
Spanische Wettbewerbsbehörde ermittelt gegen sechs Großbanken wegen Hypothekenpreissignalen
Die Comisión Nacional de los Mercados y la Competencia hat Verfahren gegen Santander, BBVA, CaixaBank, Sabadell, Bankinter und Unicaja eingeleitet, nachdem Äußerungen von Führungskräften zu Festzinshypothekenpreisen es Wettbewerbern ermöglicht haben könnten, die Geschäftsstrategie vorherzusehen.
Die Untersuchung
Die spanische Wettbewerbsbehörde CNMC gab am Dienstag die Eröffnung eines Sanktionsverfahrens gegen die sechs größten spanischen Banken, alle Mitglieder des IBEX 35, bekannt. Die Regulierungsbehörde prüft Aussagen von Spitzenmanagern, die eine wettbewerbswidrige Koordinierung auf dem Markt für Festzinshypotheken dargestellt haben könnten.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Frage, ob die öffentlichen Hinweise der Banken auf die künftige Geschäftspolitik, insbesondere in Bezug auf die Festzinshypotheken, gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen haben. Die CNMC betonte, dass die Verfahrenseinleitung keine Vorentscheidung über den endgültigen Ausgang darstellt und ein Beschluss bis zu 24 Monate dauern kann.Solche Aussagen hätten es den Unternehmen der Branche ermöglicht, das künftige Verhalten ihrer Wettbewerber vorherzusehen.
Ein umkämpfter Hypothekenmarkt
Seit Monaten herrscht auf dem spanischen Hypothekenmarkt ein intensiver Preiswettbewerb, ein sogenannter „Hypothekenkrieg“, der die Festzinsangebote unter die Renditen von Staatsanleihen und Interbankenzinsen drückte. Branchenführer beklagten offen, dass die resultierenden Kreditportfolios unrentabel seien und zu künftigen finanziellen Belastungen führen könnten. Das Vorgehen der CNMC erfolgt vor diesem Hintergrund und signalisiert regulatorische Bedenken, dass die öffentliche Artikulation von Unmut über die Preisgestaltung als Alternative zu formeller Absprache gedient haben könnte.
Äußerungen von Bankern unter der Lupe
Während die meisten großen Banker ihr Unbehagen über die Zinsdynamik äußerten, gingen die Positionen auseinander. Bankinter-CEO Gloria Ortiz behielt eine kritische Haltung bei, und die Bank reduzierte ihre Neuabschlüsse von Hypotheken im ersten Quartal um 40%. Im Gegensatz dazu entschied sich Santander-CEO Héctor Grisi für eine Ausweitung des Geschäfts, und CaixaBank-CEO Gonzalo Gortázar zeigte sich optimistisch. Die CNMC prüft nun, ob selbst diese unterschiedlichen Signale, indem sie künftige Absichten offenbarten, das Marktverhalten in einem konzentrierten Sektor indirekt koordinierten.
Führungswechsel bei der CNMC
Die Untersuchung fällt in eine Zeit des Führungswechsels. Die amtierende CNMC-Präsidentin Cani Fernández befindet sich in ihrer letzten Amtswoche, und die Regierung hat dem Parlament noch keinen offiziellen Nachfolger vorgeschlagen. Von La Razón zitierte Quellen verweisen auf Mariano Bacigalupo, einen ehemaligen CNMC-Beamten, der jetzt bei der Wertpapiermarktaufsicht CNMV arbeitet, als den führenden Kandidaten. Seine mögliche Ernennung hat Kritik der Opposition hervorgerufen, die ihm aufgrund seiner Ehefrau, der früheren Ministerin Teresa Ribera, politische Verbindungen vorwirft.
Nächste Schritte
Die CNMC hat bis zu zwei Jahre Zeit für die Ermittlungen und kann gegebenenfalls Sanktionen gegen die sechs Banken verhängen, die einen beherrschenden Anteil am spanischen Hypothekenmarkt halten. Das Verfahren wird prüfen, ob die Aussagen einzeln oder gemeinsam eine aufeinander abgestimmte Verhaltensweise im Sinne von Artikel 1 des spanischen Wettbewerbsgesetzes und Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union darstellten. Einstweilige Maßnahmen wurden nicht angekündigt.


