
Deutschland erhält ersten F-35A-Tarnkappenjäger bei Übergabezeremonie in Texas
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat am Freitag im Lockheed-Martin-Werk in Fort Worth den ersten F-35A-Tarnkappenjäger der Luftwaffe in Empfang genommen. Damit beginnt die Beschaffung von 35 Maschinen im Wert von zehn Milliarden Euro.
Übergabezeremonie in Texas
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius nahm am Freitag an der offiziellen Vorstellung des ersten F-35A Lightning II Tarnkappenjägers der deutschen Luftwaffe im Lockheed-Martin-Werk in Fort Worth teil. Der Houston Saengerbund eröffnete die Zeremonie mit dem Singen der deutschen und amerikanischen Nationalhymnen, bevor ein schwarzer Vorhang fiel und das Flugzeug in schwarzer, roter und goldener Bühneneleuchtung enthüllte. OJ Sanchez, Präsident von Lockheed Martin Aeronautics, wandte sich an die Delegation deutscher Abgeordneter und Rüstungsexperten, während Nebelmaschinen den Hangar füllten. Pistorius eröffnete seine Rede mit den Worten „Danke für die Gänsehaut“ und bezeichnete die Übergabe als Beweis für die Stärke der transatlantischen Partnerschaft. Die Präsentation schloss einen viertägigen Besuch in den USA ab, nachdem am Dienstag nahe Washington bilaterale Verteidigungsgespräche mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth stattgefunden hatten.
Für die Luftwaffe beginnt ab sofort eine neue Ära: Der neue Kampfjet F-35A ist das modernste Kampfflugzeug der Welt.
Rolle der nuklearen Teilhabe und Flottenersatz
Das Beschaffungsprojekt wurde unter der ehemaligen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht initiiert, die im Dezember 2022 nach der Invasion der Ukraine die erste Absichtserklärung unterzeichnete. Deutschland stellt zehn Milliarden Euro aus seinem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Beschaffung von 35 F-35A-Jets bereit. Die Flugzeuge werden die in den 1970er Jahren entwickelte Panavia-Tornado-Flotte ersetzen, die aufgrund von Ermüdungserscheinungen der Zellen bis Ende des Jahrzehnts ausgemustert werden soll. Die Hauptaufgabe der Flotte ist die Teilnahme Deutschlands an der nuklearen Teilhabe der NATO, einem seit 1958 bestehenden Rahmen, der deutschen Flugzeugen den Abwurf von in Deutschland gelagerten US-amerikanischen thermonuklearen B61-Freifallbomben zuweist. Ministeriumsbeamte erklärten, dass die Tarnkappenjets auch Luftabwehrunterdrückung, Boden- und Seeangriffe sowie tiefe Präzisionsschläge durchführen werden.
- Deutschland unterzeichnet erste Absichtserklärung zum Kauf von 35 F-35A-Kampfjets
- Lockheed Martin stellt ersten deutschen F-35A in Fort Worth vor
- Flug- und Technikerausbildung der Bundeswehr beginnt in Arkansas
- Auslieferung der ersten sechs Flugzeuge durch Lockheed Martin geplant
- Erste einsatzbereite F-35A-Jets sollen am Fliegerhorst Büchel eintreffen
- Auslieferung aller 35 Flugzeuge soll abgeschlossen sein
Lieferplan und Stationierungsinfrastruktur
Lockheed Martin wird die ersten sechs Flugzeuge vor Ende 2026 ausliefern, während derzeit zehn deutsche Rümpfe in Fort Worth montiert werden. Die ersten acht Jets bleiben in den USA, um die Flugausbildung zu unterstützen. Die Ausbildung der deutschen Piloten und Techniker soll am 10. Dezember 2026 auf der Ebbing Air National Guard Base in Arkansas beginnen. Deutschland gibt zwei Milliarden Euro für den Umbau des Fliegerhorstes Büchel in Rheinland-Pfalz aus, wobei die Kosten aufgrund der zwingenden technischen Sicherheitsanforderungen der USA über den ursprünglichen Schätzungen liegen. Die ersten einsatzbereiten Flugzeuge werden Ende 2027 in Büchel eintreffen, die Auslieferung aller 35 Maschinen soll 2029 abgeschlossen sein.
- Gesamtbestellung
- 35 Flugzeuge
- in Fort Worth montiert
- 10 Flugzeuge
- in den USA für Ausbildung verbleibend
- 8 Flugzeuge
- Auslieferung bis Ende 2026 geplant
- 6 Flugzeuge
Industrielle Zusammenarbeit und Einsatzbereitschaft
Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall fertigt in Deutschland Mittelrumpfsektionen für das Programm. Lockheed Martin hat eine weltweite Produktionsrate von 156 Flugzeugen pro Jahr und zählt 19 Kundenländer, darunter Großbritannien, Polen, die Schweiz und die Niederlande. Der Hersteller schätzt, dass bis 2035 etwa 700 F-35-Kampfflugzeuge in Europa im Einsatz sein werden. Die Produktionskosten liegen je nach Variante zwischen 82,5 und 109 Millionen Dollar (71,5 bis 95 Millionen Euro) pro Flugzeug. Als Reaktion auf Berichte des US Government Accountability Office, die eine Einsatzbereitschaft der amerikanischen F-35 von 28 Prozent ergaben, kaufte Deutschland ein umfangreiches Wartungspaket. Pistorius wies Bedenken hinsichtlich der Abhängigkeit von US-Verteidigungshardware zurück.


