
Österreich und Algerien nach dramatischer Nachspielzeit weiter – späte Tore lösen gemeinsame Jubelszenen in Kansas City aus
Ein chaotisches 3:3 zwischen Algerien und Österreich schickte beide Teams ins Achtelfinale der WM – allerdings erst nach einer turbulenten Nachspielzeit, die die Österreicher kurzzeitig eliminierte und die algerischen Spieler und Fans dann dazu brachte, einen Ausgleich zu bejubeln, den sie eigentlich kassieren mussten.
Spielkontext
Beide Mannschaften gingen in das letzte Gruppenspiel der Gruppe J mit dem Wissen, dass ein Unentschieden den Einzug garantieren würde. Argentinien hatte bereits den ersten Platz gesichert, während Algerien und Österreich nach Siegen gegen Jordanien und Niederlagen gegen Argentinien jeweils drei Punkte hatten. Österreich hatte aufgrund der Tordifferenz einen leichten Vorteil, aber ein Remis würde beide in die neue, erweiterte Runde der letzten 32 bringen. Diese Rechnung nährte vor dem Spiel Fragen nach einer möglichen Absprache zwischen den Teams, doch die Trainer Ralf Rangnick und Vladimir Petković betonten, sie würden auf Sieg spielen.
Erste Halbzeit
Österreich ging in der 28. Minute in Führung, als David Alaba einen langen Pass über die algerische Abwehr spielte und Marko Arnautović im Eins-gegen-Eins ruhig vollendete. Algerien konterte mit eigenem Druck: Ibrahim Maza dribbelte an mehreren Verteidigern vorbei und Fares Chaibi traf den Pfosten, bevor Rafik Belghali in der 45. Minute nach einer cleveren Kombination mit Riyad Mahrez mit einem kraftvollen Schuss ins kurze Eck zum 1:1 ausglich.
Zweite Halbzeit
Marcel Sabitzer brachte Österreich zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff wieder in Führung, als er eine Hereingabe von Konrad Laimer aus der Distanz ins lange Eck hämmerte. Algerien schlug sofort zurück. Houssem Aouar brach links durch und legte quer für Mahrez, der aus kurzer Distanz zum 2:2 einschob. Das Tempo ließ dann nach, als sich beide Teams auf einen Rhythmus einstellten, der das Unentschieden hielt.
- 28' Tor von Marko Arnautović (0:1)
- 45' Tor von Rafik Belghali (1:1)
- 55' Tor von Marcel Sabitzer (1:2)
- 60' Tor von Riyad Mahrez (2:2)
- 90+3' Tor von Riyad Mahrez (3:2)
- 90+6' Tor von Sasa Kalajdžić (3:3)
Nachspielzeit-Drama
Tief in der Nachspielzeit, als ein stiller Nichtangriffspakt zu herrschen schien, beschleunigte Algerien plötzlich. Aouar spielte einen Steilpass auf Mahrez, der in der 93. Minute am Torwart vorbei zum 3:2 einschob. Das Tor schien Österreich zu eliminieren und das afrikanische Team auf den zweiten Platz zu befördern. Doch drei Minuten später köpfte Michael Gregoritsch eine Flanke zurück in den Fünfmeterraum und der eingewechselte Sasa Kalajdžić setzte einen Kopfball zum 3:3 ins Tor. Wenige Sekunden später ertönte der Schlusspfiff und bestätigte beide Nationen in der K.o.-Phase.
Nachspiel und Reaktionen
Da der zweite Platz Österreich auf Spanien treffen ließ, während der drittplatzierte Algerien stattdessen auf die Schweiz traf, löste der Ausgleich Jubel in beiden Lagern aus. Die spanische Zeitung Marca beschrieb die Szene als „surrealen Reaktion von Algerien. Sie feiern ein Unentschieden.“ Der italienische Journalist Tancredi Palmeri berichtete, dass das Stadion vor Freude der Algerier bebte, nicht der Österreicher. Ralf Rangnick, der seit rund 40 Jahren als Trainer arbeitet, sagte Reportern, er könne sich an kein Spiel mit einem so dramatischen Verlauf und einer so unerwarteten Wendung erinnern, und fügte hinzu: „Wenn Alfred Hitchcock so ein Szenario geschrieben hätte, würden die Leute sagen, der Meister der Spannung hätte den Verstand verloren.“ Nach dem Abpfiff war Arnautović dabei zu sehen, wie er wütend auf Gegner einredete, und Kameras filmten eine beinahe bühnenreife Schlägerei zwischen Mitarbeitern und Ersatzspielern an der Seitenlinie. Österreich trifft am 2. Juli in Los Angeles auf Spanien; Algerien trifft am frühen 3. Juli in Vancouver auf die Schweiz. Es ist Österreichs erster WM-K.o.-Auftritt seit 1982.


