Deutsche Politiker erwägen Bundeszwang nach Artikel 37 gegen AfD in Sachsen-Anhalt
Führende deutsche Politiker beriefen sich auf Artikel 37 des Grundgesetzes, um Bundesrecht durchzusetzen, falls die Alternative für Deutschland in Sachsen-Anhalt eine Landesregierung bildet.
Debatte um Bundeszwang
Nach dem Landtagswahlsieg der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt haben führende Bundespolitiker die Möglichkeit eines Bundeszwangs nach Artikel 37 des Grundgesetzes ins Spiel gebracht. Der Unionsfraktionsvorsitzende Thorsten Frei (CDU) und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) erklärten, der Mechanismus könne eine Landesregierung dazu zwingen, Bundesvorschriften einzuhalten, wenn diese verfassungswidrig handelt. Diese Regelung erlaubt der Bundesregierung, mit Zustimmung des Bundesrats Bundesverpflichtungen gegenüber einer widersetzlichen Landesbehörde durchzusetzen. Artikel 37 wurde in der Geschichte der Bundesrepublik seit 1949 noch nie angewandt.
Verfassungsmechanismen und Befugnisse
Gemäß Artikel 37 steht der Bundesregierung das Recht zu, notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass ein Land seinen Pflichten nachkommt. Diskutierte mögliche Eingriffe von zuständigen Verfassungsrechtlern und Abgeordneten umfassen die direkten Weisungen an Landesbehörden, die Kürzung von Bundesmitteln, die Zwangsverwaltung von Ministerien oder den Einsatz der Bundespolizei. Justizministerin Hubig skizzierte mögliche Szenarien, wie etwa eine Landesregierung, die den lokalen Behörden die Bearbeitung von Einbürgerungsanträgen oder die Registrierung gleichgeschlechtlicher Ehen untersagen würde.
Dann könnte die Bundesregierung eine unmittelbare Weisung an die zuständigen Landesbehörden erteilen, die Gesetze doch anzuwenden. Dazu wäre die Zustimmung des Bundesrats erforderlich.
Der emeritierte Verfassungsrechtler Christoph Degenhart wies darauf hin, dass die schwerwiegendste Maßnahme die Einsetzung eines Bundesbeauftragten wäre, der bestimmte Vollzugsaufgaben übernimmt. Degenhart warnte jedoch, dass es keine richterlichen Präzedenzfälle zu den genauen rechtlichen Grenzen von Artikel 37 gebe und die Landesregierung in Magdeburg solche Bundesmaßnahmen vor dem Bundesverfassungsgericht anfechten könnte.
Koalitionsdynamiken in Magdeburg
Die Diskussion folgt dem Urnengang in Sachsen-Anhalt, bei dem die AfD mit fast 44 % der Stimmen den ersten Platz errang. Doch der Partei verfehlte aufgrund dieses Ergebnisses die absolute Mehrheit um drei Sitze im Landtag. Die etablierten Parteien, CDU, SPD, Die Linke und Grüne, schließen eine Koalition mit der AfD aus, die das Landesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft. Um eine Regierung zu bilden, benötigt die AfD vermutlich die Unterstützung des Sahra Wagenknecht Bündnisses (BSW), das sich für Vorgespräche offen zeigte, oder Abgängige von einzelnen CDU-Abgeordneten.
- Die AfD wird in den Gemeindenwahl in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft.
- Die AfD gewinnt die Wahl in Sachs-Anhalt mit fast 44 %.
- Thorsten Frei und Wolfgang Kubicki nennen die Mechanism des Bundeszwangs nach Artikel 37.
- Bundesjustizministerin Stefanie Hubing detailiert die Weisungsrechte des Bundes mit Bundestag bestimmungsgemäß.
Politische Reaktionen über die Parteigrenzen hinweg
Abgeordnete aus den Bundestagsparteien betonten, dass die verfassungsrechtlichen Instrumente zur Verfügung stehen, um die demokratischen Institutionen zu schützen, falls ein AfD-geführtes Kabinett die Anwendung von Bundesrecht verweigert, etwa bei gesetzlichen Asylverteilungsquoten. Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki stellte ebenfalls fest, dass eine AfD-Regierung an Bundesrecht gebunden sei, das per Bundeszwang durchsetzbar ist. Frei charakterisierte die Maßnahme als einen letzten Ausweg, den der Weg nutzen müsse, um die verfassungsrechtliche Ordnung zu schützen.
Sollte die Lage es erfordern, setzen wir natürlich das Grundgesetz durch und nutzen alle verfügbaren Instrumente. Die Institutionen unseres Staates haben genau das zu gewährleisten. Wir sind eine wehrhafte Demokratie.
Frei äußerte sich auch zur schlechten Leistung der CDU in Sachsen-Anhalt und bezeichnete das Ergebnis als vernichtend, wobei die AfD bei den Gemeindewahlen 2024 bereits landesweit den ersten Platz belegte und die CDU bei der Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt rund 19 % erreichte.


