- 18.10.Radare erfassen das Objekt erstmals über polnischem Gebiet, 30 bis 40 km von der litauischen Grenze entfernt
- 18.10.Die Drohne überquert die litauische Grenze
- 18.10.Entscheidung, NATO-Kampfjets aufsteigen zu lassen, die wegen schlechten Wetters keinen Sichtkontakt herstellen können
Eine Drohne explodiert im Norden Litauens
Am Sonntag, 18. Oktober, ist im Bezirk Poswol im Norden Litauens eine Drohne explodiert. Sie beschädigte einen zivilen Pkw, verletzt wurde niemand. Ministerpräsident Mindaugas Sinkevičius sagte am Montag, 19. Oktober, nach einer Sitzung der Nationalen Sicherheitskommission, es habe sich um eine ukrainische Drohne vom Typ FPV mit einer Sprengladung gehandelt. Die litauischen Behörden halten es für sehr wahrscheinlich, dass es sich um jenes Fluggerät handelt, dessen Wrack im Gebiet Poswol gefunden wurde; die Ukraine bestätigte, am Sonntag den Kontakt zu einer ihrer Drohnen verloren zu haben. Die Ursache der Explosion ist nicht geklärt; zu den möglichen Szenarien zählen eine Fehlfunktion, Treibstoffmangel oder ein Aufprall auf den Boden oder auf Bäume.
Welchen Weg die Drohne flog
Litauen hält daran fest, dass die Drohne aus Polen in seinen Luftraum eingedrungen ist. Sinkevičius sagte, daran bestehe kein Zweifel, und verwies auf litauisches Gerät, das den Zeitpunkt des Eindringens aufgezeichnet habe. Litauens Generalstabschef Giedrius Premeneckas sagte, die Radare hätten das Objekt erstmals um 5.47 Uhr (4.47 Uhr polnischer Zeit) über polnischem Gebiet erfasst, 30 bis 40 km von der litauischen Grenze entfernt. Die Drohne überquerte die Grenze um 6.02 Uhr (5.02 Uhr in Polen), und um 6.40 Uhr (5.40 Uhr in Polen) wurde entschieden, NATO-Kampfjets aufsteigen zu lassen, deren Piloten wegen schlechten Wetters keinen Sichtkontakt herstellen konnten.
Die polnische Darstellung weicht davon ab. Janusz Sejmej, Sprecher des polnischen Verteidigungsministeriums, sagte am Sonntag, die polnischen Radare hätten keinen Übertritt des Objekts aus Polen gezeigt. Am Montag ordnete das Ministerium eine Analyse der Ereignisse in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober nahe der litauischen sowie der polnisch-ukrainischen Grenze an, die gemeinsam mit litauischen Partnern erfolgen soll, und erklärte, man warte auf offizielle Ergebnisse. Unter Berufung auf Ministeriumskreise berichtete Polsat News, die Drohne sei etwa 30 km von der polnischen Grenze entfernt von litauischem Gebiet aus gestartet, ohne in den polnischen Luftraum einzudringen – eine Version, die Vilnius zurückwies.
Warnungen und Alarm
Litauen rief am Sonntagmorgen Alarmstufe Rot aus und schloss vorübergehend den Flughafen Kaunas nahe der zweitgrößten Stadt des Landes. Sinkevičius erklärte, die Warnverfahren hätten sich diesmal von jenen für Objekte aus Belarus oder der russischen Region Kaliningrad unterschieden. Weil die Drohne aus Polen kam, einem NATO-, EU- und Schengen-Mitglied, sei sie zunächst nicht automatisch als Bedrohung eingestuft worden. Premeneckas sagte, die Anordnung zur Zerstörung eines Ziels ohne visuelle Identifizierung hätte schwerwiegende Folgen haben können, und die Dienste hätten im Einklang mit den geltenden Verfahren gehandelt. Ein Kommentar in der Rzeczpospolita schrieb, sollte Litauen recht haben, zeige der Fall erneut, wie schwach die Drohnenerkennung Polens sei, und erinnerte daran, dass in der Nacht vom 9. auf den 10. September 2025 mehr als 20 Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen seien.
Die Ukraine und die nächsten Schritte
Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhij Tychyj, entschuldigte sich für die Störung, Bedrohung und Beunruhigung durch den Vorfall und erklärte, die Ukraine werde Litauen alle relevanten Informationen übermitteln. In einem Beitrag auf X am Sonntagnachmittag sagte er, russische elektronische Kriegsführung könne den Kurs der Drohnen während einer Operation gegen das, was er legitime militärische Ziele in Russland nannte, verändert haben. Litauens Verteidigungsminister Robertas Kaunas sagte am Montag, er habe seinen polnischen Amtskollegen kontaktiert und um eine gemeinsame Untersuchung des Vorfalls gebeten. Er fügte hinzu, der Vorfall könne auf einen ukrainischen Angriff auf Sankt Petersburg gefolgt sein, und Litauen plane bis Ende 2027 ein integriertes Luftraumüberwachungssystem, das bestehende Überwachungssysteme verbinden solle. Polens stellvertretender Ministerpräsident und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sagte, es würden verschiedene Szenarien geprüft.