Kurz gefasst
Die WMO erwartet, dass die Meeresoberflächentemperaturen in der zentralen Pazifikregion Niño-3.4 von November 2026 bis Januar 2027 etwa 3,8 Grad über dem langfristigen Mittel liegen, mit einem Höhepunkt um den Dezember.
Die Anomalie stieg von 1,6 Grad im Juni auf 2,5 Grad im August, während der bisherige Dreimonatsrekord von 2,6 Grad aus dem Winter 2015/16 stammt.
Tom Fletcher sagte, über den zentralen Nothilfefonds von OCHA seien mehr als 50 Millionen Dollar für elf Länder mobilisiert worden, darunter Tschad, El Salvador, Äthiopien, Somalia und Südsudan.
Unter Berufung auf UN-Zahlen heißt es in dem Bericht, bis zu 50 Millionen Menschen könnten zusätzlich von Hunger bedroht sein; die Afrikanische Entwicklungsbank beziffert die Kosten für afrikanische Staaten auf 10 bis 20 Milliarden US-Dollar.
Zusammen mit dem Klimawandel könnte El Niño laut der WMO-Warnung 2027 zum heißesten Jahr seit Beginn der Messungen machen.
- Juni 2026Anomalie bei 1,6 Grad über dem langfristigen Mittel
- August 2026Anomalie steigt auf 2,5 Grad über dem langfristigen Mittel
- 21.10.Die WMO warnt, der El Niño könnte die Messskalen überschreiten, und die UN fordern frühes Handeln
Eine Prognose jenseits bestehender Skalen
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnte am Mittwoch, 21. Oktober, dass der sich derzeit im Pazifik entwickelnde El Niño sich in den kommenden Monaten weiter verstärken und möglicherweise die in den vergangenen vier Jahrzehnten verwendeten Messskalen überschreiten könnte. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo stellte die neue saisonale Klimaprognose bei einer Pressekonferenz in Genf vor. Die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik, der Kernregion eines El Niño, stiegen laut WMO-Zahlen von 1,6 Grad über dem langfristigen Mittel im Juni auf 2,5 Grad im August. Für Oktober bis Dezember erwartet die Organisation eine Anomalie von fast 3,7 Grad, für November bis Januar etwa 3,8 Grad, mit dem Höhepunkt um den Dezember. Saulo forderte eine koordinierte Reaktion:
„Wir können El Niño nicht stoppen, aber wir können viele seiner schwersten menschlichen Folgen verhindern.“
Rekordbereich und ein mögliches Rekordhitzejahr
Der bisherige Rekord für einen Dreimonatsdurchschnitt liegt laut WMO bei 2,6 Grad, gemessen im Winter 2015/16. Frühere Rekordjahre erreichten Werte von rund drei Grad. Von El Niño wird gesprochen, sobald die Temperaturen 0,5 Grad über dem Normalwert liegen; solche Episoden treten in der Regel alle zwei bis sieben Jahre auf und dauern neun bis zwölf Monate. Saulo erklärte, El Niño erzeuge keine neue Wärme, sondern setze im Ozean bereits gespeicherte Wärme frei. Zusammen mit dem menschengemachten Klimawandel könnte das Phänomen 2027 zum heißesten Jahr seit Beginn der Messungen machen.
- Prognose, Oktober bis Dezember 2026
- 3.7 °C
- Prognose, November 2026 bis Januar 2027
- 3.8 °C
- Bisheriger Rekord, Dreimonatsmittel, Winter 2015/16
- 2.6 °C
Daten aus dem Artikeltext
Regionen auf der Zugbahn
Mittelamerika leidet laut Bayerischer Rundfunk bereits unter Dürre, Ernten und Tiere sterben. Die WMO erwartet in Ostafrika bis zur Regenzeit im Dezember ein steigendes Risiko für Starkregen und Überschwemmungen. Im südlichen Afrika wird ab November Trockenheit vorhergesagt, genau zum Beginn der Aussaat. Südostasien steht vor Hitze, Niederschlagsdefiziten und einem wachsenden Waldbrandrisiko, während sich Mittelamerika, die südliche Karibik und Teile des Amazonasbeckens auf Dürre vorbereiten sollten. Mehr Regen wird im Nordwesten der Vereinigten Staaten und im Süden Südamerikas erwartet; Saulo nannte die Überschwemmungen in Chile und im Paraná-Becken als Beispiele für das, was bereits geschieht.
Humanitärer Appell und Finanzierung
Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher schloss sich Saulo an und forderte Staaten, Entwicklungsbanken und internationale Finanzinstitutionen auf, Geld vor dem Eintreten von Schäden bereitzustellen statt danach. Fletcher sagte, El Niño werde Lateinamerika, das östliche und südliche Afrika, Asien und die Pazifikregion mit extremer Hitze, Dürre und Überschwemmungen treffen. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten habe bereits mehr als 50 Millionen Dollar aus seinem zentralen Nothilfefonds für elf Länder mobilisiert, darunter Tschad, El Salvador, Äthiopien, Somalia und Südsudan. Bis zu 50 Millionen Menschen könnten zusätzlich von Hunger bedroht sein, und die Afrikanische Entwicklungsbank schätzt die Kosten allein für afrikanische Staaten auf 10 bis 20 Milliarden US-Dollar. Saulo sagte, viele Regionen hätten noch Zeit, sich vorzubereiten, doch das Zeitfenster für Handeln werde nicht unbegrenzt offen bleiben.