
DFB-Spitze fliegt nach New York, um Klopp zu verpflichten – Schweinsteiger fordert Alternativen zur „hektischen“ Trainersuche
DFB-Präsident Bernd Neuendorf und sein Stellvertreter Hans-Joachim Watzke reisten nach New York, um mit Jürgen Klopp die Bedingungen für dessen Amt als nächster Bundestrainer zu finalisieren, während Bastian Schweinsteiger die einseitige Verfolgung des Verbandes öffentlich in Frage stellte.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) handelte entschlossen, um Jürgen Klopp als neuen Bundestrainer zu installieren, und entsandte seine beiden Spitzenfunktionäre zu direkten Gesprächen in die USA. Die Mission, über die deutsche Medien breit berichteten, erfolgt nur wenige Tage nach dem Rücktritt von Julian Nagelsmann nach einer desaströsen WM-Kampagne, die im Achtelfinale gegen Paraguay endete.
Die New-York-Mission
DFB-Präsident Bernd Neuendorf und sein Stellvertreter, DFL-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Joachim Watzke, reisten nach New York, um mit dem 59-jährigen Klopp Vertragsbedingungen auszuhandeln. Klopp arbeitet derzeit als TV-Experte für die WM bei MagentaTV in den USA. Die Sportschau berichtete, dass die Gespräche für das Wochenende geplant sind und die Einzelheiten seines Engagements umfassen.
Ein zentrales Hindernis bleibt Klopps bestehender Vertrag. Er ist als Head of Global Soccer beim Getränkekonzern Red Bull angestellt, mit einem Vertrag bis 2029. Den Berichten zufolge sind nach Abschluss der Gespräche mit dem DFB weitere Verhandlungen in New York mit Red-Bull-CEO Oliver Mintzlaff geplant. Die Tagesschau merkte an, dass alle Parteien angeblich an einer einvernehmlichen Lösung interessiert seien.
Schweinsteigers Kritik
Weltmeister Bastian Schweinsteiger, der als Experte für die ARD arbeitet, übte vor der Übertragung eines WM-Viertelfinals scharfe Kritik an der Strategie des Verbandes. Er hinterfragte das Fehlen eines echten Auswahlprozesses. „Hat der DFB Alternativen?“, fragte Schweinsteiger laut N-tv in der Sendung.
Mir fehlt beim DFB so ein bisschen die Souveränität. Wenn man sieht, dass die Delegation jetzt nach New York fliegt, das ist schon bemüht, aber hektisch.
Die WELT zitierte ihn mit der Überlegung über einen vermeintlichen Verlust an Gelassenheit: „Da gab es schon andere Zeiten, in dem das anders gehandhabt wurde.“ Schweinsteiger beharrte darauf, dass jeder Trainer derzeit kaum in der Lage wäre, das Schicksal der Mannschaft radikal zu ändern.
Alternative Namen
Anstatt Klopp als unvermeidliche Wahl zu akzeptieren, verwies Schweinsteiger auf zwei andere Persönlichkeiten mit engen Verbindungen zum deutschen Fußball. Während der ARD-Übertragung nannte er Lothar Matthäus und Matthias Sammer als Beispiele für Personen mit vergleichbarem Fußballfachwissen.
Wenn man über Fussballfachwissen spricht, dann denke ich, dass Sammer und Matthäus da ganz weit vorne sind.
Matthäus, Deutschlands Rekordnationalspieler, hat als Trainer gearbeitet, obwohl seine letzte Tätigkeit 2011 mit der bulgarischen Nationalmannschaft endete. Sammer hatte leitende Direktorenposten beim DFB, beim FC Bayern München und bei Borussia Dortmund inne, hat aber seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr trainiert. Schweinsteiger präsentierte sie dennoch als legitime „Gegenpole“ zu einem Einkandidaten-Verfahren.
Ein Heilungsprozess oder ein „Pflaster“?
Schweinsteiger dämpfte die Erwartungen, dass jeder neue Trainer, selbst Klopp, eine Wunderlösung sei. Er beschrieb den Zustand der Nationalmannschaft unverblümt: „Wir liegen am Boden.“ In seiner Analyse ist Klopps Ankunft eine notwendige medizinische Reaktion, aber keine garantierte Heilung für tiefere strukturelle Probleme.
Jürgen Klopp ist für mich das Pflaster, wenn er die Wunde heilt. Aber ob die komplett heilt, das weiss ich nicht, da müssen wir schon auch in den nächsten Jahren mit der Spielergeneration viel arbeiten.
Er forderte den DFB auf, seine Ziele niedriger anzusetzen. Für die unmittelbare Zukunft wäre das Erreichen eines WM-Viertelfinals – eine Runde, die Deutschland bei drei aufeinanderfolgenden Turnieren verpasst hat – ein respektabler erster Meilenstein. Sein Rat an den Verband lautete, „tiefer zu stapeln“.
Stiller entspannt am Ballermann
Abseits des hochkarätigen Trainer-Dramas wählte Mittelfeldspieler Angelo Stiller einen unkomplizierteren Weg, um die WM-Enttäuschung zu verarbeiten. Ein Video aus dem Freiluftclub „Megapark“ auf Mallorcas „Ballermann“-Meile zeigte den VfB-Stuttgart-Spieler, wie er während eines Auftritts von Almklausi und dem Produzenten-Duo HBz auf die Bühne gerufen wurde und ausgelassen mit der Menge feierte.
„Auch ein Profi-Fussballer muss mal abschalten und sein Leben geniessen. Schön, dass du da warst, Angelo. Bis zum nächsten Mal“, schrieb der Club in einem Social-Media-Post. Stiller antwortete mit einem Bizeps-Emoji und erlangte kurzzeitig Kultstatus an der Location, während eine andere Art der WM-Aufarbeitung stattfand.

