
Ermittler finden weitere Drohne und Hexogen-Sprengstoff im Zusammenhang mit dem Angriff auf den Flughafen Leipzig
Die deutschen Behörden haben in Kabelsketal eine weitere Drohne und militärisches Hexogen entdeckt, was die bundesweiten Ermittlungen zu dem versuchten Bombenanschlag auf eine ukrainische Frachtmaschine am 4. August am Flughafen Leipzig-Halle ausweitet.
Entdeckung in Kabelsketal
Die deutschen Bundesermittler haben am Abend des 14. August, zehn Tage nach dem ersten Sabotageversuch am Flughafen, eine weitere Drohne auf einem Feld in Kabelsketal entdeckt. Die Gemeinde im Saalekreis in Sachsen-Anhalt grenzt an die westliche Umzäunung des Flughafens Leipzig-Halle. Forensikteams des Bundeskriminalamts (BKA) sicherten das Gerät und fanden am 15. August etwa 50 Gramm ungezündeten Hexogen-Sprengstoff, einen militärischen Sprengstoff auch als RDX bekannt, am Fundort. Von deutschen Medien zitierte Ermittler berichteten, dass das explosives Material neben dem Gerät und nicht direkt daran montiert gefunden wurde, was die Behörden zu der Annahme veranlasst, dass beide Drohnen in Kabelsketal zusammengebaut wurden. Das Gerät war ebenso wie die zuvor am Flughafen entdeckte Drohne defekt und detonierte nicht.
Ablauf der Vorfälle am Flughafen
Die laufenden Ermittlungen gehen auf die Nacht vom 4. auf den 5. August zurück, als eine mit militärischen Sprengstoffen, darunter Semtex und PETN, beladene Drohne auf einem Rollweg in der Nähe einer ukrainischen Antonow An-124 Ruslan-Frachtmaschine entdeckt wurde. Das Flugzeug war am Flughafen Leipzig-Halle, dem viertgrößten Luftfrachtumschlagplatz Europas, geparkt, um militärisches Gerät zu transportieren. Der Flughafenbetrieb wurde für mehrere Stunden eingestellt, während die Bundespolizei Sprengstoffexperten und einen ferngesteuerten Roboter einsetzte, um eine kontrollierte Zerstörung des Zünders durchzuführen. Um 00:03 Uhr am 5. August meldete ein DHL-Frachtflugzeug, das aufgrund der Startbahnschließung seinen Landeanflug abbrach, eine Kollision in der Nähe des Flughafenzauns. Die Flugbesatzung berichtete, sie habe Sekunden vor dem Aufprall ein etwa 30 Zentimeter großes Objekt gesehen, das zu sichtbaren Schäden am Leitwerk führte, bevor das Flugzeug sicher nach Hannover auswich.
- Mit Sprengstoff beladene Drohne in der Nähe der ukrainischen Antonow-Frachtmaschine am Flughafen Leipzig-Halle gefunden
- DHL-Frachtflugzeug kollidiert mit unbekanntem Flugobjekt und weicht nach Hannover aus
- Weitere Drohne in einem Feld in Kabelsketal westlich des Flughafens Leipzig gefunden
- Ermittler bergen etwa 50 Gramm militärischen Hexogen-Sprengstoff am Fundort in Kabelsketal
- Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt an, dass die Behörden die Täter bald identifizieren werden
Forensische Beweise und Drohnensteuerung
Die Behörden prüfen, ob es sich bei der Kollision in der Luft um eine zweite Drohne oder einen Vogelschlag handelte, nachdem neben den strukturellen Schäden organische Spuren an der DHL-Maschine gefunden wurden. Im nahe gelegenen verlassenen Dorf Kursdorf fanden Suchteams Kommunikationsausrüstung, darunter eine Antenne und an einem Baum befestigte Elektronik, sowie einen abgetrennten Motor und Rotor. Zeugen in Kursdorf hatten berichtet, Stunden vor der Entdeckung am Flughafen eine Detonation gehört zu haben; später fanden Ermittler einen verkohlten Erdbereich in der Gegend. Forensische Tests identifizierten auch DNA-Profile auf der ersten auf dem Rollweg gefundenen Drohne, die mit biologischem Material aus einem früheren Vorfall in Leipzig aus dem Jahr 2024 übereinstimmten. Der Generalbundesanwalt, an der Spitze Bundesstaatsanwalt Jens Rommel, übernahm den Fall von den Dresdner Behörden und stufte das Vorhaben als schweren Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur ein.
Reaktion der Regierung und hybride Bedrohungen
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich am 25. August vor Regierungstreffen in Brandenburg zu den Ermittlungen und erklärte, die Behörden hätten Beweise gesammelt, die auf die Täter hindeuten, und würden diese bald identifizieren.
Deutschland gerät zunehmend ins Visier hybrider Angreifer. Die Angreifer werden immer skrupelloser und nehmen sogar schwere Sachschäden, Verletzungen und Todesfälle in Kauf.
Merz versprach, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen würden, und kündigte Pläne zur Verstärkung der deutschen Verteidigungsfähigkeiten mit einem speziellen Drohnenabwehrzentrum in Magdeburg an. Innenminister Alexander Dobrindt hatte den Vorfall zuvor als hybrides Angriffsszenario bezeichnet und eine Beteiligung ausländischer Staaten nicht ausgeschlossen. Von Medien zitierte deutsche Sicherheitskreise vermuten die Beteiligung russischer Geheimdienste, während Moskau jede Verbindung zu den Vorfällen bestreitet.


