
RKI schätzt 15.800 Hitzetote in Deutschland bis Mitte August 2026
Ein Bericht des Robert-Koch-Instituts führt 15.800 Todesfälle zwischen April und Mitte August auf extreme Temperaturen zurück, wobei die Spitzen Ende Juni und Anfang August vor allem ältere Bevölkerungsgruppen trafen.
Nationale Todeszahlen und saisonale Spitzen
Laut statistischen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) starben in Deutschland zwischen dem 6. April und dem 16. August 2026 etwa 15.800 Menschen an hitzebedingten Ursachen. Der RKI-Wochenbericht dokumentierte zwei ausgeprägte Temperaturspitzen, die für den Großteil dieser Todesfälle verantwortlich waren. Der größte Höhepunkt ereignete sich in der zweiten Junihälfte, als die Temperaturen über 41 Grad Celsius stiegen und schätzungsweise 9.600 Todesfälle verursachten. Eine zweite schwere Phase in den ersten beiden Augustwochen führte zu rund 4.000 zusätzlichen Todesfällen. Bundesweit stieg die geschätzte Zahl der Todesopfer allein im letzten wöchentlichen Berichtszeitraum um 1.800.
Demografische Aufschlüsselung und klinische Ursachen
Die vom RKI veröffentlichten Daten zeigen, dass ältere Bewohner am stärksten von den hohen Temperaturen betroffen waren. Mehr als die Hälfte aller Opfer, etwa 7.960 Personen, waren 85 Jahre oder älter. Weitere 3.900 Todesfälle ereigneten sich in der Altersgruppe der 75- bis 84-Jährigen, 2.440 bei Menschen zwischen 65 und 74 Jahren und 1.470 bei Personen unter 65 Jahren. Das RKI stellte fest, dass Frauen einen größeren Anteil der Toten ausmachten, und erklärte, dass dies eher die allgemeine demografische Altersverteilung widerspiegele als eine biologische Anfälligkeit. In einigen Fällen führte die Hitzeeinwirkung direkt zum Tod durch Hitzschlag, aber in der überwiegenden Mehrheit der Fälle beschleunigte die Hitze die Todesfälle, indem sie bestehende Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Nierenerkrankungen verschlimmerte. Statistische Modellierungen wurden verwendet, weil Todesbescheinigungen selten direkt auf Hitze verweisen, wie Uwe Janssens, medizinischer Direktor der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), anmerkte, der beobachtete, dass stattdessen routinemäßig Organversagen dokumentiert wird.
- Unter 65
- 1470 Todesfälle
- 65–74
- 2440 Todesfälle
- 75–84
- 3900 Todesfälle
- 85 und älter
- 7960 Todesfälle
Regionale Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die regionalen Sterblichkeitsraten variierten stark im ganzen Land, wobei die südwestlichen Bundesländer die höchste Konzentration an Todesfällen pro Kopf verzeichneten. Das Saarland verzeichnete mit 52,6 Todesfällen pro 100.000 Einwohner die höchste Rate in Deutschland, dicht gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 47,6 Todesfällen pro 100.000. In Rheinland-Pfalz erreichte die Gesamtzahl der hitzebedingten Todesfälle bis Mitte August etwa 1.960, verglichen mit einer Rate von 6,1 pro 100.000 im Vorjahr. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands, verzeichnete bis zum 16. August 3.130 hitzebedingte Todesfälle, nach einem wöchentlichen Anstieg von rund 270 Todesfällen in der zweiten Augustwoche, was einer Rate von 17,4 pro 100.000 entspricht. In den ostdeutschen Bundesländern verzeichnete Sachsen etwa 550 Hitzetote, während Sachsen-Anhalt 240 Todesfälle meldete, was 11,2 Todesfällen pro 100.000 Einwohner entspricht. Schleswig-Holstein verzeichnete mit 2,4 Todesfällen pro 100.000 die niedrigste Sterblichkeitsrate des Landes, weit unter dem Bundesdurchschnitt von 19,0.
- Saarland
- 52.6 pro 100.000
- Rheinland-Pfalz
- 47.6 pro 100.000
- Bundesdurchschnitt
- 19 pro 100.000
- Nordrhein-Westfalen
- 17.4 pro 100.000
- Sachsen-Anhalt
- 11.2 pro 100.000
- Schleswig-Holstein
- 2.4 pro 100.000
Historische Vergleiche und konservative Schätzungen
Die geschätzten 15.800 hitzebedingten Todesfälle stellen die höchste vom RKI seit mindestens zehn Jahren erfasste Gesamtzahl dar. Die bisher höchsten bundesweiten Zahlen seit 2016 waren 9.500 Todesfälle im Jahr 2018 und 7.600 Todesfälle im Jahr 2019. In Nordrhein-Westfalen lag der bisherige Zehnjahreshöchstwert bei 2.260 Todesfällen im Jahr 2018, während Rheinland-Pfalz im selben Jahr etwa 620 Hitzetote verzeichnete. Auch Sachsen übertraf seinen Gesamtwert von 2018 mit rund 530 Todesfällen. In Sachsen-Anhalt bleibt die Zahl von 320 Todesfällen im Jahr 2018 der einzige Jahreswert, der über dem Gesamtwert von 2026 liegt. RKI-Beamte erklärten, dass diese Zahlen weiterhin konservative Schätzungen seien, und wiesen darauf hin, dass vergangene Jahre routinemäßig jeden Monat neu berechnet werden, sobald neue Daten eingehen, was darauf hindeutet, dass die endgültigen Zahlen für 2026 noch steigen könnten.


