
Deutsches BIP wächst im zweiten Quartal trotz Iran-Krieg um 0,2% und übertrifft Prognosen
Exporte und Industrieaufträge trieben das dritte Quartalswachstum in Folge, während Konsum und Investitionen unter hohen Ölpreisen schwächelten.
Wachstum trotz Kriegsbelastung
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zu den drei Vormonaten um 0,2% gewachsen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in seiner ersten Schätzung mitteilte. Der Wert übertraf die Konsensprognose von 0,1% und markierte das dritte Wachstumsquartal in Folge, nach einem revidierten Plus von 0,4% im ersten Quartal 2026 und 0,3% im vierten Quartal 2025. Die Expansion erfolgte trotz des Iran-Konflikts, der Ende Februar begann, als US-amerikanische und israelische Militärschläge die globalen Ölpreise in die Höhe trieben und die Kosten für Unternehmen und Haushalte erhöhten.
- Q4 2025
- 0.3 %
- Q1 2026
- 0.4 %
- Q2 2026
- 0.2 %
Exportmotor und Rekordauftragsbestände
Die Exporte stiegen im Frühjahr, während der private Konsum verhalten blieb und die Investitionen zurückgingen, so Destatis. Ein breites Spektrum monatlicher Indikatoren zeigte nach oben: Industrieaufträge, Produktion, Baugenehmigungen und Einzelhandelsumsätze legten alle zu. Die Auftragsbestände im verarbeitenden Gewerbe sind jetzt voller als zu jedem Zeitpunkt seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2015, und der Auftragsbestand erreichte mit 8,9 Monaten einen Rekordwert. Die Bundesbank deutete an, dass deutsche Exporteure möglicherweise profitiert haben, weil internationale Wettbewerber, insbesondere in Asien, stärker unter Engpässen bei Vorleistungsgütern litten.
Im Schatten des Krieges im Nahen Osten zeichnet sich endlich eine Trendwende in der deutschen Industrie ab.
Politische Unterstützung und verbesserte Stimmung
Berlin pumpt Milliarden Euro in Infrastruktur und Verteidigung. Anfang Juli einigte sich die schwarz-rote Koalition auf ein Reformpaket, das Maßnahmen zum Bürokratieabbau, zur Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge, zur Steuersenkung und zur Förderung von Zukunftsbranchen sowie ein Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung umfasst. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der auf einer Umfrage unter 9.000 Führungskräften basiert, stieg im Juli den dritten Monat in Folge auf 86,6 Punkte. Das liegt immer noch unter dem Wert von 88,5, der im Februar, kurz vor Beginn des Iran-Krieges, verzeichnet wurde.
Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Fahrt aufzunehmen. Für die Gesamtwirtschaft zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab.
Ölpreisrisiko und fragile Aussichten
Der Iran-Konflikt ist in den letzten Tagen wieder aufgeflammt und hat den Ölpreis vorübergehend über 100 Dollar pro Barrel getrieben. Die Straße von Hormus, ein kritischer Engpass für globale Öl- und Gaslieferungen, bleibt faktisch blockiert. Der KfW-Ökonom Philipp Scheuermeyer sagte, der Wachstumspfad könne bei moderat höheren Energiepreisen fortgesetzt werden, aber wenn die Energieexporte aus der Golfregion zu lange ins Stocken gerieten, werde der Energiepreisschock dennoch eintreten. Der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer betonte das Erholungspotenzial, das freigesetzt würde, wenn sich die USA und der Iran einigten und die Meerenge dauerhaft wieder geöffnet würde.
Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in der positiv gestarteten zweiten Jahreshälfte kommt es vor allem auf die Entwicklung im Nahen Osten an. Der Wachstumspfad kann bei moderat erhöhten Energiepreisen fortgesetzt werden. Wenn die Energieexporte aus der Golfregion jedoch zu lange ins Stocken geraten, wird der Energiepreisschock dennoch eintreten.
Es zeigt, welches Erholungspotenzial besteht, wenn sich die USA und der Iran einigen und die Straße von Hormus dauerhaft geöffnet wird.
Die Bundesbank erwartet, dass die kriegsbedingte Belastung im dritten Quartal leicht nachlässt, sofern sich die Lage nicht verschlechtert. Sie warnt jedoch davor, dass sich vorübergehende Stützungsfaktoren aus dem zweiten Quartal umkehren könnten, was das BIP-Wachstum etwas schwächer ausfallen ließe. Ein spürbarer Aufschwung wird erst 2027 erwartet.
- USA und Israel starten Angriffe auf den Iran, Ölpreise steigen
- Schwarz-rote Koalition einigt sich auf Reformpaket
- Ölpreis übersteigt vorübergehend 100 Dollar pro Barrel
- BIP für das zweite Quartal wird mit 0,2% gemeldet und übertrifft die Prognose von 0,1%


