
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil trifft UniCredit-CEO Andrea Orcel zur Festlegung der Commerzbank-Bedingungen
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil führte in Berlin Gespräche mit UniCredit-CEO Andrea Orcel und forderte den Erhalt der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt sowie Schutzmaßnahmen für 40.000 Beschäftigte, während der italienische Kreditgeber knapp 50 % der Anteile kontrolliert.
Berliner Gespräche eröffnen direkten Dialog zur Übernahme
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil traf am 14. September 2026 in Berlin mit UniCredit-Chef Andrea Orcel zusammen, um die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Bank zu erörtern. Das Treffen ist der erste direkte Austausch zwischen der deutschen Bundesregierung und der UniCredit-Führung nach zweijährigem Widerstand aus Berlin. Die deutschen Behörden hatten den Vorstoß zuvor abgelehnt, nachdem die Mailänder Bank im September 2024 einen ersten Anteil an der Commerzbank erworben hatte. Finanzministeriumssprecher Maximilian Kall erklärte, dass Berlin die von UniCredit angewandte Methode zwar weiterhin ablehne, der Prozess jedoch in eine neue Verhandlungsphase eingetreten sei, die sich auf die Suche nach einer tragfähigen Lösung für beide Bankinstitute konzentriere.
Wir lehnen ein aggressives und feindseliges Vorgehen weiterhin ab, aber jetzt befinden wir uns in einer anderen Phase.
Bundesregierung legt strenge Bedingungen für den Deal fest
Während des Treffens im Finanzministerium präsentierte Klingbeil eine umfassende Liste von Anforderungen für jede mögliche Kombination. Berlin erwartet, dass die Commerzbank eine unabhängige Aktiengesellschaft bleibt, die an der Frankfurter Börse notiert ist und ihren Firmensitz in Frankfurt behält. Der Finanzminister bestand darauf, dass das Kreditinstitut seine etablierte Rolle bei der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in ganz Deutschland und über sein internationales Netzwerk fortsetzen müsse. Darüber hinaus erwartet der deutsche Staat, zwei Vertreter im Aufsichtsrat der Commerzbank zu behalten – Posten, die während der staatlichen Rettungsaktion in der globalen Finanzkrise 2008 eingerichtet wurden. Klingbeil betonte, dass die Interessen der mehr als 40.000 Beschäftigten der Commerzbank in dieser Zeit der Unsicherheit geschützt werden müssten.
In einem konstruktiven Gespräch mit Herrn Orcel habe ich klargestellt, dass die weiteren Verhandlungen verantwortungsvoll geführt werden müssen.
Breite politische und unternehmerische Konsultationen in Berlin
Vor dem Treffen mit Orcel stimmte Klingbeil die Berliner Strategie mit mehreren Bundes-, Landes- und Unternehmensvertretern ab. Der Minister konsultierte Bundeskanzler Friedrich Merz, den hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein, den Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef, die Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und den Betriebsratsvorsitzenden Sascha Uebel. Commerzbank-CEO Bettina Orlopp hatte Anfang September 2026 erklärt, dass die neu aufgenommenen Gespräche zwischen den beiden Banken nicht scheitern dürften. Klingbeil merkte an, dass die resultierende Unternehmensstruktur im Falle einer Fusion die Bedeutung des deutschen Marktes widerspiegeln müsse, der das größte operative Gebiet innerhalb der UniCredit-Gruppe darstellen würde. Die SPD, deren Vorsitzender Klingbeil ist, pflegt enge Verbindungen zu den Arbeitnehmergewerkschaften, die das Übernahmeangebot ablehnen.
Es ist nun an beiden Seiten, über dieses erste Gespräch nachzudenken, damit ein Weg gefunden werden kann, der im besten Interesse aller Beteiligten und Aktionäre ist.
Übernahmeprozess geht in direkte Bankverhandlungen über
Die Gespräche endeten ohne verbindliche Zusagen von Orcel, da formelle Fusionsvereinbarungen rechtlich in der Verantwortung der Unternehmensführungsgremien der Commerzbank liegen und nicht des Finanzministeriums. UniCredit leitete seinen Übernahmeprozess ein, nachdem die 30-Prozent-Schwelle der Stimmrechte überschritten wurde, was nach deutschem Gesellschaftsrecht ein Pflichtangebot auslöst. Orcel hatte zuvor angemerkt, dass das Übernahmeangebot dazu dienen sollte, eine langanhaltende Blockade zu durchbrechen, und nicht, sofortige vollständige Kontrolle zu erlangen. UniCredit meldete im Juli 2026 einen Anteil von 47,59 % an der Commerzbank, wobei die derzeitigen Beteiligungen etwa 50 % erreichen. Die deutsche Bundesregierung hält eine Minderheitsbeteiligung, die in früheren Angaben mit 12 % und nach jüngsten Kapitalanpassungen mit 13,3 % ausgewiesen wurde.
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