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Diplomatie·vor 4 Std.

KNDS präsentiert Übergangskampfpanzer CAPINT auf der Eurosatory – deutsch-französisches MGCS-Projekt verzögert sich, FCAS-Aus droht

Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS hat am Montag auf der Rüstungsmesse Eurosatory bei Paris den Kampfpanzer CAPINT vorgestellt. Das Modell soll als Übergangslösung die alternde Leclerc-Flotte Frankreichs ersetzen, während das gemeinsame Projekt für das Hauptkampfsystem der nächsten Generation (MGCS) etwa zehn Jahre hinter dem Zeitplan liegt.

Die CAPINT-Enthüllung auf der Eurosatory

KNDS, der aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und Nexter hervorgegangene deutsch-französische Rüstungskonzern, präsentierte den neuen Panzer am ersten Tag der Rüstungsmesse Eurosatory in Villepinte. Unter der Bezeichnung CAPINT (intermediäre Fähigkeit) vereint das Fahrzeug ein vom deutschen Leopard 2 A8 abgeleitetes Fahrgestell mit einem ferngesteuerten französischen Ascalon-Turm samt Geschütz. Das Unternehmen beschreibt die Konstruktion als Brücke zwischen den letzten Dienstjahren des Leclerc und der Einführung des Main Ground Combat System (MGCS).

Die Leclerc-Flotte soll bis 2038 ausgemustert werden, doch französische Kommandeure äußern zunehmend Zweifel an diesem Zeitplan. General Philippe de Montenon, der Befehlshaber der französischen Landstreitkräfte, erklärte gegenüber Reportern am Vorabend der Messe, der aktuelle Panzer werde bis 2035 „am Ende seines Weges“ sein. Der CAPINT soll in den 2030er Jahren in Dienst gestellt werden, um eine Lücke zu schließen, die das Militär als zu groß für eine verantwortbare Sicherheit erachtet.

Bis 2035 wird er am Ende seines Weges sein.

Warum die Eile: Ein verzögertes MGCS

Catherine Vautrin, die französische Verteidigungsministerin, begründete die Notwendigkeit einer Übergangsplattform direkt mit dem MGCS, dem deutsch-französischen Panzerprogramm der Zukunft. Gegenüber der Zeitung „Les Échos“ sagte sie, das Projekt sei „um zehn Jahre verzögert“ und Frankreich „kann nicht so lange warten“. Die Ministerin betonte, dass die Arbeiten bereits im Militärplanungsgesetz verankert seien und entsprechend finanziert würden.

Das MGCS wurde 2017 von Präsident Emmanuel Macron und der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Ziel gestartet, sowohl den Leopard 2 als auch den Leclerc um 2040–2045 zu ersetzen. Der Zeitplan ist jedoch aufgrund industrieller Reibereien ins Wanken geraten, insbesondere nachdem Rheinmetall 2019 dem Konsortium beitrat und die ursprüngliche Arbeitsteilung zwischen KNDS France und KNDS Deutschland infrage stellte.

Der Panzer der Zukunft hat zehn Jahre Verspätung. Wir können nicht so lange warten.

Ein Projekt im Wandel

Ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums räumte ein, dass „in den letzten Wochen einige Anpassungen vorgenommen wurden“. Berlin und Paris hätten „gemeinsam beschlossen, sich auf den Kern des MGCS-Programms zu konzentrieren, nämlich die Forschung, Entwicklung und Demonstration fortschrittlicher Technologien für den Einsatz und die Führung von Kampfpanzern“. Auf die Frage, ob die beiden Länder letztlich unterschiedliche gepanzerte Fahrzeuge einsetzen könnten, antwortete der Beamte, dass „die Frage offen bleibt“ und das Projekt „erlaube, verschiedene Plattformen in Betracht zu ziehen“.

Die Unsicherheit wurde durch Äußerungen verstärkt, die am Wochenende dem Vorstandsvorsitzenden von Rheinmetall, einem der MGCS-Gesellschafter, zugeschrieben wurden. Er soll gesagt haben, Frankreich erwäge drastische Kürzungen bei der Projektfinanzierung. Eine französische Regierungsquelle widersprach dem und betonte, das Projekt bleibe sowohl für Paris und Berlin als auch für KNDS von zentraler Bedeutung.

Der Schatten des FCAS

Eine Woche vor der Eröffnung der Eurosatory hatten Frankreich und Deutschland das FCAS-Kampfjetprogramm – ein 2018 von Macron und Merkel initiiertes Vorzeigeprojekt – nach monatelangen Streitigkeiten zwischen Airbus und Dassault Aviation offiziell aufgegeben. Macron drückte sein Bedauern über die Entscheidung aus, was die Sorge schürt, das bodengestützte Gegenstück könnte ein ähnliches Schicksal erleiden. Parallel zum MGCS hatte Deutschland bereits 2025 mit der Arbeit an einem eigenen Übergangspanzer begonnen; entwickelt von KNDS Deutschland und Rheinmetall, wird er in der militärischen Fachpresse inoffiziell als „Leopard 3“ bezeichnet.

Eine veränderte Sicherheitslage

Hinter dem Wettlauf um die Beschaffung steht ein sich wandelndes geopolitisches Kalkül. Die Bedrohung durch Russland in Verbindung mit dem schwankenden Bekenntnis von US-Präsident Donald Trump zur europäischen Verteidigung hat die EU-Hauptstädte dazu veranlasst, ihre Militärinvestitionen zu erhöhen. Die Enthüllung des CAPINT, obwohl technisch nur eine Übergangslösung, hat daher eine Bedeutung, die weit über Fahrgestell und Geschütz hinausgeht, da die Regierungen demonstrieren wollen, dass industrielle Zusammenarbeit auch dann Hardware liefern kann, wenn sich der strategische Horizont verdüstert.

Villepinte

7 Quellen

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