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Makroökonomie·vor 3 Tagen

Wirtschaftsweise senken Konjunkturprognose für 2026 auf 0,5 % und warnen vor Sozialabgaben von 50 % der Löhne

Der Sachverständigenrat senkte seine BIP-Prognose für 2026 auf 0,5 %, begründet mit dem Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Kriegs, und warnte, dass die Sozialbeiträge bis 2040 ohne tiefgreifende Reformen auf 50 % des Einkommens steigen könnten.

Die gesenkte Prognose

Das fünfköpfige Gremium, bekannt als die „Wirtschaftsweisen“, legte am Mittwoch nach einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz eine düstere Einschätzung vor. Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr nur um 0,5 % zulegen – eine Halbierung der 0,9 %, die sie im Herbst vorhergesagt hatten. Für 2027 veranschlagt der Rat eine leichte Erholung auf 0,8 %, fast vollständig getrieben durch Staatsverschuldung.

Wir mussten unsere Wachstumsprognose in unserem Review leider nach unten korrigieren. Wir erwarten ein BIP-Wachstum von nur 0,5 Prozent in diesem Jahr und 0,8 Prozent im nächsten Jahr.

Deutsche BIP-Wachstumsprognosen (Frühjahr 2026) · %
2026 (Basis)
0.5 %
2026 (Risikoszenario)
0.2 %
2027
0.8 %

Rund 0,3 Prozentpunkte des diesjährigen Wachstums fließen aus defizitfinanzierten Staatsausgaben, ein Kalendereffekt kommt mit weiteren 0,2 Punkten hinzu. Private Investitionen und Konsumausgaben bleiben dagegen äußerst schwach. In einem Risikoszenario, in dem die Energiepreise weitaus länger hoch bleiben, als die Finanzmärkte derzeit annehmen, würde das Wachstum auf vernachlässigbare 0,2 % sinken – eine faktische Stagnation.

Energieschock durch die Straße von Hormus

Die Hauptbremse ist der Iran-Krieg. Die Kampfhandlungen haben die Schifffahrt durch die Straße von Hormus, durch die 20 % des weltweiten Öls und Flüssiggases transportiert werden, nahezu zum Erliegen gebracht. Heizöl ist bereits um 40 % gestiegen, weitere Erhöhungen bei Gas und Strom werden erwartet. Hohe Brennstoffkosten schmälern die Kaufkraft der Haushalte und drücken die Unternehmensmargen, während die globale Konjunkturabkühlung die Exporte – ein Standbein des deutschen Wohlstands – dämpft.

Die Unsicherheit über die Dauer und die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die deutsche Wirtschaft stellt ein „erhebliches Risiko“ für die Prognose dar.

Sachverständigenrat

Drohende Sozialkrise

Über die konjunkturellen Schwierigkeiten hinaus machte der Rat auf eine tiefere strukturelle Bedrohung aufmerksam. Die Sozialabgaben liegen derzeit bei 42 % des Bruttolohns und könnten bis 2040 auf 50 % klettern, wenn nichts unternommen wird. Eine solche Belastung würde die verfügbaren Einkommen stark senken, den privaten Konsum dämpfen und Unternehmensinvestitionen abschrecken – die ohnehin in den letzten Jahren geschrumpft sind. Die Ökonomen rechnen damit, dass dieser Hemmschuh ungebremst bis 2035 bis zu einen Prozentpunkt jährliches Wachstum kosten könnte.

Gesundheitsreform – alte Ideen, neue Dringlichkeit

Das Gesundheitswesen wird als das drängendste Reformfeld hervorgehoben. In den letzten zwei Jahrzehnten sind die realen Ausgaben um fast zwei Drittel explodiert, dennoch erzielen die Deutschen nur durchschnittliche Ergebnisse im europäischen Vergleich. Die Vorschläge des Rates, die weitgehend seit langem diskutierte Ideen wiederholen, umfassen: Abkehr von der Einzelleistungsvergütung im Krankenhaus, mehr Spezialisierung und ambulante Versorgung, Deckelung des Preisanstiegs bei Arzneimitteln, Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung für Geringverdiener-Ehepartner sowie die Übernahme der Kosten für versicherungsfremde Leistungen vollständig durch den Bundeshaushalt.

Reaktion der Regierung und fragile Aussichten

Bundeskanzler Merz, der vor einem Jahr mit dem Versprechen einer wirtschaftlichen Wende an die Macht kam, erfuhr die Diagnose bei einem Arbeitssesen. Seine Regierung hatte ihre eigene Prognose bereits vor einem Monat auf 0,5 % halbiert. Ein schuldenfinanzierter Sonderfonds für die Infrastruktur, der von beiden Parlamentskammern gebilligt wurde, soll einen fiskalischen Impuls liefern, doch Kritiker bemängeln, dass die Mittel zu langsam fließen und umgeleitet werden, um Löcher im regulären Haushalt zu stopfen. Der Rat selbst prognostiziert, dass das öffentliche Defizit von 2,7 % des BIP im Vorjahr auf 3,7 % im Jahr 2026 und 4,3 % im Jahr 2027 steigen wird.

Angesichts einer erwarteten Arbeitslosenquote von 6,4 % (fast drei Millionen Menschen) und einer Inflation von 3 % sowohl 2026 als auch 2027 lässt der Frühlingsbericht wenig Raum für Selbstzufriedenheit. „Wir müssen bereit sein, uns neu zu erfinden“, zitiert ein Artikel die Botschaft des Rates – und erfasst damit die Tiefe der Herausforderung, vor der Europas größte Volkswirtschaft nun steht.

Berlin

8 Quellen

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