
Bertelsmann-Studie: Über 80 % der anspruchsberechtigten Kinder verpassen die monatliche Teilhabeleistung von 15 Euro – große regionale Unterschiede
Eine Analyse der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass nur 18 % der 6- bis 15-Jährigen und 12 % der 15- bis 18-Jährigen die monatliche Teilhabeleistung von 15 Euro erhalten, wobei die Quoten in Hamburg bei nur 9 % und in Schleswig-Holstein bei 59 % liegen.
Was die Studie ergab
Die Analyse der Bertelsmann Stiftung, veröffentlicht am 20. Juli 2026, schätzt, dass mehr als acht von zehn anspruchsberechtigten Kindern und Jugendlichen die monatliche Leistung von 15 Euro für soziale und kulturelle Teilhabe nicht erhalten. Bei den 6- bis unter 15-Jährigen nehmen nur 18 Prozent die Leistung in Anspruch; bei den 15- bis unter 18-Jährigen sinkt der Anteil auf 12 Prozent. Die Inanspruchnahme ist bei Jugendlichen, die Sozialhilfe oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, noch geringer. Die Schulbedarfspauschale von 195 Euro pro Jahr (130 Euro für das erste Schulhalbjahr und 65 Euro für das zweite) erreicht 78 Prozent der jüngeren Kinder, deren Eltern Grundsicherung beziehen, sodass jeder Fünfte keine Hilfe für Hefte, Stifte und andere Lernmaterialien erhält. Nur 37 Prozent nutzen das subventionierte Schulessen, bei älteren Jugendlichen sinkt die Quote auf etwa jeden Zehnten.
Regionale Unterschiede
Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Schleswig-Holstein erhalten 59 Prozent der anspruchsberechtigten jüngeren Kinder die Teilhabeleistung – der höchste Wert bundesweit. Mecklenburg-Vorpommern folgt mit 38 Prozent. Am anderen Ende der Skala erreichen Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz jeweils nur etwa jedes zehnte anspruchsberechtigte Kind. Hamburgs Quote bei den 6- bis 15-Jährigen beträgt nur 9 Prozent, gemeinsam mit Rheinland-Pfalz auf dem letzten Platz. Das Saarland verzeichnet 15,7 Prozent für die jüngere Gruppe und 6,7 Prozent für die älteren Jugendlichen, Hessen 12,3 Prozent bzw. 6,3 Prozent. Die Bertelsmann Stiftung gibt an, sie könne nicht vollständig erklären, warum die Unterschiede so groß sind, merkt aber an, dass die Inanspruchnahme zu stark vom Wohnort der Eltern abhänge.
- Schleswig-Holstein
- 59 %
- Mecklenburg-Vorpommern
- 38 %
- Bundesdurchschnitt
- 18.3 %
- Saarland
- 15.7 %
- Hessen
- 12.3 %
- Berlin
- 10 %
- Hamburg
- 9 %
- Rheinland-Pfalz
- 10 %
Bürokratische Hürden
Antje Funcke, familienpolitische Expertin der Bertelsmann Stiftung, führt die geringe Nutzung auf administrative Hindernisse zurück, nicht auf mangelnden Bedarf.
Die geringe Nutzung liegt nicht daran, dass die Kinder keinen Bedarf haben. Vielmehr ist der Betrag gering und der Weg dorthin sehr umständlich.
Sie weist auf unterschiedliche Genehmigungs- und Antragsverfahren in den Ländern, komplexe Formulare und umfangreiche Nachweispflichten hin, die es den Eltern erschweren, einen Antrag zu stellen. Die Stiftung fordert, dass die Leistungen ohne gesonderten Antrag ausgezahlt, Zuständigkeiten gebündelt und Behörden besser digital vernetzt werden, was auch die Kommunalverwaltungen entlasten würde.
Datenlücken und Empfehlungen
Die Studie stellt außerdem fest, dass es keine genauen Statistiken darüber gibt, wie viele Kinder anspruchsberechtigt sind und wie viele die Leistungen tatsächlich nutzen. Die Bertelsmann Stiftung hat ihre Schätzungen abgeleitet, indem sie die Zahl der Bewilligungen mit der Zahl der Empfänger der entsprechenden Sozialleistungen verglichen hat. Für Kinder aus Familien, die Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, ist nicht einmal bekannt, wie viele die Leistungen beantragen. Die Stiftung drängt auf automatische Zahlungen, um Bürokratie abzubauen und sicherzustellen, dass die Unterstützung die Bedürftigen erreicht.
## Hintergrund Das Bildungs- und Teilhabepaket wurde 2011 von der damaligen Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP eingeführt. Es umfasst Zuschüsse für Schulausflüge und Kita-Ausflüge, Schülerbeförderung, subventioniertes Schulessen, Lernförderung, Vereinsport, Musikunterricht und Ferienaktivitäten. 15 Jahre nach seiner Einführung kommt die Studie zu dem Schluss, dass das Paket die Mehrheit seiner Zielgruppe nicht erreicht.


