Migranten stürmen Ceuta: mindestens 9 Tote, bis zu 20.000 Übertritte; Italien fordert Spaniens Schengen-Aussetzung
Tausende Migranten schwammen oder kletterten am Donnerstag von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta und überwältigten die Grenzkräfte. Mindestens neun Menschen ertranken, einige Berichte sprachen am Abend von bis zu 18 Toten, während Italien Spaniens Aussetzung aus dem Schengen-Raum forderte.
Der Grenzübertritt
Am Donnerstag durchbrachen Tausende Migranten die Grenze von Ceuta, einer spanischen Exklave an der marokkanischen Mittelmeerküste. Viele schwammen von den nahegelegenen marokkanischen Städten Fnideq und Belyounech aus mit aufblasbaren Schläuchen und kleinen Booten, während andere die Grenzzäune überkletterten. Die Guardia Civil war überfordert. Sprecher Rachid Sbihi sagte der AP, die Lage sei „komplettes Chaos“ und die Grenze sei „vollständig zusammengebrochen“.
Es ist komplettes Chaos. Genaue Zahlen sind unmöglich, aber Tausende Migranten überqueren die Grenze.
Die Schätzungen über die Zahl der Menschen, die am Donnerstag nach Ceuta gelangten, gingen stark auseinander. Der spanische öffentlich-rechtliche Sender TVE berichtete am Nachmittag von 2.000 bis 3.000, während die Zeitung El Mundo unter Berufung auf die örtliche Polizei von bis zu 20.000 sprach. Auch Reuters gab die niedrigere Spanne an. Die marokkanischen Sicherheitskräfte griffen nicht ein, um die Übertritte zu stoppen, wie spanische Medien berichteten.
Opfer
Mindestens neun Leichen wurden am Donnerstag aus dem Wasser geborgen, alle vermutlich beim Versuch der Überfahrt ertrunken. Am Abend war die Zahl gestiegen: El País berichtete von 18 Toten, De Standaard von 15. Die Behörden warnten, dass die Zahl weiter steigen könnte, während die Suchaktionen fortgesetzt wurden. Die Überfahrt ist gefährlich; im vergangenen Jahr starben mindestens 60 Menschen bei dem Versuch, Ceuta auf dem Seeweg zu erreichen.
Madrids Reaktion und EU-Angebot
Der Regionalpräsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, bezeichnete die Lage als „totale humanitäre und soziale Notlage“ und bat die Zentralregierung, den Notstand auszurufen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska lehnte ab, aber Madrid entsandte 60 Soldaten zur Unterstützung der überforderten örtlichen Polizei. Premierminister Pedro Sánchez wird am Freitag nach Ceuta reisen, um sich mit Sicherheitsbeamten zu treffen. Die Europäische Union signalisierte ihre Bereitschaft, Frontex-Grenzschützer zur Unterstützung zu entsenden.
Die Aufnahmezentren sind überlastet und gesättigt, es gibt keinen Platz für Neuankömmlinge.
Italien droht mit Schengen-Aussetzung
Der Zustrom löste eine scharfe Reaktion aus Rom aus. Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni schrieb auf X, sie stehe mit den zuständigen Behörden in Kontakt und sei bereit, „mit außerordentlichen Maßnahmen einzugreifen, um die Grenzen und die Sicherheit der Bürger zu schützen“. Außenminister Antonio Tajani forderte ausdrücklich die Suspendierung Spaniens aus dem Schengen-Raum und argumentierte, dass irreguläre und unkontrollierte Einwanderung eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstelle. Innerhalb des Schengen-Raums können in Ausnahmefällen vorübergehend wieder Grenzkontrollen eingeführt werden.
Irreguläre und unkontrollierte Einwanderung stellt eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar.
Was den Ansturm auslöste
Der plötzliche Anstieg folgt auf eine Entscheidung des spanischen Obersten Gerichtshofs Anfang Juli, wonach Migranten, die auf dem Seeweg nach Ceuta und Melilla abgefangen werden, nicht mehr summarisch zurückgewiesen werden dürfen, wie es das Sondergrenzregime für die Exklaven vorsah. Ein Sprecher der Guardia Civil sagte Reuters, die Übertritte seien seit dem Urteil nur ein Rinnsal gewesen, „aber heute ist es explodiert“. Die spanischen Behörden machten auch Schleusernetzwerke dafür verantwortlich, die die Gesetzesänderung ausnutzten. Ceuta und die Schwesterexklave Melilla sind die einzigen EU-Gebiete mit Landgrenzen auf dem afrikanischen Kontinent, was sie zu einem Magneten für Migranten macht, die nach Europa gelangen wollen.
- Oberster Gerichtshof entscheidet, dass auf See abgefangene Migranten nicht sofort zurückgewiesen werden dürfen.
- Etwa 1.500 Migranten erreichen Ceuta schwimmend oder über Zäune.
- Tausende stürmen Ceuta; Grenze bricht zusammen; mindestens 9 ertrinken.
- Zahl der Toten steigt auf 15-18; Spanien entsendet 60 Soldaten.
- Ministerpräsident Sánchez besucht Ceuta; Italien fordert Schengen-Aussetzung.


