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Film & Medien·vor 2 Std.

Molls 'Caso 137' nimmt französische Polizeigewalt unter die prozessuale Lupe

Dominik Moll kehrt mit einem strengen Prozedural-Thriller zurück, der von einem echten Fall einer Verletzung während der Gelbwesten-Proteste inspiriert ist, mit Léa Drucker in der Rolle einer internen Ermittlerin, die sich der institutionellen Verleugnung gegenübersieht.

Eine reale Verletzung beflügelt die Fiktion

Dominik Molls neuester Thriller 'Caso 137' greift auf einen tatsächlichen Vorfall während der Gelbwesten-Proteste zurück, die Paris erschütterten. Ende 2018 wurde ein junger Mann aus den Vororten bei chaotischen Straßenkämpfen von einem Gummigeschoss am Kopf getroffen und schwer verletzt. Der Film nimmt diesen Faden auf und übergibt ihn einer Ermittlerin der IGPN, der internen Ermittlungsabteilung der französischen Polizei. Die Zahl 137 ist die Fallnummer, und sie bleibt schnell nicht mehr nur eine Zahl.

Die Verbindung des Opfers zur Heimatstadt der Ermittlerin zieht die persönliche Geschichte in die berufliche Untersuchung hinein. Moll schrieb das präzise Drehbuch gemeinsam mit seinem häufigen Mitarbeiter Gilles Marchand, und gemeinsam bauen sie ein Puzzle widersprüchlicher Standpunkte um ein einziges, stark mediatisiertes Ereignis auf.

Die Perspektive der internen Ermittlungen

Léa Drucker spielt eine einsame Inspektorin, deren Aufgabe es ist, das Vorgehen der Bereitschaftspolizei zu untersuchen. Die Ermittlungen entfalten sich als eine kalte bürokratische Übung, komplett mit Verhörketten, die Risse in der institutionellen Rüstung offenlegen. Echtes Filmmaterial von den Pariser Protesten wird in die Fiktion eingewoben und vermischt die rohe Textur von Amateurvideo mit der mehrdeutigen Körnung digitaler Pixel. Moll nutzt diese visuelle Grenzzone, um Klang- und Formaträtsel durch die Sprache von Computern und Mobiltelefonen zu konstruieren.

Das Persönliche dringt in das Prozedurale ein. Die Beamtin ist von einem Polizisten getrennt, dessen neuer Partner die interne Ermittlungseinheit verabscheut. Ihr Sohn weigert sich, irgendjemanden wissen zu lassen, dass seine Eltern Polizisten sind. Je enger die Ermittlungen werden, desto mehr stellt sich der Film dem Reflex der Verleugnung entgegen, der einer Truppe innewohnt, die ihren eigenen Kontrolleuren misstraut.

Ein Regisseur, der für moralische Abgründe bekannt ist

Moll fasziniert seit Langem von ehrlichen Figuren, die von den moralischen Sumpflöchern gequält werden, in denen sie leben. Sein früherer Polizei-Thriller 'La noche del 12' (2022) folgte einem Detektiv, der einen Femizid nicht aufklären kann; 'Solo las bestias' (2019) verfolgte einsame Gestalten, die in ethischem Treibsand gefangen sind. Hier trifft die Seele eines forensischen Experten auf Druckers beherrschte emotionale Klaviatur, und das Ergebnis ist ein scharfer, überzeugender Thriller.

Nebenrollen, darunter eine kleine, aber entscheidende Rolle von Guslagie Malanda, verleihen dem Film weitere Textur. Der Film lief 2025 im Wettbewerb von Cannes und wurde mit dem bürokratischen Noir von Sidney Lumet sowie der französischen Kriminaltradition von Melville und Verneuil verglichen.

Kritische Reaktion

Die spanischen Kritiker sind weitgehend beeindruckt. Rezensionen beschreiben den Film als ein Vorbild des Genres und loben sein rhythmisches Tempo und seine visuelle Erzählkunst. Druckers schauspielerische Leistung wird immer wieder als das Herzstück des Stücks hervorgehoben, wobei mehrere Kritiker ihre Fähigkeit betonen, die Last der Erzählung ohne große Gesten zu tragen. Einige Medien entdecken im Ton einen Hauch von True Crime der Plattform-Ära, einen funktionalen Bericht, der sich gleichzeitig als Anklage gegen Polizeikorruption entpuppt.

Nicht jede Stimme ist uneingeschränkt begeistert. Eine Kritik findet den Diskurs 'etwas naiv' und hinterfragt die Logik einer internen Ermittlungsabteilung, wenn die meisten untersuchten Beamten straffrei ausgehen. Dieser Vorbehalt trübt jedoch nicht den Konsens: Moll hat ein intelligentes, fein abgestimmtes Werk abgeliefert, das unbequeme Fragen darüber stellt, wer die Polizei kontrolliert.

Paris

5 Quellen

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