
Deutschland reicht Sandra Wollners Everytime für die 99. Oscarverleihung ein
Eine unabhängige Jury, die von German Films in München einberufen wurde, wählte den Cannes-Preisträger Everytime unter der Regie von Sandra Wollner als deutschen Beitrag für den besten internationalen Spielfilm bei den Oscars aus.
Juryentscheidung in München
Eine unabhängige Jury, organisiert von German Films, gab am 25. August 2026 in München bekannt, dass die deutsch-österreichische Koproduktion Everytime Deutschland in der Kategorie Bester internationaler Spielfilm bei der 99. Oscarverleihung vertreten wird. Unter der Regie der österreichischen Filmemacherin Sandra Wollner setzte sich die Auswahl in einem wettbewerbsintensiven Feld heimischer Einreichungen durch. Das Drama setzte sich gegen andere in die engere Wahl gezogene deutsche Beiträge durch, darunter Simon Verhoevens Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke und Volker Schlöndorffs Heimsuchung. Die Entscheidung reicht den Film offiziell bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences zur Prüfung vor den Winterabstimmungsphasen ein.
Handlung, Besetzung und Festivalerfolge
Everytime erzählt von Ella und ihrer jüngeren Tochter Melli, die versuchen, ihren Alltag ein Jahr nach dem plötzlichen Tod der älteren Tochter Jessie wieder aufzubauen. Die ungelöste Trauer der Familie zeigt sich in kleinen Gesten, archivierten Textnachrichten und Heimvideoaufnahmen. Verdrängte Emotionen kommen zurück, als beide zusammen mit Jessies Partner Lux nach Teneriffa reisen. Der Film, von Kameramann Gregory Oke in warmen Tönen fotografiert, spielt in den Hauptrollen Birgit Minichmayr, Carla Hüttermann und Tristan Lopez. Dieses Projekt ist Wollners dritter Spielfilm nach Das unmögliche Bild und The Trouble with Being Born – die Regisseurin wurde 1983 in Leoben geboren und lebt in Berlin. Vor seiner Auswahl durch Deutschland gewann die Produktion den Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard bei den Filmfestspielen von Cannes und im August 2026 den Heart of Sarajevo Award für den besten Spielfilm beim Filmfestival von Sarajevo.
Erweiterte Teilnahmeberechtigung durch Festivalpreise
Neue Regeln, die die Academy im Frühjahr 2026 eingeführt hat, könnten es Deutschland ermöglichen, in diesem Zyklus bis zu drei Filme in den Wettbewerb um den besten internationalen Spielfilm einzureichen. Nach dem aktualisierten Rahmen qualifizieren sich fremdsprachige Titel, die Hauptpreise auf anerkannten Filmfestivals gewinnen, direkt für die Einreichung – darunter Gewinner der Goldenen Palme in Cannes, des Goldenen Löwen in Venedig, des Großen Preises der Jury in Sundance oder des Goldenen Bären in Berlin. Aufgrund dieser Bestimmungen sind İlker Çataks Yellow Letters (Gelbe Briefe), die im Februar den Goldenen Bären bei der Berlinale gewannen, und Visar Morinas Shame and Money (Von Scham und Geld), das den World Cinema Grand Jury Prize beim Sundance Film Festival errang, einreichungsberechtigt. Die Produktionsfirmen dieser überwiegend deutsch produzierten Titel müssen jedoch noch die formellen Einreichungsunterlagen bei der Academy einreichen.
Abstimmungszeitplan und Kategorienänderungen
Die Academy hat auch die offiziellen Anerkennungsregeln für die Kategorie des besten internationalen Spielfilms umstrukturiert. Der Film selbst gilt nun als offizieller Kandidat und nicht mehr das einreichende Land, und der Regisseur erhält die Trophäe im Namen des Kreativteams. Teilnahmeberechtigte Beiträge konkurrieren zunächst um einen Platz auf einer 15 Filme umfassenden Shortlist, die für den 15. Dezember 2026 angekündigt ist. Die Academy-Wähler werden diese Liste dann auf fünf nominierte Filme eingrenzen, die am 21. Januar 2027 bekannt gegeben werden. Die Verleihung der 99. Academy Awards ist für den 14. März 2027 in Los Angeles geplant.
- German Films gibt Everytime als deutschen Beitrag in München bekannt
- Academy gibt die 15 Filme umfassende Shortlist für den besten internationalen Spielfilm bekannt
- Academy gibt die fünf nominierten Filme bekannt
- Die Verleihung der 99. Academy Awards findet in Los Angeles statt


