Kurz gefasst
Der Richter am Obersten Gerichtshof Pablo Llarena bestätigte nach einem jüngsten Urteil des Verfassungsgerichts, dass das Amnestiegesetz den Vorwurf der Veruntreuung abdeckt, und hob die Haftbefehle gegen Toni Comín und Carles Puigdemont auf.
Am Donnerstag, 22. Oktober, beschwor Comín im Congreso vor der Junta Electoral Central die spanische Verfassung – der Schritt, der nötig ist, um den Junts-Sitz einzunehmen, den er bei den Europawahlen im Juni 2024 gewonnen hatte.
Comín will am Sonntag, 25. Oktober, zu Fuß nach Katalonien einreisen, wobei El Mundo den 24. Oktober als Datum nennt und die Quellen die Route unterschiedlich beschreiben.
Carles Puigdemont ist der einzige der Spitzenpolitiker, die in Belgien blieben und sich noch außerhalb Spaniens aufhalten; sein Umfeld sagt, er werde nicht vor der Wahl am 29. November zurückkehren.
- 22.10.Angesetzte Sitzung der Junta Electoral Central im Congreso, bei der er die Verfassung beschwört
- 25.10.Geplante Rückkehr zu Fuß nach Katalonien (El Mundo nennt den 24. Oktober)
- 29.11.Wahl; Puigdemonts Umfeld sagt, er werde nicht vorher zurückkehren
Eid in Madrid
Toni Comín, ein früherer katalanischer Gesundheitsminister, der seit 2017 in Belgien lebte, begab sich am Donnerstag, 22. Oktober, zur Junta Electoral Central (JEC). Die Behörde tagt im Congreso de los Diputados in Madrid. Dort beschwor er die spanische Verfassung, was das Gesetz verlangt, bevor ein Mitglied des Europäischen Parlaments seinen Sitz einnehmen kann, und nahm seine Akkreditierung als Junts-Abgeordneter entgegen. Er sagte, er tue dies aus rechtlicher Pflicht, aus Loyalität gegenüber der Bevölkerung Kataloniens und aufgrund des Mandats vom 1. Oktober 2017, dem Datum des illegalen Unabhängigkeitsreferendums. Begleitet wurde er von seinem Anwalt Gonzalo Boye und dem Junts-Abgeordneten Josep Pagès.
Gerichtsurteil ebnet den Weg
Comín gewann bei den Europawahlen im Juni 2024 den einzigen Sitz von Junts, schloss die erforderlichen Schritte aber nie ab, weil ein Haftbefehl bei seiner Ankunft in Spanien zu seiner Festnahme geführt hätte. Seither blieb der Sitz vakant, obwohl er in der Wahlperiode 2019 bis 2024 als Abgeordneter tätig war. In den Tagen vor dem 22. Oktober bestätigte der Richter am Obersten Gerichtshof Pablo Llarena, dass das Amnestiegesetz auf den Vorwurf der Veruntreuung Anwendung findet, und folgte damit einem jüngsten Urteil des Verfassungsgerichts. Llarena hob zudem die Haftbefehle gegen Comín und Carles Puigdemont auf. Lluís Puig kehrte am Mittwoch, 21. Oktober, zurück und war damit der erste von drei Spitzenpolitikern, die sich außerhalb Spaniens aufgehalten hatten.
Grenzübertritt und der Halt in Madrid
Comín überquerte am Mittwoch, 21. Oktober, mit dem Auto die französische Grenze – sein erster Aufenthalt in Spanien seit neun Jahren. Am Donnerstagmorgen ging er zu einer Polizeistation im Congreso, um seinen abgelaufenen spanischen Personalausweis zu erneuern. Die JEC hatte ihn für 12:00 Uhr in den Saal Sert geladen, und er sprach danach vor Journalisten, ohne Fragen zu beantworten. Die Nacht verbrachte er außerhalb Madrids bei einem Freund. Die Hauptstadt betrachtet er weiterhin als ausländisches Territorium, gleichrangig mit Rom, Paris oder Amsterdam; zum Congreso wurde er von seiner Schwester begleitet.
Exil und die geplante Rückkehr
Comín sagte, die Reise nach Madrid beende sein Exil nicht; als beendet betrachte er es erst, wenn er am Sonntag wieder in Katalonien sei. Die Angaben zum Datum gehen auseinander: Die meisten nennen Sonntag, 25. Oktober, El Mundo den 24. Oktober. Er will die Grenze zu Fuß überqueren, und die Berichte über die Route weichen voneinander ab: El País beschreibt einen Weg am Meer zwischen Frankreich und der Region Girona, LaVanguardia einen Gebirgspass, dessen Verlauf er nicht nennen wollte. Nach dem Übertritt will er seine Mutter und weitere Angehörige besuchen, und die Parteiführung von Junts soll ihn am Montag in der Parteizentrale empfangen. Im Gespräch mit Rac1 nach dem Grenzübertritt sagte er, der Moment habe ihm körperlich das Gefühl gegeben, gewonnen zu haben, und er bezeichnete die Vorladung nach Madrid als Wutanfall eines schlechten Verlierers. Zudem sagte er, der Staat habe neun Jahre lang strafrechtliche, politische und geheimdienstliche Mittel gegen die Unabhängigkeitsbewegung eingesetzt.
Hintergrund und offene Fragen
Comín wurde 1971 in Barcelona als Sohn des antifranquistischen Kommunisten Alfonso Comín geboren. Sein politischer Weg führte durch mehrere Parteien, von den Sozialisten, für die er im Parlament von Katalonien saß, über die ERC bis zu Junts. Im Europäischen Parlament läuft ein internes Verfahren, nachdem eine ehemalige Mitarbeiterin sexuelle Belästigung gegen ihn angezeigt hat; Comín hat die Vorwürfe als vollständig falsch bezeichnet.
Puigdemont und der Wahlkampf
Carles Puigdemont ist nun der einzige der Spitzenpolitiker, die nach 2017 in Belgien blieben und nicht zurückgekehrt sind. Puigdemont kann seit der Aufhebung des Haftbefehls ohne Verhaftungsrisiko zurückkehren, doch sein Umfeld sagt, er werde nicht vor der Wahl am 29. November zurückkommen, weil er zuvor seinen juristischen Weg vollständig geklärt haben wolle. Die Cortes sind aufgelöst, der Vorwahlkampf für die Wahl am 29. November läuft. Comíns Rückkehr zu Fuß am Sonntag ist der nächste geplante Schritt.