
Deutsche Staatsanwaltschaft klagt Berliner Geschäftsfrau wegen Spionage für den russischen Geheimdienst an
Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die 57-jährige Ilona W. angeklagt, Details der deutschen Verteidigungspolitik und Drohnenlogistik an einen russischen Militärgeheimdienstführer weitergegeben zu haben.
Anklage und Spionagevorwürfe
Die deutschen Bundesanwälte in Karlsruhe gaben am 14. September 2026 bekannt, dass sie eine 74-seitige Anklageschrift gegen die 57-jährige deutsch-ukrainische Geschäftsfrau Ilona W. beim Kammergericht in Berlin eingereicht haben. Die Angeklagte, die eine PR- und Marketingagentur betrieb und einen internationalen Austauschverein leitete, wird beschuldigt, als Geheimdienstagentin für die Russische Föderation tätig gewesen zu sein. Die Ermittler geben an, dass sie von Ende 2023 bis zu ihrer Festnahme Anfang 2026 aktiven Kontakt zu russischen Geheimdiensten unterhielt. Der ursprüngliche Verdacht eines besonders schweren Falles von Spionage wurde in der formellen Anklage nicht aufrechterhalten. Der Staatssicherheitssenat des Berliner Gerichts muss nun entscheiden, ob der Fall vor Gericht zugelassen wird.
Geheimdienstliche Tätigkeit und Unterwanderung
Laut Anklageschrift sammelte Ilona W. Informationen zur deutschen Verteidigungspolitik, zu Rüstungsproduktionsstätten, Drohnentestanlagen und geplanten Drohnenlieferungen an die Ukraine. Sie versuchte, Kontakte im Bundesministerium der Verteidigung und im inländischen Waffensektor für ausländische Operationen anzuwerben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Zugang für ihren Führungsoffizier, den russischen GRU-Militärgeheimdienstoffizier Andrej M., ermöglicht zu haben, der unter diplomatischer Deckung als stellvertretender Attaché an der russischen Botschaft in Berlin tätig war. Die Angeklagte half Andrej M., unter falschen Namen an politischen Zusammenkünften teilzunehmen, darunter die Unterwanderung eines Treffens von Bundeswehr-Reservisten im Februar 2024. Sie sammelte auch Informationen über Teilnehmer des NATO-Talks im November 2023 im Berliner Hotel Adlon und machte Fotos direkt hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj während des Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforums am 15. Dezember 2025.
Bei verschiedenen Gelegenheiten gab die Angeklagte ihm Informationen über den Krieg zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine weiter.
Razzien und Zerschlagung des Netzwerks
Beamte des Bundeskriminalamts verhafteten Ilona W. am 21. Januar 2026 in Berlin; sie befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Gleichzeitig mit ihrer Festnahme durchsuchten die Strafverfolgungsbehörden Grundstücke im Havelland (Brandenburg), im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) und in München. Diese Durchsuchungen richteten sich gegen Orte, die mit Ilona W. und zwei ehemaligen Mitarbeitern des Bundesministeriums der Verteidigung in Verbindung standen, die mit ihr Kontakt hatten; die beiden ehemaligen Ministeriumsmitarbeiter bleiben jedoch auf freiem Fuß. Ihr Führungsoffizier Andrej M. musste Deutschland Anfang 2026 verlassen, nachdem die deutsche Spionageabwehr seine Rolle als Militärgeheimdienstoffizier identifiziert hatte.
- Ilona W. sammelt Details über Teilnehmer der NATO-Talk-Konferenz in Berlin
- Die Angeklagte verschafft dem GRU-Führungsoffizier unter einem falschen Namen Zutritt zu einer Bundeswehr-Reservistenveranstaltung
- Ilona W. nimmt am Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum in der Nähe von Merz und Selenskyj teil
- Das Bundeskriminalamt verhaftet Ilona W. in Berlin und durchsucht Räumlichkeiten in drei Bundesländern
- Die Bundesanwaltschaft reicht eine 74-seitige Anklageschrift beim Kammergericht Berlin ein
- Die deutschen Bundesanwälte geben die Anklage wegen Spionage gegen Ilona W. öffentlich bekannt
Weitere Ausweisungen und hybride Aktivitäten
Die Anklage erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen Berlin und Moskau wegen verdeckter Operationen auf deutschem Boden. Die deutschen Behörden hatten russischen Diensten zuvor einen Vorfall vom August 2026 am Flughafen Leipzig/Halle vorgeworfen, bei dem Mitarbeiter einen Sprengkörper mit defektem Zünder in der Nähe eines Antonov-Frachtflugzeugs entdeckten. Als Reaktion darauf ordnete Deutschland die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und die Kündigung des Mietvertrags für das Russische Haus in Berlin an. Russland revanchierte sich, indem es das deutsche Generalkonsulat in Sankt Petersburg schloss und die Aktivitäten des Goethe-Instituts in ganz Russland einstellte.


