
Deutschland errichtet milliardenschweren Marinestützpunkt in Emden für erweiterte Nordsee-Einsätze
Verteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies unterzeichneten eine Vereinbarung zum Bau eines 750 Hektar großen Marinestützpunkts in Emden bis Anfang der 2030er Jahre, der Liegeplätze für 27 Schiffe schaffen soll.
Absichtserklärung in Emden unterzeichnet
Der deutsche Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies unterzeichneten am Montag, 5. Oktober 2026, eine Absichtserklärung zum Bau eines Marinestützpunkts in der Hafenstadt Emden. Die Ankündigung erfolgte am Schöpfwerk Knock auf dem Rysumer Nacken an der Emsmündung. Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry, Inspekteur der Deutschen Marine, und Horst Jahnke, Erster Stadtrat von Emden, nahmen neben den Landes- und Bundesvertretern an der Veranstaltung teil. Die Initiative erfordert eine milliardenschwere Investition und soll bis Anfang der 2030er Jahre abgeschlossen sein. Die Entscheidung stellt die offizielle Marinepräsenz am ostfriesischen Standort nach fast 30 Jahren Abwesenheit wieder her.
Geplante Infrastruktur und Liegeplatzkapazität
Der geplante Marinestützpunkt umfasst 750 Hektar Land- und Wasserfläche und soll Marineoperationen sowie Unterstützungsdienste beherbergen. Der operative Bedarf umfasst Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensuchboote und zehn Schlepper. Langfristige Personalplanungen sehen die Schaffung von bis zu 2.000 Dienstposten für Militär- und Zivilpersonal vor. Die Deutsche Marine zählt derzeit rund 16.000 Menschen, was laut Pistorius die kleinste Streitkraft in der Geschichte der Bundeswehr ist, obwohl die Einsatzzaufgaben in internationalen Gewässern ausgeweitet wurden.
- Minensuchboote
- 10 Liegeplätze
- Schlepper
- 10 Liegeplätze
- Fregatten
- 7 Liegeplätze
Strategische Positionierung in der Nordsee
Bis zu dieser Entscheidung war Wilhelmshaven mit dem Marinestützpunkt Heppenser Groden Deutschlands einziger Marinehafen an der Nordseeküste. Die Anlage in Wilhelmshaven dient als Hauptquartier der Einsatzflottille 2 und beherbergt Fregatten, Versorgungstanker, Versorgungsschiffe, ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum. Verteidigungsbeamte prüften alternative Küstenstandorte, darunter Bremerhaven, bevor sie sich wegen der verfügbaren Flächen und des Zugangs zum Nordatlantik für Emden entschieden. Der Standort bietet Routen zur Sicherung der Gewässer zwischen Norwegen, Island und dem Vereinigten Königreich gegen russische U-Boot-Operationen und liegt zugleich außerhalb der Wirkungsreichweite russischer Mittelstreckenraketen.
Das macht uns im Ernstfall schwerer berechenbar und erweitert unsere Handlungsoptionen. Darauf kommt es letztlich an.
Logistiknetz und Reaktion der Hafenwirtschaft
Das Emden-Projekt ergänzt weitere militärische Logistikmodernisierungen entlang der deutschen Nordküste. Am Wochenende vor der Emden-Ankündigung vereinbarten die Bundesregierung, das Land Bremen und BLG Logistics die Einrichtung eines militärischen Logistikzentrums namens Deployment Hub Bremerhaven 31. Die Bundesförderung für den Standort Bremerhaven umfasst 1,35 Milliarden Euro, um Fahrzeuge, Treibstoff, Ausrüstung und Transiteinheiten für alliierte Streitkräfte bereitzustellen. Florian Keisinger, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe, begrüßte die Entscheidungen für Emden und Bremerhaven als Schritte zur Stärkung der deutschen Häfen innerhalb der NATO.
Der neue Marinehafen in Emden ist daher weit mehr als eine wichtige Standortentscheidung. Er ist eine Investition in die Sicherheit unseres Landes und unsere Handlungsfähigkeit innerhalb der NATO.
- Bundes- und Bremer Behörden vereinbaren die Einrichtung des Deployment Hub Bremerhaven 31
- Boris Pistorius und Olaf Lies unterzeichnen die Absichtserklärung für den Marinestützpunkt Emden
- Voraussichtliche Betriebsbereitschaft der neuen Marineanlage in Emden


