
Russischer Drohnenangriff auf Lager für abgebrannte Brennelemente bei Tschernobyl – IAEA meldet erhebliche Schäden
Eine russische Shahed-Drohne traf am frühen Sonntagmorgen ein Gebäude zur Aufnahme abgebrannter Brennelemente nahe des stillgelegten Kernkraftwerks Tschernobyl. Dabei entstand ein Brand, und die IAEA sprach von erheblichen strukturellen Schäden. Die Strahlenwerte blieben jedoch im normalen Bereich.
Ein russischer Drohnenangriff beschädigte in den frühen Morgenstunden des Sonntags eine kritische nukleare Infrastrukturanlage in der Sperrzone von Tschernobyl. Kiew und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) verurteilten den Angriff scharf. Ziel war das Empfangsgebäude der zentralen Lagerstätte für abgebrannte Brennelemente (CSSF), einer Anlage zur langfristigen Lagerung abgebrannter Brennelemente aus ukrainischen Kernkraftwerken.
Der Angriff und seine unmittelbaren Folgen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, eine Shahed-Angriffsdrohne habe die Anlage gegen 2 Uhr Ortszeit getroffen. Der staatliche Nuklearbetreiber Energoatom berichtete, dass ein Brand auf einer Fläche von rund 40 Quadratmetern ausgebrochen und anschließend gelöscht worden sei. Verletzt wurde niemand. Entscheidend sei, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Behälter mit abgebrannten Brennelementen in dem Gebäude befanden und die Strahlenwerte an dem Standort innerhalb der festgelegten Grenzen blieben.
Stand jetzt gibt es keine Überschreitung der Strahlenschutzgrenzwerte. Aber es gibt eindeutig eine Steigerung der ohnehin schon maßlosen russischen Arroganz.
Reaktion der IAEA und Schadensbewertung
Die IAEA, die von Ukraine unterrichtet worden war, bezeichnete die Schäden als erheblich. Betroffen seien die Fassade, Fenster und Türen des Gebäudes. Auch benachbarte Strukturen seien von der Druckwelle getroffen worden. IAEA-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi nannte den Vorfall äußerst besorgniserregend, da er sich an einer Anlage ereignete, die große Mengen nuklearen Materials beherbergt, das nur wenige Meter von dem angegriffenen Gebäude entfernt gelagert ist.
Angriffe auf Nuklearanlagen sind absolut inakzeptabel und verstoßen direkt gegen die grundlegenden Prinzipien der nuklearen Sicherheit, insbesondere gegen die sieben unverzichtbaren Säulen der nuklearen Sicherheit während eines militärischen Konflikts.
Ein IAEA-Team, das in Tschernobyl stationiert ist, bereitet einen Besuch des Geländes vor, um die Auswirkungen zu begutachten.
Ein Muster nuklearer Risiken
Der Angriff vom Sonntag ist nicht der erste auf die Tschernobyl-Zone. Im Februar 2025 beschädigte eine russische Shahed-Drohne den Schutzmantel über dem bei der Katastrophe von 1986 zerstörten Reaktor – ein Vorfall, für den Moskau jede Verantwortung bestritt. Auch das von russischen Truppen besetzte Kernkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine ist immer wieder ein Brennpunkt gewesen, wobei sich beide Seiten gegenseitig Angriffe auf die Anlage vorwarfen.
Dies ist nicht das erste Mal, dass russische Streitkräfte ukrainische Nuklearanlagen gefährden. Die nukleare Erpressung Russlands und die Bedrohung der nuklearen Sicherheit sind systemisch, vorsätzlich und inakzeptabel.
Breitere Luftangriffskampagne und diplomatischer Kontext
Der Angriff auf Tschernobyl erfolgte vor dem Hintergrund einer sich intensivierenden Schlacht mit weitreichenden Luftangriffen. Am Samstag hatte ein ukrainischer Drohnenangriff die historische Marinestadt Kronstadt bei St. Petersburg getroffen, als dort das Wirtschaftsforum der Stadt zu Ende ging. Das russische Verteidigungsministerium behauptete, seine Luftabwehr habe in den vorangegangenen 24 Stunden 500 ukrainische Drohnen abgeschossen. Unterdessen berichtete die ukrainische Luftwaffe, Russland habe über Nacht 236 Drohnen gestartet, von denen 215 abgefangen worden seien. Anderswo in der Ukraine töteten russische Angriffe mindestens zwei Zivilisten: einen 56-jährigen Kleinbusfahrer in der Region Saporischschja und einen 59-jährigen Mann in der Region Dnipropetrowsk.
Der Angriff bildet auch den Hintergrund für einen Gipfel in London am Sonntag, bei dem Selenskyj mit dem britischen Premierminister Keir Starmer, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz zusammentrifft, um über weiteren Druck auf Moskau im vierten Jahr seines Krieges zu beraten.
- Explosion und Kernschmelze in Tschernobyl Block 4 – die schlimmste Nuklearkatastrophe der Welt.
- Russische Shahed-Drohne beschädigt den Schutzmantel über dem zerstörten Reaktor von Tschernobyl. Russland bestreitet die Verantwortung.
- Russische Shahed-Drohne trifft das Gebäude zur Aufnahme abgebrannter Brennelemente bei Tschernobyl und verursacht erhebliche Schäden, aber kein Strahlungsleck.


