, sagte gegenüber The Independent, dass nicht diagnostizierte Herzerkrankungen nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen bei fitten jungen Menschen seien. Jede Woche sterben in Großbritannien zwölf Menschen im Alter von 35 Jahren oder jünger plötzlich an einer zuvor nicht erkannten Herzerkrankung.
„Ein Großteil unserer Arbeit besteht darin, in Gemeinschaften zurückzukehren, in denen oft die fitste und gesündeste Person in einem Sportteam eine nicht diagnostizierte Herzerkrankung hatte und plötzlich verstarb.“