Kriminalität in Cottbus sinkt im videoüberwachten Stadtzentrum, während sie in angrenzenden Gebieten steigt
Ein Bericht des Brandenburger Innenministeriums zeigt, dass die Zahl der Straftaten auf dem Vorplatz der Cottbuser Stadthalle im Jahr 2025 auf 203 sank, während in den umliegenden Gebieten ein Anstieg um 90 Delikte verzeichnet wurde.
Rückgang in der überwachten Zone
Die Zahl der in der videoüberwachten Innenstadt von Cottbus registrierten Straftaten ist im Jahr 2025 gesunken, wie aus Daten des Brandenburger Innenministeriums hervorgeht. Offiziellen Zahlen zufolge registrierte die Polizei im Jahr 2025 auf dem Vorplatz der Stadthalle, dem wichtigsten von Überwachungskameras erfassten öffentlichen Platz, 203 Straftaten. Diese Zahl setzt einen kontinuierlichen Abwärtstrend der letzten Jahre fort, nachdem es 2023 noch 263 und 2024 noch 234 Straftaten waren. In der gesamten Stadt Cottbus entwickelte sich die Kriminalität anders: Sie stieg auf rund 10.800 registrierte Straftaten im Jahr 2025, was einem Anstieg von etwa 300 Delikten im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
- 2023
- 263 Straftaten
- 2024
- 234 Straftaten
- 2025
- 203 Straftaten
Mögliche Verdrängung von Straftaten
Während die Kriminalität im Kamerabereich zurückging, war in den unmittelbar angrenzenden Vierteln ein messbarer Anstieg zu verzeichnen. Die Polizei registrierte im Jahr 2025 in den an die Stadthalle angrenzenden Gebieten 528 Straftaten, ein Anstieg um 90 Fälle im Vergleich zum vorangegangenen Zwölfmonatszeitraum. Das Landesministerium bewertete diese geografische Divergenz in seiner offiziellen Einschätzung des kommunalen Sicherheitsumfelds.
Der Anstieg in den angrenzenden und anderen Bereichen deutet möglicherweise auf einen Verdrängungseffekt hin.
Trotz des möglichen Übergreifens auf benachbarte Straßen kam der Bericht zu dem Schluss, dass die Kameraüberwachung ein wirksames polizeiliches Instrument bleibt. Das Ministerium empfahl den kommunalen und Landesbehörden, die bestehende Kamerainfrastruktur auf dem Vorplatz der Stadthalle beizubehalten und bezeichnete sie als eine etablierte und bewährte operative Maßnahme.
Reaktion auf rechtsextreme Vorfälle
Die Veröffentlichung der Überwachungsdaten erfolgt im Anschluss an Sicherheitsmaßnahmen, die Ende April von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) eingeführt wurden. Redmann kündigte den Einsatz zusätzlichen Polizeischutzes, die Bildung einer speziellen Ermittlungseinheit und den Ausbau der Videoüberwachung als Reaktion auf eine Reihe rechtsextremer Straftaten in Cottbus an. Redmann bezeichnete die erweiterte Überwachung als Abschreckungsmaßnahme und warnte gleichzeitig vor der schnellen Radikalisierung junger Menschen über Online-Netzwerke.
Die Sicherheitsbedenken verschärften sich im April, nachdem Täter eine antisemitische Parole und ein schwarzes Hakenkreuz auf die in der Fußgängerzone gelegene Synagoge schmierten. Im gleichen Zeitraum warfen unbekannte Angreifer einen Leuchtkörper in den Flur eines alternativen Wohnprojekts. Auch gegen das Privathaus eines Studentenpfarrers, der öffentlich gegen Rechtsextremismus in der Region kämpft, wurden rechtsextreme Drohungen ausgesprochen.
- René Wilke spricht auf der städtischen Sicherheitskonferenz über Überwachungspolitik
- Rechtsextreme Vorfälle zielen auf örtliche Synagoge, Wohnprojekt und Pfarrer ab
- Innenminister Jan Redmann kündigt neue Ermittlungseinheit und Kamerausbau an
- Brandenburger Innenministerium veröffentlicht Kriminalitätsbericht 2025 für überwachte Zonen
Gesetzesreformen und kommunale Strategie
Politische Diskussionen über den Kameraeinsatz reichen bis zu früheren Beratungen unter Redmanns Vorgänger René Wilke (SPD) zurück. In einer Rede nach einer zu Beginn des Jahres abgehaltenen regionalen Sicherheitskonferenz äußerte sich Wilke zu den öffentlichen Bedenken hinsichtlich der städtischen Sicherheit und der Grenzen der Überwachung.
Aber es gibt Orte in sehr vielen Städten, nicht nur in unserem Bundesland, sondern auch in anderen, an denen sich Menschen unsicher fühlen.
Wilke erklärte damals, die Behörden könnten ein allgegenwärtiges Gefühl der Unsicherheit nicht akzeptieren, und argumentierte, dass eine gezielte Videoüberwachung Teil einer umfassenderen Sicherheitslösung sein könne. Die Landesgesetzgeber bereiten Änderungen des Ordnungsbehördengesetzes vor, um den Einsatz moderner Überwachungstechnologie an ausgewiesenen gefährdeten Orten zu ermöglichen.


