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Wirtschaft·vor 2 Std.

Electrolux setzt 1.719 Entlassungen für 50 Tage aus, während Italien einen neuen Industrieplan fordert

Der schwedische Haushaltsgerätehersteller hat zugestimmt, seinen umstrittenen Stellenabbau von 1.719 Arbeitsplätzen und die Werksschließungen vorerst zu stoppen, nachdem der italienische Industrieminister den Plan als inakzeptabel bezeichnet hatte. Die Gespräche sollen nun vor der Sommerpause im August zu einer Einigung führen.

Electrolux hat sein kollektives Entlassungsverfahren in Italien für 50 Tage ausgesetzt und nimmt damit Abstand von einseitigen Kündigungen und Standortschließungen während einer von der Regierung vermittelten Verhandlung, die am 15. Juni 2026 im Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (Mimit) einberufen wurde.

Regierungsultimatum im Mimit

Minister Adolfo Urso eröffnete das Treffen mit einer direkten Ablehnung des Unternehmensplans.

Das Urteil der Regierung ist eindeutig: Der vom Unternehmen vorgelegte Plan ist inakzeptabel und kann nicht akzeptiert werden; er ist industriepolitisch defätistisch und in seinen sozialen Auswirkungen nicht tragbar. Wir brauchen jetzt sofort eine Wende: Wir müssen noch heute einen neuen Weg aufzeigen.

Urso forderte das Unternehmen auf, von einseitigen Schritten abzusehen und sich stattdessen auf eine schnelle, intensive Verhandlungsrunde einzulassen.

Reaktion des Unternehmens

Der CEO von Electrolux Italia, Massimiliano Ranieri, erklärte daraufhin, dass das Unternehmen während der Diskussionsphase keine einseitigen Maßnahmen ergreifen werde. Quellen bei dem Treffen zufolge beklagte die Firma ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld und verwies auf einen stagnierenden europäischen Markt, komplizierte EU-Regulierungen, Konsumenten, die auf günstigere Produkte ausweichen, sowie eine wachsende Lücke zu asiatischen Wettbewerbern.

Wir beabsichtigen nicht, während der Diskussion einseitige Maßnahmen zu ergreifen. Ein gemeinsamer Weg kann eingeschlagen werden, um eine Lösung zu finden.

Der umstrittene Plan

Der Plan hätte etwa 40 % der italienischen Belegschaft von Electrolux betroffen, 1.719 Stellen gestrichen und das Werk in Cerreto d'Esi geschlossen. Er fällt in eine Zeit der allgemeinen Krise im italienischen Haushaltsgerätesektor, der bereits durch die Umstrukturierung bei Whirlpool-Beko erschüttert wurde. Der Minister für die Beziehungen zum Parlament, Luca Ciriani, dessen Wahlkreis den Standort Porcia umfasst, bezeichnete den ursprünglichen Vorschlag als absolut inakzeptabel, begrüßte aber das Einlenken des Unternehmens als ersten Schritt.

Reaktion der Gewerkschaften: Bewaffneter Waffenstillstand

Die Gewerkschaftsführer begrüßten die Aussetzung als hart erkämpfte Pause, nicht als Lösung.

Die Situation ist nicht endgültig gelöst. Aber der Plan ist ausgesetzt und das Unternehmen wird keine Initiative einseitig starten. Ich denke, dies ist ein erster Schritt nach vorne, den wir mit vorsichtigem Optimismus begrüßen können, als Ergebnis der gemeinsamen Mobilisierungen der letzten Wochen.

Michele De Palma von der Fiom beschrieb den Moment als einen bewaffneten Waffenstillstand mit Electrolux, während Ferdinando Uliano von der Fim betonte, dass institutionelle finanzielle Zusagen in der Praxis erprobt werden müssten, anstatt nur auf dem Papier zu stehen. Die USB vertrat eine härtere Linie, erklärte, sie vertraue dem Unternehmen nicht und beharrte darauf, dass Entlassungen und Schließungen vollständig vom Tisch genommen werden müssten.

Fünfzig-Tage-Frist

Urso hat das Ziel gesetzt, vor der Sommerpause, etwa bis zum 6. oder 7. August, eine tragfähige Einigung zu erzielen. Damit bleiben etwa sieben bis acht Wochen für geplante Gespräche mit dem Unternehmen, den Gewerkschaften, der Confindustria sowie den Regional- und Kommunalregierungen, die alle am Mimit-Treffen teilnahmen. Ziel ist ein alternativer Rahmen, der auf dem Erhalt von Kompetenzen, dem Schutz von Arbeitsplätzen und der Sicherung der Produktionskapazitäten basiert.

Zeitplan des Entlassungsstreits bei Electrolux Italien
  1. Erstes von der Regierung vermitteltes Treffen im Mimit zum Umstrukturierungsplan von Electrolux
  2. Zweites Mimit-Treffen: Urso lehnt Plan ab, Electrolux stimmt zu, einseitige Maßnahmen für 50 Tage auszusetzen
  3. Zieltermin von Minister Urso für eine endgültige Einigung vor der Sommerpause
Rom · Cerreto d'Esi · Porcia

5 Quellen

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