
Deutsche Spitzenpolitiker fordern EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir wegen Gaza-Tötungsaufruf
Deutsche Politiker aller Parteien und jüdische Gemeindevorsitzende forderten am 18. August 2026 EU-Sanktionen und Einreiseverbote gegen den israelischen Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, nachdem er nächtliche gezielte Tötungen im Gazastreifen befürwortet hatte.
Ben-Gvir-Äußerungen lösen Verurteilung aus
Der israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, sah sich nach seinen Äußerungen in einem Podcast mit Rom Braslavski, einem ehemaligen Geisel des Hamas-Überfalls vom 7. Oktober 2023, mit breiter politischer Kritik konfrontiert. In der Aufnahme befürwortete Ben-Gvir gezielte Tötungen von 30 bis 40 Menschen pro Nacht im Gazastreifen. Er erklärte, diese Aktionen dürften nicht auf Personen beschränkt sein, die eine unmittelbare Gefahr darstellten, und behauptete, dass bestimmte Menschen im Gebiet kein Recht zu leben hätten und nicht menschlich seien. Ben-Gvir beaufsichtigt die Polizei und den Strafvollzug in Israel und hatte zuvor bereits die Haftbedingungen für palästinensische Gefangene verschärft.
Deutsches Kabinett und Koalition drängen auf EU-Aktion
Vertreter der deutschen Bundesregierung reagierten am 18. August 2026 mit Forderungen nach konkreten diplomatischen und rechtlichen Maßnahmen. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil bezeichnete die Äußerungen in einem Interview mit Sat.1 als menschenverachtend und erklärte, eine rote Linie sei überschritten worden. Er forderte die europäischen Partner auf, Sanktionen gegen den Minister zu prüfen. Grünen-Chefin Franziska Brantner verlangte von Berlin, Ben-Gvir die Einreise nach Deutschland zu verbieten und auf gemeinsame europäische Maßnahmen hinzuwirken.
Ich fordere die Bundesregierung auf, diesem Mann die Einreise zu verbieten und sich auf europäischer Ebene für ähnliche Sanktionen einzusetzen.
Brantner wies darauf hin, dass mehrere europäische Staaten, darunter das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Spanien, Frankreich, Italien und Belgien, bereits Einreiseverbote oder individuelle Sanktionen gegen Ben-Gvir verhängt hätten. Auch der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat begonnen, europäische Sanktionen zu prüfen – ein Zeichen des Wandels gegenüber der früheren Zurückhaltung Berlins bei EU-Strafmaßnahmen gegen israelische Kabinettsmitglieder.
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Breite Unterstützung im Bundestag und in Brüssel
Der Druck auf die Bundesregierung weitete sich sowohl in beiden Kammern des Parlaments als auch im Europäischen Parlament aus. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, persönliche EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir seien überfällig, und argumentierte, Berlin müsse eine differenziertere Politik gegenüber Israel verfolgen. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Jürgen Hardt, forderte die EU ebenfalls auf, Ben-Gvir zu sanktionieren, und fügte hinzu, ein israelisches Kabinett ohne rechtsextreme Minister würde Europa und Israel einander näherbringen. Im Europäischen Parlament befürwortete die CDU-Fraktionschefin Hildegard Bentele gezielte individuelle Strafmaßnahmen, während die grüne Europaabgeordnete Hannah Neumann ein Ende des deutschen Widerstands im Europäischen Rat forderte.
Das sind Aussagen, die wir als Bundesregierung in keiner Weise akzeptieren können. Das muss auch Konsequenzen haben.
Ablehnung durch jüdische Gemeindevorsitzende
Jüdische Gemeinschaftsorganisationen in Deutschland und Österreich distanzierten sich öffentlich von Ben-Gvirs Aussagen. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, kritisierte den Minister am 18. August 2026 und erklärte, die Rhetorik widerspreche jüdischen ethischen Grundsätzen und schade dem internationalen Ansehen Israels.
Das Verhalten von Itamar Ben-Gvir ist zutiefst beschämend und unverantwortlich. Es zeigt die Gefahr, die von rechtsextremen Kräften ausgeht.
In Österreich bezeichnete der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Salzburg, Steiermark und Kärnten, Rosen, Ben-Gvir als eine Schande für das jüdische Volk und den Staat Israel und forderte die israelische Regierung auf, ihn aus dem Kabinett zu entlassen.


