Deutsche Asylschutzquote erreicht 47,4 % bei sinkenden Erstanträgen
Die bereinigte Asylschutzquote Deutschlands stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 47,4 %, gegenüber 37,5 % im Jahr 2025, während die Erstanträge auf Asyl auf knapp über 39.600 sanken.
Steigende Schutzquote bei sinkenden Anträgen
Der Anteil der Asylsuchenden, die in Deutschland einen legalen Status erhielten, stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026, obwohl die Gesamtzahl der Neuanträge zurückging. Nach Angaben der deutschen Bundesregierung erreichte die bereinigte Schutzquote des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im ersten Halbjahr 2026 47,4 %. Das ist ein Anstieg gegenüber der bereinigten Schutzquote von 37,5 % im gesamten Kalenderjahr 2025. Die bereinigte Quote bereinigt um formelle Verfahrensergebnisse, bei denen die Behörden die sachlichen Gründe eines Asylantrags nicht prüfen, wie etwa Fälle, in denen die Zuständigkeit nach den Dublin-Regeln bei einem anderen EU-Mitgliedstaat liegt. Gleichzeitig sanken die Erstanträge auf Asyl in Deutschland von rund 72.800 im ersten Halbjahr 2025 auf über 39.600 im gleichen Zeitraum 2026.
- 2025
- 37.5 %
- 1. Halbjahr 2026
- 47.4 %
Entscheidungen nach Herkunftsländern
Afghanistan war im ersten Halbjahr 2026 das wichtigste Herkunftsland für Asylantragsteller in Deutschland. Asylbewerber aus Afghanistan erhielten in diesem Sechsmonatszeitraum eine bereinigte Schutzquote von 89,3 %. Speziell für afghanische Frauen gewährten die deutschen Migrationsbehörden in fast 95 % aller entschiedenen Fälle Schutzstatus. Diese hohe Quote folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2024, das entschied, dass Frauen, die aus Afghanistan fliehen, aufgrund der systematischen Unterdrückung durch die 2021 an die Macht gekommene Taliban-Regierung grundsätzlich Anspruch auf Flüchtlingsstatus haben. Für Antragsteller aus dem Iran lag die bereinigte Schutzquote im ersten Halbjahr 2026 bei 42,2 %. Darüber hinaus gingen die Flüchtlingsankünfte aus Syrien nach dem Machtwechsel in Damaskus zurück, während Vertriebene aus der Ukraine weiterhin von den Standard-Asylverfahren gemäß der EU-Richtlinie über vorübergehenden Schutz ausgenommen sind.
- Iran
- 42.2 %
- Gesamtdurchschnitt
- 47.4 %
- Afghanistan
- 89.3 %
Auswirkungen der Familienschutzregelungen
Familienbasierte Statusanträge machten einen großen Teil aller erfolgreichen Asylentscheidungen in Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 aus. Die Bundesbehörden gewährten im ersten Halbjahr in 21.195 Einzelfällen Schutzstatus auf der Grundlage des Familienschutzes. Diese Summe entsprach 45,6 % aller positiven Entscheidungen der Behörde, eine Zahl, die auch Fälle umfasst, in denen formelle Abschiebungsverbote erlassen wurden. Die Statistik wurde in einer offiziellen Regierungsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Bundestag veröffentlicht.
Geringe Nutzung von Strafmaßnahmen
Die Regierungsveröffentlichung überprüfte auch die Auswirkungen von Strafvorschriften, die im Februar 2024 gegen Personen erlassen wurden, die im Asylverfahren falsche oder unvollständige Angaben machen. Seit Inkrafttreten der Regelung hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge insgesamt drei Strafanzeigen erstattet. Eine dieser drei Anzeigen wurde von der Staatsanwaltschaft wegen Geringfügigkeit und fehlendem öffentlichen Interesse eingestellt. Clara Bünger, flüchtlingspolitische Sprecherin der Linksfraktion, kommentierte die praktischen Ergebnisse der rechtlichen Maßnahmen.
Viele dieser Maßnahmen erweisen sich in der Praxis als wenig hilfreich.


