
Prien plant Kürzung des Elterngeldes um 1,6 Milliarden Euro und Deckelung des Unterhaltsvorschusses auf 16 Jahre – heftige Kritik
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will das Elterngeld von 14 auf 12 Monate kürzen, den Unterhaltsvorschuss für Kinder von 18 auf 16 Jahre reduzieren und mit Fahrverboten säumige Eltern unter Druck setzen. Dies stößt auf Widerstand von SPD, Kinderschutzverbänden und der Antidiskriminierungsbeauftragten.
Elterngeld wird gekürzt
Der größte Einzelposten im Haushalt des Familienministeriums, das Elterngeld, kostet rund 7,5 Milliarden Euro pro Jahr. Nach dem derzeit in der Ressortabstimmung befindlichen Gesetzentwurf soll der gesamte Bezugszeitraum von 14 auf 12 Monate verkürzt werden. Um die vollen 12 Monate zu erhalten, müssten Väter mindestens drei Monate Elternzeit nehmen, statt wie bisher zwei – eine Regelung, die die Beteiligung der Väter fördern soll. Das Ministerium rechnet bis 2030 mit Einsparungen von 1,6 Milliarden Euro.
Viele Eltern erfahren am Arbeitsplatz Diskriminierung, wenn sie Elternzeit beantragen, und Väter berichten noch häufiger davon als Mütter.
Ferda Ataman, die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, verwies auf eine von ihrer Behörde in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2022, wonach 30 Prozent der Väter und 24 Prozent der Mütter bei der Ankündigung ihrer Elternzeit auf abfällige Reaktionen von Vorgesetzten stießen. Sie warnte, dass Frauen bei einer Reform, die die Mütterleistung auf neun Monate verkürzt, während Väter zögern, doppelt benachteiligt würden: durch berufliche Rückschritte und größere finanzielle Abhängigkeit. Sie forderte, „familiäre Fürsorge“ als geschütztes Merkmal in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aufzunehmen.
Unterhaltsvorschuss auf 16 Jahre begrenzt
Der staatliche Unterhaltsvorschuss springt ein, wenn ein Elternteil – überwiegend der Vater – keinen Unterhalt zahlt. Im vergangenen Jahr zahlte der Bund rund 3,3 Milliarden Euro für etwa 855.700 Fälle aus, holte aber nur rund 18 Prozent von den säumigen Zahlern zurück. Nach Priens Plan soll der Anspruch mit 16 statt 18 Jahren enden, was die Reform von 2017 teilweise rückgängig macht, die eine 72-Monats-Obergrenze aufgehoben und die Leistung bis zur Volljährigkeit verlängert hatte. Ein Ministeriumssprecher wies darauf hin, dass das deutsche System bereits die längste Zahlungsdauer in Europa biete, mit vergleichsweise hohen Beträgen und niedrigen Zugangshürden; die meisten anderen europäischen Staaten hätten entweder keine vergleichbare Leistung oder begrenzten sie auf wenige Monate und knüpften sie an zusätzliche Bedingungen.
Es kann nicht sein, dass in Deutschland 80 bis 85 Prozent der betroffenen Väter straffrei ausgehen; sie müssen stärker in die Pflicht genommen werden.
Die Reform sei durch eine gemeinsame Vereinbarung von Bund und Ländern vom Juni 2026 vorgegeben, sagte Prien der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und verteidigte sie als notwendigen „schmerzhaften Rollback“, der durch die „dramatische Haushaltslage“ erzwungen worden sei. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte seine Kabinettskollegen zuvor zu einer „gemeinsamen Kraftanstrengung“ zur Haushaltskonsolidierung aufgerufen, und die Kostenexplosion des Unterhaltsvorschusses um das Vierfache seit 2017 machte ihn zu einem vorrangigen Ziel.
Strengere Durchsetzung, einschließlich Fahrverboten
Neben der Kürzung will Prien die Beitreibung verstärken. Der Gesetzentwurf würde es den Verwaltungsbehörden erlauben, ohne gerichtliche Anordnung Fahrverbote gegen säumige Eltern zu verhängen – eine Maßnahme, die Kritiker als Ablenkungsmanöver bezeichnen. Die Ministerin drängt die Länder zudem, die Beitreibung zu zentralisieren; Hamburg etwa richtet eine zentrale Stelle ein, um seine derzeitige Rückholquote von 12 Prozent zu verbessern. Der Kinderbeauftragte der SPD, Truels Reichardt, bezeichnete die geringe Rückholquote als „eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“.
Politischer und institutioneller Gegenwind
Der Plan stößt auf Kritik des Koalitionspartners SPD und der Opposition. Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und als damalige Familienministerin Architektin der Ausweitung von 2017, nannte die Kürzungen „falsch“ und argumentierte, sie bestraften Alleinerziehende und ihre Kinder. SPD und Linke warnten davor, dass die Streichung der Unterstützung mit 16 Jahren gefährdete Familien in die Grundsicherung treiben und die angestrebten Einsparungen zunichtemachen würde. Kinderschutzorganisationen warnten vor einer Vertiefung der Ungleichheit, und Ataman forderte die Regierung auf, Eltern vor Diskriminierung am Arbeitsplatz zu schützen.
Nächste Schritte
- Unterhaltsvorschuss auf das 18. Lebensjahr ausgeweitet und 72-Monats-Obergrenze aufgehoben, was später zu einer Vervierfachung der Kosten führte.
- Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zur Überarbeitung des Unterhaltsvorschusses im Zuge der Haushaltskonsolidierung.
- Ministerin Prien verteidigt die Kürzungen, schlägt Fahrverbote für säumige Zahler vor und argumentiert, das deutsche System sei einzigartig großzügig.
- Geplantes Inkrafttreten: Vorschuss auf das 16. Lebensjahr begrenzt, strengere Durchsetzung und optimierte Beitreibung.
Der Gesetzentwurf befindet sich in der Ressortabstimmung und hat das Kabinett noch nicht erreicht. Prien strebt ein Inkrafttreten zum 1. Januar 2027 an.

