Kurz gefasst
Nur 90 der 249 untersuchten Dienstwagen sind vollelektrisch, während Plug-in-Hybride 42 % der Flotte ausmachen und durchschnittlich 179 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.
Berlin verzeichnete mit 99 Gramm CO2 pro Kilometer die niedrigsten Emissionen aller Landesflotten, doch alle Bundesländer überschritten die DUH-Grüngrenze von 93,6 Gramm.
Cem Özdemir führte die Ministerpräsidenten mit 66 Gramm CO2 pro Kilometer an, gefolgt von Daniel Günther mit 67 Gramm, während Hendrik Wüst, Manuela Schwesig und Kai Wegner jeweils 262 Gramm erreichten.
Mehrere Amtsträger, darunter Georg-Ludwig von Breitenbuch, Katharina Fegebank und Andreas Dressel, wechselten von batterieelektrischen Fahrzeugen zurück zu Plug-in-Hybriden.
Flottenbewertung und bundesweite Ergebnisse
Die jährliche Dienstwagen-Umfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ergab, dass nur 90 der 249 untersuchten Fahrzeuge deutscher Bundes- und Landespolitiker vollelektrisch sind. Diese Zahl stellt einen leichten Rückgang des Anteils reiner Elektrofahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr dar. Plug-in-Hybride machen mit 42 % den größten Teil der Flotte aus und produzieren einen durchschnittlichen berechneten Ausstoß von 179 Gramm CO2 pro Kilometer. Die NGO stützte ihre Bewertung auf Daten, die zwischen Januar und Juni 2026 von den Amtsträgern erhoben wurden. Für ihre Berechnungen ging die Organisation davon aus, dass Plug-in-Hybride etwa 11 % der Fahrstrecke mit Batteriestrom und 89 % mit Verbrennerantrieb zurücklegen. Gepanzerte Fahrzeuge, darunter das Auto von Bundeskanzler Friedrich Merz, wurden von der Bewertung ausgeschlossen.
„Dies ist eine Kriegserklärung an eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik und ein verheerendes Signal für die deutsche Klimapolitik.“
Leistung der Bundesministerien
Unter den Mitgliedern des Bundeskabinetts verzeichnete Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan die niedrigsten Emissionen mit einem Fahrzeug, das mit 64 Gramm CO2 pro Kilometer bewertet wurde. Am anderen Ende der bundesweiten Rangliste lagen Bundesjustizministerin Stefanie Hubig und Bildungsministerin Karin Prien mit jeweils 169 Gramm CO2 pro Kilometer gleichauf. Bei der Bewertung der gesamten Ministeriumsflotten einschließlich der Staatssekretäre belegte das Umweltministerium den ersten Platz, gefolgt vom Innenministerium, dem Entwicklungsministerium und dem Arbeitsministerium. Im Parteienvergleich über alle bewerteten Politiker hinweg erzielten die Grünen den saubersten Gesamtdurchschnitt, während die FDP die schlechteste Leistung aufwies.
Emissionen der Landesregierungen und Spitzenreiter-Rangliste
Keine Landesregierung erreichte eine insgesamt grüne Bewertung nach dem DUH-Grenzwertsystem, das Flottendurchschnitte von höchstens 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer vorschreibt. Berlin belegte unter den Ländern den ersten Platz mit einem Durchschnitt von 99 Gramm pro Kilometer, gefolgt von Baden-Württemberg mit 109 Gramm und Schleswig-Holstein mit 112 Gramm. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete mit 181 Gramm pro Kilometer den höchsten Landesdurchschnitt, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 178 Gramm und Sachsen mit 169 Gramm. In Sachsen ist nur eines von zwölf aufgeführten Ministerfahrzeugen vollelektrisch, und zwar das von Justizministerin Constanze Geiert mit 59 Gramm pro Kilometer.
- Berlin
- 99 g/km
- Baden-Württemberg
- 109 g/km
- Schleswig-Holstein
- 112 g/km
- Sachsen
- 169 g/km
- Sachsen-Anhalt
- 178 g/km
- Mecklenburg-Vorpommern
- 181 g/km
Daten aus dem Artikeltext
Unter den Ministerpräsidenten verzeichnete Baden-Württembergs Regierungschef Cem Özdemir mit 66 Gramm CO2 pro Kilometer den niedrigsten Wert in einem Mercedes-Benz EQS 580 4MATIC, der zuvor von seinem Vorgänger Winfried Kretschmann genutzt wurde. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther folgte dichtauf mit 67 Gramm pro Kilometer, während Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in einem Dieselfahrzeug 167 Gramm registrierte. An der Spitze der Emissionsskala lagen Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner mit jeweils 262 Gramm CO2 pro Kilometer.
- Cem Özdemir
- 66 g/km
- Daniel Günther
- 67 g/km
- Michael Kretschmer
- 167 g/km
- Hendrik Wüst
- 262 g/km
- Manuela Schwesig
- 262 g/km
- Kai Wegner
- 262 g/km
Daten aus dem Artikeltext
Rückschritte bei der Elektrifizierung und Flottenumstellung
Die Organisation kritisierte mehrere Politiker, die zuvor genutzte Elektrofahrzeuge durch Plug-in-Hybride ersetzt haben, und bezeichnete den Trend als Rückwärtsgang beim Klimaschutz. Namentlich genannt wurden Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch, Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel sowie drei Staatsminister von CDU und CSU im Auswärtigen Amt. In Hamburg, wo fünf Senatoren grüne Bewertungen für Elektromodelle erhielten und Verkehrssenator Anjes Tjarks ganz auf ein Auto verzichtete, erhielten Bürgermeister Peter Tschentscher und sechs weitere Senatoren rote Bewertungen. In Baden-Württemberg läuft der Leasingvertrag für Özdemirs aktuellen elektrischen Mercedes im Januar 2027 aus, und das Stuttgarter Staatsministerium bestätigte, dass sein nächstes Fahrzeug ebenfalls vollelektrisch sein wird.