
Zwei Drohnen über deutschem Stützpunkt zur Reparatur von Patriot-Systemen gesichtet – nach Fund einer Sprengstoffdrohne in Leipzig
Sechs Drohnenüberflüge wurden über einem deutschen Militärstützpunkt in Mechernich beobachtet, wo Patriot-Luftabwehrsysteme repariert werden, zwei Tage nachdem eine mit Sprengstoff beladene Drohne am Flughafen Leipzig/Halle in der Nähe einer ukrainischen Frachtmaschine gefunden wurde.
Drohnenüberflüge in Mechernich
Sicherheitspersonal des Bundeswehr-Stützpunkts in Mechernich, Nordrhein-Westfalen, meldete in der Nacht zum Donnerstag, dem 6. August, zwei Drohnen über der Einrichtung. Die Überflüge begannen gegen 22:00 Uhr und dauerten bis 05:00 Uhr am Freitag, insgesamt gab es sechs separate Sichtungen, wie WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung berichten. Der Stützpunkt liegt nahe Bonn, etwa 35 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, in der Eifel.
Militärpolizei wurde mobilisiert und ermittelte, bevor sie den Fall an die Zivilpolizei im Kreis Euskirchen übergab. Auch das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen und Bundesbehörden sind beteiligt. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der verbotenen Fotografie, die die Sicherheit militärischer Anlagen gefährdet. Bei der letzten Sichtung beobachteten bereits vor Ort befindliche Beamte des Kreises Euskirchen mindestens einen Drohnendurchflug, und Bundeswehrsoldaten erlebten die Szene aus etwa 40 Metern Entfernung.
Die Fly-380 VTOL
Ein vertrauliches Polizeibericht deutete darauf hin, dass es sich bei der Drohne wahrscheinlich um ein Modell Fly-380 VTOL handelte, so Tagesschau. Dieser Typ hat eine Spannweite von etwa 3,8 Metern, eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Er kann eine Nutzlast von mehr als 10 Kilogramm tragen, verglichen mit Verbraucherdrohnen, die normalerweise nicht mehr als 2 Kilogramm tragen. Die Zeit berichtete, dass zwei verschiedene Drohnentypen beteiligt waren. Die Ermittlungen haben nicht ergeben, dass es sich um zivile Drohnen handelte, die bei Vermessungsarbeiten verloren gingen.
Die Patriot-Reparatureinrichtung
Das Materiallager Mechernich ist ein strategisch wichtiger Logistikstützpunkt der Bundeswehr. Teile des Komplexes liegen 130 Meter unter der Erde, erstrecken sich über rund 30.000 Quadratmeter und lagern Ausrüstung und Ersatzteile für Militärtechnik. Die Einrichtung, die bei der Truppe als „Patriot-Werft“ bekannt ist, wird für die Wartung und Reparatur von US-Patriot-Luftabwehrsystemen genutzt und ist vermutlich die einzige Anlage dieser Art in Europa. Deutschland ist einer der NATO-Mitgliedstaaten, die der Ukraine Patriot-Systeme zur Verteidigung gegen russische ballistische Raketenangriffe liefern. Ob auch für die Ukraine bestimmte Abschussvorrichtungen in Mechernich gewartet werden, ist nicht bekannt.
Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle
Die Überflüge in Mechernich fanden zwei Tage statt, nachdem am Dienstag, dem 4. August, eine mit Sprengstoff beladene Drohne am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt wurde, einem großen Frachtumschlagplatz und NATO-Logistikzentrum, das die Strategic Airlift International Solution (SALIS) beherbergt. Das Gerät wurde in der Nähe einer ukrainischen Frachtmaschine von Antonov Airlines gefunden, die mit Munition beladen war, in einem Bereich mit eingeschränktem Zutritt. Ein Busfahrer auf dem Rollfeld entdeckte die niedrig fliegende Drohne und neutralisierte sie mit einem Tritt, ohne zu wissen, dass sie Sprengstoff trug. Deutsche Medien berichteten, die improvisierte Bombe sei stark genug gewesen, um ein Flugzeug zu zerstören. Die Anti-Terror-Polizei ermittelt wegen möglicher Sabotage.
- Mit Sprengstoff beladene Drohne am Flughafen Leipzig/Halle in der Nähe einer ukrainischen Antonov-Frachtmaschine mit Munition gefunden
- Erster von sechs Drohnenüberflügen beginnt am Militärstützpunkt Mechernich
- Letzter von sechs Drohnenüberflügen in Mechernich beobachtet; Polizei vor Ort bezeugt mindestens einen Durchflug
- Russische Botschaft in Berlin bezeichnet Vorwürfe als neue Welle antirussischer Hysterie
- Deutsche Behörden bestätigen Drohnenvorfall in Mechernich öffentlich
Offizielle Reaktionen
Innenminister Alexander Dobrindt unterbrach seinen Urlaub und bezeichnete den Vorfall in Leipzig als „hybriden Angriff“ und „neues Bedrohungsszenario“, ohne die Beteiligung „einer fremden Macht“ auszuschließen. Während Berlin kein Land nannte, verwiesen einige Parlamentarier auf Russland, das sich seit Februar 2022 im Krieg mit der Ukraine befindet. Die russische Botschaft in Berlin gab am Freitag eine Erklärung ab, in der sie die Entdeckung der Sprengstoffdrohne als „inszenierte Provokation“ bezeichnete und von „einer neuen Welle antirussischer Hysterie“ sprach. Die Botschaft sagte, die von Deutschland beschriebenen hybriden Angriffe seien erfunden, um Russland zu provozieren.


