
Rumänien startet Katasterplattform e-Terra nach monatelangem Cyberangriff neu
Die rumänische nationale Kataster- und Grundbuchplattform e-Terra wurde am 11. August nach einem Cyberangriff vom 14. Juli neu gestartet, bei dem Teile der IT-Infrastruktur der ANCPI verschlüsselt und gelöscht wurden. Rund 94.000 Anträge blieben unbearbeitet, und Immobilientransaktionen waren fast einen Monat lang lahmgelegt.
Cyberangriff und Ausfall
Die rumänische nationale Kataster- und Grundbuchplattform e-Terra wurde am 14. Juli durch einen Cyberangriff außer Betrieb genommen, wie Digi24 und die ANCPI selbst mitteilten, wobei RFI den 15. Juli als Datum angibt. Die Angreifer verschlüsselten und löschten Teile der IT-Infrastruktur der ANCPI, wodurch die e-Terra-Plattform nicht mehr verfügbar war und Katasterarbeiten, Grundbuchaktualisierungen und Immobilientransaktionen im ganzen Land unterbrochen wurden. RFI bezeichnete den Vorfall als die umfangreichste technische Unterbrechung in der Geschichte der Einrichtung. Die ANCPI erklärte, die Integrität der Kataster- und Grundbuchdaten sei bestätigt und es gebe keine Hinweise darauf, dass die Angreifer auf die Daten zugegriffen hätten. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden in Zusammenarbeit mit DNSC, STS und Cyberint durchgeführt und umfassten sowohl den Wiederaufbau der Infrastruktur als auch unabhängige Sicherheitstests. Das System wurde in die Government Cloud migriert, die nach Angaben der ANCPI im Vergleich zur vorherigen Infrastruktur über bessere technische Bedingungen verfügt. Die Arbeiten wurden aus Vorsichtsgründen über den ursprünglich veranschlagten Zeitplan hinaus verlängert, wobei die Arbeiten um 03:00 Uhr unterbrochen und am selben Morgen wieder aufgenommen wurden.
Gestaffelter Neustart am 11. August
Die Regierung gab bekannt, dass e-Terra am Dienstag, dem 11. August 2026, um 15:00 Uhr schrittweise neu gestartet wurde, zunächst für ANCPI-Mitarbeiter, territoriale Katasterämter (OCPI) und öffentliche Notare. Der erste Tag war der Registrierung der während des Ausfalls angefallenen Dokumente gewidmet, darunter per Post eingegangene Unterlagen und von Notaren während der Zeit der Nichtverfügbarkeit des Systems erstellte Urkunden. Grundbuchauszüge zur Beglaubigung und Information konnten am ersten Tag nicht angefordert werden. Ab Mittwoch, dem 12. August, um 08:30 Uhr wird das System für weitere Nutzerkategorien verfügbar sein: zugelassene Katastervermessungsingenieure, technisch-rechtliche Sachverständige und Gerichtsvollzieher, die vor dem Vorfall Zugang hatten. Für diese Nutzer wurden Benutzerhandbücher und Anleitungsvideos erstellt, und für OCPI-Mitarbeiter wurden Arbeitssitzungen und Schulungen organisiert. Andere Online-Plattformen der ANCPI bleiben weiterhin außer Betrieb und werden nach vorheriger Ankündigung schrittweise wieder in Betrieb genommen.
- Cyberangriff auf ANCPI verschlüsselt und löscht Teile der IT-Infrastruktur, e-Terra wird offline genommen (RFI nennt den 15. Juli)
- ANCPI-Generaldirektor-Entscheidung Nr. 10 verlängert automatisch die Gültigkeit ausgestellter Grundbuchauszüge
- ANCPI sendet Zugangsleitfaden an Notare (Schreiben Nr. 4996)
- ANCPI informiert die Nationale Notariatsunion, dass e-Terra am 11. August neu startet
- e-Terra für ANCPI-Mitarbeiter, OCPI und Notare neu gestartet; erster Tag der Registrierung angesammelter Dokumente gewidmet
- e-Terra öffnet für Katastervermessungsingenieure, technisch-rechtliche Sachverständige und Gerichtsvollzieher
Rückstand und Bearbeitung von Anträgen
Zum Zeitpunkt des Vorfalls waren etwa 94.000 Anträge in Bearbeitung. Die ANCPI verlängerte die gesetzlichen Fristen durch eine interne Entscheidung, und verfügbare Mitarbeiter werden mobilisiert, um die Verzögerungen aufzuholen. Während des Ausfalls an Schaltern, per Post oder per Kurier eingereichte Anträge wurden mit dem genauen Datum und der genauen Uhrzeit des Eingangs registriert. Beim Neustart des Systems werden alle Anträge, sowohl die per Korrespondenz eingereichten als auch die von Notaren vor der Systemsperrung erstellten, aber noch nicht bei den OCPI-Stellen registrierten Urkunden, unter obligatorischer Beibehaltung ihrer Prioritätsreihenfolge in das elektronische Register eingetragen. Die Gültigkeit bereits ausgestellter Grundbuchauszüge wurde gemäß der Entscheidung des ANCPI-Generaldirektors Nr. 10 vom 4. August 2026 automatisch um die Anzahl der Tage verlängert, an denen das System nicht verfügbar war.
Notarzugang und anfängliche Probleme
Die Nationale Union der öffentlichen Notare Rumäniens unter der Leitung von Präsidentin Laura Badiu informierte ihre Mitglieder am 10. August darüber, dass e-Terra am 11. August wieder funktionsfähig sein werde. Den Notaren wurde mitgeteilt, dass sie per E-Mail einen Anmeldelink erhalten würden, um auf die Anwendung gemäß einem am 7. August mitgeteilten Leitfaden zuzugreifen. Laut G4Media-Quellen hatten die Notare jedoch bis 13:00 Uhr am 11. August die Anmeldelinks noch nicht erhalten. Ein Notar aus Ialomița erklärte, dass weder er noch die Gebietsämter eingeloggt seien und seit 08:30 Uhr warteten. Die ANCPI warnte davor, dass das System in den ersten Tagen aufgrund des hohen Zugriffsvolumens möglicherweise langsam laufe und einige PDF-Dokumente vorübergehend nicht verfügbar sein könnten, da sie noch in die Government Cloud übertragen würden. Die Behörde stellte klar, dass diese Dokumente nicht verloren gegangen oder gelöscht worden seien.
Gesetzgeberische Reaktion
Präsident Nicușor Dan promulgierte ein Gesetz, das den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 9 % für Immobilienkäufe bis zum 30. September 2026 für Käufer verlängert, die durch die ANCPI-Krise blockiert wurden. Die Maßnahme gilt für Vorverträge, die vor dem 31. Juli 2025 unterzeichnet wurden.


