
Polnische Liga leitet Untersuchung ein, nachdem Jagiellonia-Trainer Schiedsrichter wegen Gelber Karten angeschrieben hat
Das Disziplinarpanel der polnischen Ekstraklasa hat eine Untersuchung eingeleitet, nachdem Textnachrichten ergaben, dass Jagiellonia-Trainer Adrian Siemieniec Schiedsrichter Arkadiusz Kamil Wójcik vor einem Spiel im Mai 2026 gegen GKS Katowice kontaktiert hatte.
Der Austausch vor dem Spiel
Am 17. Mai 2026, vor dem vorletzten Spieltag der Ekstraklasa-Saison 2025–2026 zwischen Jagiellonia Białystok und GKS Katowice, kontaktierte Jagiellonia-Cheftrainer Adrian Siemieniec den Schiedsrichterassistenten Arkadiusz Kamil Wójcik. Das Spiel war für Jagiellonias Streben nach dem zweiten Platz hinter Tabellenführer Lech Poznań von Bedeutung, um sich für die Qualifikationsrunden der UEFA Champions League zu qualifizieren. Siemieniec erkundigte sich, ob Schiedsrichter Paweł Raczkowski Spielern, die von einer Sperre bedroht waren, vor der Ausstellung von Verwarnungen mündliche Verwarnungen erteilen könne. Acht Jagiellonia-Spieler (Bernardo Vital, Afimico Pululu, Norbert Wojtuszek, Apostolos Konstantopoulos, Bartłomiej Wdowik, Dawid Drachal, Leon Flach und Dusan Stojinovic) standen einen Tag vor einer obligatorischen Sperre für das Saisonfinale gegen Zagłębie Lubin. Wójcik, der sich zu diesem Zeitpunkt in Japan befand, schlug vor, dass Siemieniec direkt mit Raczkowski sprechen solle, und leitete dreißig Minuten später Screenshots des Gesprächs an Raczkowski weiter.
Spielausgang und Regularien
Raczkowski bestätigte die weitergeleitete Nachricht und meldete den Kontakt nach dem Spiel an den Polnischen Fußballverband (PZPN), wie es die Liga-Richtlinien vorschreiben. Vier Stunden vor Anpfiff im Stadion in Katowice führte Siemieniec ein kurzes Gespräch mit Raczkowski. Das Spiel endete mit einem 2:2-Unentschieden, und Raczkowski sprach während der gesamten Begegnung nur eine Gelbe Karte aus, und zwar gegen Jesus Imaz, der nicht zu den acht Spielern mit Sperrrisiko gehörte. Die PZPN-Regularien verbieten Trainern, vor Spielen unerlaubten Kontakt zu Schiedsrichtern aufzunehmen. Raczkowski hat seitdem fünf Ekstraklasa-Spiele in der Saison 2026–2027 geleitet, die am 24. Juli 2026 begann.
- Siemieniec kontaktiert Wójcik vor dem 2:2-Unentschieden von Jagiellonia gegen GKS Katowice
- Wójcik reicht eine Beschwerde wegen Mobbings und Einschüchterung bei der Warschauer Staatsanwaltschaft ein
- Die Ekstraklasa-Saison 2026–2027 beginnt offiziell
- Die Disziplinarkommission des PZPN leitet die Fallakten an das Disziplinarpanel der Ekstraklasa weiter
- Textnachrichten zwischen Siemieniec und Wójcik werden von polnischen Medien veröffentlicht
PZPN-Streitigkeiten und staatsanwaltschaftliche Anzeige
Die Veröffentlichung der Textnachrichten folgte einem breiteren Verwaltungsstreit innerhalb der PZPN-Schiedsrichterstruktur. Wójcik hatte zuvor für den Posten des Leiters des PZPN-Schiedsrichterkollegiums kandidiert, der an Marcin Szulz vergeben wurde. Am 9. Juli 2026 reichte Wójcik eine formelle Anzeige bei der Regionalstaatsanwaltschaft in Warschau ein, in der er angebliche Verleumdung, Einschüchterung und Mobbing innerhalb des Schiedsrichtergremiums anzeigte. Wójcik erklärte in einem öffentlichen Video, dass die privaten Nachrichten sechzig Tage nach seiner rechtlichen Einreichung als Vergeltungsakt durchgesickert seien.
Es ist einzig und allein mein Fehler, dass ihm das passiert ist. Der Trainer hat mir einfach eine normale Nachricht geschrieben und gefragt, ob es normal sei, ob er vor dem Spiel mit Schiedsrichter Raczkowski über Gelbe Karten sprechen könne und ob das ein Problem sei.
Disziplinarprüfung und Reaktion der Liga
Am 1. September 2026 leitete die Disziplinarkommission des PZPN die Fallakten an das Disziplinarpanel der Ekstraklasa (Komisja Ligi) weiter. Panel-Leiter Poturnicki bestätigte, dass der Fall weder Korruption noch Spielmanipulation betrifft, sondern sich vielmehr darauf konzentriert, ob die Protokolle zur Schiedsrichterkommunikation verletzt wurden. Wisła Kraków-Präsident Jarosław Królewski forderte eine strenge Durchsetzung der Regeln und erklärte, dass private Absprachen über Spielerverwarnungen den sportlichen Wettbewerb untergraben, insbesondere vor dem Spiel von Wisła gegen Jagiellonia. Der ehemalige internationale Schiedsrichter Marcin Borski bezeichnete die Untersuchung als unangemessenes Verhalten, das eher von Fairplay abweiche als von krimineller Spielmanipulation.
Der Fall betrifft weder Korruption noch Spielmanipulation. Das Disziplinarpanel der Ekstraklasa wird prüfen, ob ein Verstoß gegen die Regeln über zulässige Kontakte zwischen Schiedsrichtern und Trainern vorliegt.


