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Klima·vor 3 Std.

Fast eine Million Stadtbäume in Deutschland seit 2018 verloren, wie Umweltverband in neuem Hitzcheck feststellt

Eine bundesweite Analyse der Deutschen Umwelthilfe zeigt einen Nettoverlust von über 900.000 Bäumen in 195 deutschen Städten zwischen 2018 und 2025, wobei Offenburg und Mannheim als am wenigsten auf zunehmende Hitzewellen vorbereitet eingestuft wurden.

Schwindende Baumkronen in den Städten

Deutschlands Städte haben in den letzten sieben Jahren fast eine Million Bäume verloren, so der 2026 veröffentlichte „Hitze-Check“ der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH). Die Studie untersuchte 195 Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern und kombinierte Satellitenbilder mit Daten zu Sommertemperaturen, Bevölkerungsdichte und der Ausweitung versiegelter Flächen wie Straßen und Parkplätze. Die Ergebnisse zeichnen das Bild urbaner Räume, die zunehmend schlecht auf steigende Temperaturen vorbereitet sind.

Wenn dieser Trend anhält, werden wir in wenigen Jahren in feindlichen Betonwüsten leben.

Der Nettoverlust von mehr als 900.000 Bäumen sei ein Problem, das nicht schnell behoben werden könne, warnte Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Sie betonte, dass Stadtgrün nicht nur dekorativ sei, sondern eine zentrale Voraussetzung für Gesundheit und Lebensqualität darstelle.

Die Besten und Schlusslichter

Nur zwei Städte, Kiel und Wuppertal, erhielten in zwei der drei Hauptbewertungskategorien grünes Licht. Am anderen Ende des Rankings wurden drei Gemeinden in Baden-Württemberg – Offenburg, Lahr und Mannheim – als Hitzepunkte eingestuft. Mannheim hatte bereits im Vorjahres-Check den letzten Platz belegt. Offenburg schnitt bei der neuen Kennzahl zur Baumkronenabdeckung besonders schlecht ab, wo die Bäume nur rund 13 Prozent der städtischen Fläche beschatten.

Baumkronenabdeckung in ausgewählten deutschen Städten (2026) · %
Offenburg
13 %
Brandenburg an der Havel
26 %
Cottbus
27 %
Frankfurt (Oder)
27 %
Kiel
32 %
Berlin
32 %
Potsdam
34 %

In Nordrhein-Westfalen fielen acht Städte in die schlechteste Kategorie, während rund 70 im Mittelfeld landeten. Wuppertal war die einzige NRW-Stadt, die die beste Gesamtbewertung erzielte. In Rheinland-Pfalz belegten Ludwigshafen und Worms bundesweit den vierten bzw. sechsten Platz unter den Städten mit dem schlechtesten Hitzeschutz.

Berlin und Potsdam: Schattenreich, aber mit Verlusten

Berlin und Potsdam gehören zu den wenigen Großstädten, die den wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumkronenabdeckung erreichen. Berlin kommt auf knapp über 32 Prozent, Potsdam auf rund 34 Prozent. Dennoch verlor die Hauptstadt zwischen 2018 und 2025 rund 57.000 Bäume – einer der höchsten absoluten Verluste unter den untersuchten Städten. Potsdam büßte im selben Zeitraum fast 8.700 Bäume ein.

Grüner Hitzeschutz durch Bäume schwindet; Städte ohne ausreichenden Baumschatten werden von gesundheitsschädlich bis unerträglich.

Heinrich Strößenreuther, Gründer der Initiative BaumEntscheid, verwies auf das von Bürgern initiierte Klimaanpassungsgesetz in Berlin als Beleg dafür, dass Bürger Veränderungen erzwingen können. Das Gesetz, das einstimmig über alle Parteigrenzen hinweg verabschiedet wurde, schreibt eine Million Straßenbäume und 4.000 Mini-Parks vor.

Versiegelte Flächen und systemisches Versagen

Die DUH erteilte allen 195 Städten eine rote Karte in der Kategorie Flächenversiegelung. Selbst die Spitzenreiter Kiel und Wuppertal haben heute mehr versiegelte Flächen als 2018. Die Organisation fordert Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) auf, verbindliche Vorgaben zur Entsiegelung und mehr Stadtgrün bei jeder Sanierung, jedem Straßenumbau und jedem Bauprojekt einzuführen.

Wir fordern verbindliche Vorgaben von der Bauministerin für Entsiegelung, mehr Stadtgrün und damit mehr Schatten – bei jeder Sanierung, jedem Straßenumbau und jedem Bauprojekt.

Die DUH empfiehlt den Kommunen die 3-30-300-Regel: mindestens drei Bäume, die von jedem Zuhause aus sichtbar sind, 30 Prozent Baumkronenabdeckung im Viertel und eine Grünfläche in höchstens 300 Metern Entfernung.

Ein sich erwärmendes Land

Deutschland hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um 2,5 Grad Celsius erwärmt, so der Deutsche Wetterdienst (DWD), was es überproportional von der globalen Erwärmung betroffen macht. Hitzewellen werden intensiver und wahrscheinlicher und bergen besondere Gesundheitsrisiken für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Das Gesundheitsministerium warnt, dass mehrtägige Hitzeperioden über 30 Grad den Körper erheblich belasten. Stadtbäume können die Temperatur auf Gehwegen um bis zu zwölf Grad senken, so die DUH, was ihren Verlust zu einem direkten Problem der öffentlichen Gesundheit macht.

Berlin · Offenburg · Kiel · Wuppertal · Mannheim · Potsdam

8 Quellen

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