
Charli xcx tauscht Club-Beats gegen verzerrte Gitarren auf 'Music, Fashion, Film', einer 30-minütigen Sezierung des Ruhms
Die 11-Track-LP, produziert mit A.G. Cook und Finn Keane, tauscht Hyperpop gegen verzerrten Rock und ausdruckslosen Gesang – gemischte, aber neugierige Kritiken.
Eine scharfe Abkehr von Brat
Charlis siebtes Studioalbum erscheint zwei Jahre nach dem kulturshifttenden Brat, das die britische Musikerin zum Mainstream-Popstar machte. Die neue Platte, Music, Fashion, Film, lehnt bewusst den glänzenden Elektropop ihres Vorgängers ab. Stattdessen setzt sie auf verzerrte Gitarren, einfache Beats und oft unbearbeiteten Gesang. Die erste Single „Rock Music“ gab mit ihrer krächzenden Gitarre, Beckenschlägen und Charlis ausdruckslosem Vortrag der Zeile den Ton an, die für Diskussionen sorgte: „I think the dance floor is dead, so now we're making rock music.“ Der knapp zweiminütige Track ließ die Hörer fragen, ob das ganze Album diesem Muster folgen würde.
Ich glaube, die Tanzfläche ist tot, also machen wir jetzt Rockmusik.
Der Sound: Gitarren und Deadpan
Über 11 Tracks und 30 Minuten hinweg erschaffen Charli und ihre langjährigen Mitarbeiter A.G. Cook und Finn Keane einen Sound, der an Velvet Underground, Wire und Blur erinnert. Der Beginn von „Yeah“ ruft das Riff von Blurs „Song 2“ in Erinnerung, während die Mitte von „Card Declined“ minimalistischen Punk kanalisiert. Charlis Gesang ist oft klar und konversationell, eine Abkehr von ihrem charakteristischen Autotune. Auf „Rock Music“ ist ihr sarkastisches „Wow.“ laut Variety der lustigste Moment des Albums. Die Produktion schichtet glitchige digitale Geräusche über verzerrte Gitarren, wie beim herausragenden „Card Declined,“ das als trockener Witz darüber beginnt, durch seinen Besitz definiert zu werden, bevor es zu einer kurzen Träumerei wird.
Themen: Ruhm und Künstlichkeit
Wo Brat Ängste um weibliche Beziehungen ausgrub, wendet Music, Fashion, Film den Blick der Maschinerie des Starruhms zu. „SS26“ spielt mit der Idee, ein Bad-Girl-Image aufrechtzuerhalten, während die Welt untergeht, während „Camera“ den Akt des Performens vor der Linse untersucht. Der Albumtitel bezieht sich auf Charlis jüngste Ausflüge ins Schauspiel und in die Mode, und das Cover zeigt ein Gruppenporträt von John Cale, Marc Jacobs und Martin Scorsese. In „I'm Afraid“ offenbart sie Ängste vor der Heirat mit dem Schlagzeuger von The 1975, George Daniel, über tiefe, knurrende Gitarrennoten. „Magic Metal Montana“ ist ein platonischer Liebessong für Cook, der seinen Haarschnitt und seine Fähigkeit lobt, ihr musikalisches Denken zu lesen.
Kritische Resonanz: Gemischt, aber neugierig
Die Kritiken sind geteilt. Rolling Stone nennt das Album „brilliant, eingängig, oft sehr lustig“ und einen scharfen Blick auf die Maschinerie des Ruhms. The Guardian beschreibt es als „rutschige Suche nach dem Selbst, die genauso hart trifft wie Brat.“ Aber die Financial Times hält es für ein „mageres Folgealbum“ und stellt fest, dass einige Tracks „stückelhaft“ wirken und die 30-minütige Spielzeit wenig Raum für Entwicklung lässt. Die AP hebt Charlis Rolle als „eine der großen Widersprecher des Pop“ hervor, während Variety das „messerscharfe“ Songwriting und die Kühnheit der Abkehr von Club-Hits lobt.
Der Rollout: Anti-Marketing und Rebranding
Charli bezeichnete die Veröffentlichung des Albums als Übung in „Anti-Marketing“, ein Konzept, das sie Anfang des Monats auf X skizzierte. Der Rollout umfasste Clubnächte, glänzende Musikvideos und Profile, aber einige Fans begegneten ihrer Theoretisierung mit Sarkasmus. Die visuelle Identität des Albums ist ein bewusster Bruch mit Brats Acidgrün: Der Titel ist großgeschrieben, das Cover ist schwarz-weiß. Im Gespräch mit der British Vogue bekräftigte Charli, dass die Tanzfläche tot sei, und fügte hinzu: „Wir wissen, dass es Leute geben wird, die sich daran stören, aber das ist in Ordnung."
Ich glaube wirklich, dass Anti-Marketing bald zum Thema wird. Immer noch Marketing, aber nur ein anderer Ansatz, intimer, persönlicher, privat, eins zu eins. Weniger um die Projektion von Größe.

