Deutschland schiebt im ersten Halbjahr 2026 9.663 Menschen ab, ein Rückgang von 11.800; AfD kritisiert 'Desaster'
Deutschland hat zwischen Januar und Juni 2026 9.663 Menschen abgeschoben, ein Rückgang von mehr als 11.800 im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie aus Zahlen des Innenministeriums hervorgeht. Die oppositionelle AfD bezeichnete die Migrationspolitik als 'Desaster', während Innenminister Alexander Dobrindt darauf beharrte, dass der Kurs der Regierung wirke.
Nationale Zahlen
Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 9.663 Menschen abgeschoben, wie aus Daten des Innenministeriums hervorgeht, die auf eine parlamentarische Anfrage des AfD-Abgeordneten Leif-Erik Holm veröffentlicht wurden. Das ist ein Rückgang von mehr als 11.800 Abschiebungen im gleichen Zeitraum 2025, liegt aber weiterhin über den rund 9.500, die im ersten Halbjahr 2024 verzeichnet wurden. Der Jahrestrend war aufwärtsgerichtet: 22.800 Abschiebungen im Jahr 2025, mehr als 20.000 im Jahr 2024, etwa 16.400 im Jahr 2023 und knapp 13.000 im Jahr 2022.
- 2024 1. HJ
- 9500
- 2025 1. HJ
- 11800
- 2026 1. HJ
- 9663
Neben Zwangsrückführungen verließen 9.276 Menschen in den ersten sechs Monaten 2026 freiwillig das Land mit Unterstützung des Bundes-Länder-Programms REAG/GARP. Weitere Ausreisen wurden über einzelne Landesprogramme finanziert, so das Ministerium. Der häufigste Grund für gescheiterte Abschiebungen ist laut AfD, dass ausreisepflichtige Personen untertauchen.
Mecklenburg-Vorpommern
Das nördliche Bundesland Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete einen Rückgang der Abschiebungen um fast die Hälfte: 79 Menschen wurden zwischen Januar und Juni 2026 auf Anordnung des Landes abgeschoben, ein Rückgang von 152 im ersten Halbjahr 2025. Im gesamten Jahr 2025 verzeichnete das Land knapp über 300 Abschiebungen, verglichen mit 390 im Jahr 2024.
- 2025 1. HJ
- 152
- 2026 1. HJ
- 79
Auch die Asylanträge im Land gingen stark zurück. Das Innenministerium in Schwerin registrierte im ersten Halbjahr 2026 809 Erstanträge, ein Rückgang um rund 35 Prozent gegenüber 1.260 im gleichen Zeitraum 2025 und deutlich unter den 2.464 im ersten Halbjahr 2024. Das Ministerium führte veränderte Bedingungen in Herkunftsländern wie Syrien und Afghanistan sowie strengere Grenzkontrollen und Zurückweisungen als mögliche Gründe für den Rückgang an. Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind in diesen Zahlen nicht enthalten.
- 2024 1. HJ
- 2464
- 2025 1. HJ
- 1260
- 2026 1. HJ
- 809
Politische Reaktionen
Der AfD-Abgeordnete Leif-Erik Holm, der Co-Landesvorsitzender seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern ist und bei der Landtagswahl im September die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) herausfordert, kritisierte die Zahlen scharf.
Die ganze Migrationspolitik ist ein Desaster, im Bund wie im Land.
Er fügte hinzu, dass die immer wieder versprochenen Abschiebeoffensiven 'reine Rohrkrepierer' seien und sich die Sicherheitslage verschlechtere. Holm argumentierte, dass die Zahlen in MV im Vergleich zu früheren Halbjahren fast halbiert seien, und forderte Lösungen auf Landesebene. Die AfD will eine Landesausreiseeinrichtung und ein eigenes Abschiebehaftzentrum für Migranten, die Straftaten begangen haben, einrichten, und ihr Wahlprogramm schlägt eine separate Grenz- und Rückführungspolizeieinheit innerhalb der Landespolizei vor.
Reaktion der Regierung
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) verteidigte die Bilanz der Regierung und sagte diese Woche, die Migrationswende werde vorangetrieben.
Die Migrationswende wird mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante vorangetrieben.
Deutschland hat kürzlich die Abschiebungen nach Afghanistan wieder aufgenommen, ein Schritt, der Kritik an der Zusammenarbeit mit den regierenden Taliban hervorrief, die solche Rückführungen ermöglicht.


