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Wohnen·vor 3 Std.

Erfurt führt deutsches Glücksranking an – Stadtgröße und soziales Gefüge prägen die Lebenszufriedenheit

Die thüringische Landeshauptstadt erreicht im SKL-Glücksatlas 2026 einen Wert von 7,74 von 10 Punkten, während Rostock, Frankfurt und Wiesbaden das Schlusslicht unter den 40 untersuchten Großstädten bilden.

Laut dem SKL-Glücksatlas 2026, der von der Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Klassenlotterie erstellt wurde, ist Erfurt die Stadt mit der höchsten allgemeinen Lebenszufriedenheit ihrer Einwohner. Die thüringische Landeshauptstadt führt das Ranking von 40 Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern an und erreicht auf einer Skala von 0 bis 10 einen Wert von 7,74. Augsburg (Bayern) und Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) folgen auf den Plätzen zwei und drei. Am anderen Ende der Skala belegen Rostock (5,80), Wiesbaden und Frankfurt am Main die letzten drei Plätze.

Was die Spitzenreiter auszeichnet

Erfurt ist laut den Studienautoren ein Beispiel für eine ruhige ostdeutsche Stadt, in der niedrige Mieten, eine hohe Umweltqualität und eine leicht überdurchschnittliche wirtschaftliche Situation zusammentreffen. Augsburg profitiert von moderaten Mietpreisen und niedriger Kriminalität – Bedingungen, die denen in Erfurt ähneln. Sieben der zehn Städte mit den besten Werten liegen in Nordrhein-Westfalen, überwiegend im Rheinland. Düsseldorf (Platz 3) führt die NRW-Gruppe an, gefolgt von Krefeld (4.), Aachen, Mönchengladbach, Oberhausen und Duisburg (6. bis 9.). Münster teilt sich mit Hamburg den zehnten Platz.

Die Indikatoren des materiellen Wohlstands erfassen das Lebensglück der Menschen nicht vollständig; auch immaterielle Faktoren wie Gemeinschaftsgefühl und die persönliche Identifikation mit dem Wohnort spielen eine große Rolle.

Das rheinische Paradoxon

Mehrere Städte im Rheinland gelten als „Überflieger": Ihre subjektive Lebenszufriedenheit übertrifft die objektiven Lebensbedingungen bei weitem. Duisburg, Oberhausen und Krefeld erzielen trotz unterdurchschnittlichem Wohlstand, höherer Arbeitslosigkeit oder erhöhter Kriminalität hohe Zufriedenheitswerte. Auch Köln (Platz 20) zählt zu den Überfliegern. Die Forscher führen dieses Muster unter anderem auf die regionale Mentalität zurück. Im Gegensatz dazu ist Bielefeld ein ausgeprägter „Underperformer": Die Stadt belegt bei den objektiven Lebensqualitätsindikatoren den ersten Platz unter den 40 untersuchten Städten, liegt aber bei der subjektiven Zufriedenheit nur auf Platz 22. Münster und Bonn (Platz 15) weisen eine ähnliche Diskrepanz auf.

Ostdeutschland: Ein gemischtes Bild

Die Bewohner ostdeutscher Städte sind im Durchschnitt älter, leben häufiger allein, besitzen seltener Wohneigentum und haben mit einer höheren Arbeitslosigkeit sowie niedrigeren verfügbaren Einkommen zu kämpfen als ihre westdeutschen Pendants. Berlin (Platz 35) und Dresden (Platz 31) landen in der unteren Tabellenhälfte. Erfurt durchbricht dieses Muster jedoch deutlich. Rostock belegt trotz überdurchschnittlicher Werte bei Kriminalität, Infrastruktur und Umweltqualität zum dritten Mal in Folge den letzten Platz. Die Studie beschreibt die Ostseestadt als nahezu „bedrückend ruhig" und führt dies auf eine überalterte Bevölkerung, einen Anteil von Singlehaushalten von über 50 Prozent, eine der niedrigsten Geburtenraten und die zweitniedrigste Wohneigentumsquote unter den 40 Städten zurück.

Süddeutsche Underperformer und der Größeneffekt

Die Städte Baden-Württembergs bieten hohe Einkommen, weit verbreitetes Wohneigentum, niedrige Kriminalität sowie eine hervorragende Bildungs- und Gesundheitsversorgung, doch ihre Einwohner berichten nur von einer moderaten Zufriedenheit. Karlsruhe würde allein aufgrund der objektiven Faktoren national auf Platz zwei rangieren, belegt aber nur Platz 37. Freiburg fällt von einem objektiven vierten auf den subjektiven 26. Platz zurück. München, die teuerste Stadt Deutschlands, erreicht nur Platz 24, gleichauf mit Leipzig, während Nürnberg auf Platz 35 neben Berlin liegt. Die Studie identifiziert hohe Mieten, überlastete Infrastruktur, schlechte Umweltqualität und ausgeprägte Einkommensungleichheit als belastende Faktoren für die Zufriedenheit in München, Frankfurt und Wiesbaden. Ein allgemeiner Trend zeichnet sich in den Daten ab: Die Lebenszufriedenheit nimmt tendenziell mit der Stadtgröße ab, wobei Hamburg und Düsseldorf bemerkenswerte Ausnahmen darstellen.

Ausgewählte deutsche Städte nach Lebenszufriedenheitswert (0–10) · score
Erfurt
7.74 score
Augsburg
7.74 score
Düsseldorf
7.74 score
Krefeld
7.74 score
Hamburg
7.2 score
Mannheim
7.16 score
Kassel
7.16 score
Köln
7.16 score
München
7.16 score
Berlin
7.16 score
Karlsruhe
7.16 score
Frankfurt am Main
7.16 score
Wiesbaden
7.16 score
Rostock
5.8 score

Methodik

Insgesamt 23.286 Personen im Alter von 16 bis 84 Jahren wurden zwischen Januar 2023 und April 2026 vom Institut für Demoskopie Allensbach befragt. Die Befragten beantworteten die Frage: „Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig, alles in allem, mit Ihrem Leben?" Neben dem subjektiven Ranking erstellten die Forscher einen objektiven Lebensqualitätsindex aus 30 Indikatoren in acht Kategorien, darunter Wohnen, Kriminalität, Wohlstand und Arbeitsmarkt, Gesundheit, Familie und Bildung.

Erfurt · Rostock · Freiburg

8 Quellen

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