
Ermittler gehen nach Umspannwerksbrand in Reutlingen von Brandstiftung aus – 40.000 ohne Strom
Ein Brand in einem Umspannwerk in der südwestdeutschen Stadt Reutlingen hat am Montag rund 40.000 Menschen ohne Strom gelassen. Ermittler fanden Hinweise auf ein Brandbeschleuniger und behandeln den Vorfall als mutmaßlichen Brandanschlag.
Was geschah
In der Nacht von Sonntag auf Montag brach im Umspannwerk Reutlingen-West ein Feuer aus, das auch eine zweite Anlage in Mitleidenschaft zog. Der Brand war gegen 5 Uhr morgens gelöscht, verursachte jedoch einen großflächigen Stromausfall in der rund 100.000 Einwohner zählenden Stadt, die etwa 40 Kilometer südlich von Stuttgart liegt. Rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen waren zunächst betroffen, wie Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel mitteilte.
Die Ermittlungen
Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) in Stuttgart fanden Anzeichen, dass am Tatort ein Brandbeschleuniger eingesetzt wurde. Ein Sprecher bestätigte, dass Spuren gesichert und analysiert werden, unter anderem mit einem Brandbeschleuniger-Spürhund und durch Sachverständigengutachten. Der Staatsschutz und das Anti-Terror-Zentrum des LKA haben die Ermittlungen übernommen, und eine Sonderkommission namens „Fischer“ wurde eingerichtet.
Unser Ermittlungsteam wird jeden einzelnen Stein umdrehen, und wir werden den Täter mit aller Härte des Gesetzes zur Rechenschaft ziehen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sagte dem ZDF, die Behörden gingen davon aus, dass es sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Brandanschlag“ handele. Das LKA erklärte jedoch, es gebe derzeit keine Hinweise auf mögliche Täter oder Motive, die Ermittlungen seien in alle Richtungen offen.
Auswirkungen auf die Stadt
Der Stromausfall betraf ein Krankenhaus in Reutlingen, das vorübergehend auf Notstromaggregate angewiesen war. Geplante Operationen mussten verschoben werden, obwohl das Krankenhaus am Nachmittag wieder ans Netz angeschlossen wurde. Ampeln fielen aus, Schulen und Kindergärten hatten keinen Strom, und Kühlsysteme von Supermärkten funktionierten nicht mehr. Oberbürgermeister Thomas Keck sagte, die Situation des Krankenhauses bedeute, dass der Vorfall „das Leben anderer Menschen radikal gefährdet habe – und das ist unverzeihlich.“
Wir müssen uns wehren – wir wissen noch nicht, gegen wen.
Am Montagnachmittag waren Teile der Innenstadt, darunter das Krankenhaus, wieder ans Netz angeschlossen. Auch Wohngebiete in Betzingen und Ohmenhausen hatten wieder Strom, betroffene Unternehmen blieben jedoch vom Netz getrennt. Die Behörden richteten für die Nacht eine Notunterkunft ein, in der Anwohner Handys aufladen und Babynahrung wärmen konnten. Die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung bleibt ungewiss, die Behörden warnen, dass es „nicht schnell gehen wird.“
Möglicher extremistischer Hintergrund
Sicherheitskreise, auf die sich die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berief, wiesen darauf hin, dass die Vorgehensweise auf linksextreme Täter hindeute und Parallelen zu Anschlägen in Berlin aufweise. Im Januar 2025 hatte ein Brand in einem Umspannwerk, zu dem sich die linksextreme Gruppe Vulkangruppe bekannte, in Berlin rund 100.000 Menschen ohne Strom zurückgelassen. Die Gruppe hat sich seit 2011 zu einem Dutzend Anschlägen bekannt, darunter ein Brandanschlag im März 2024 auf Stromleitungen, die das Tesla-Werk bei Berlin versorgen. Im Fall Reutlingen gibt es keine Hinweise auf eine ausländische Steuerung.
In den letzten Jahren haben wir immer wieder Angriffe auf die Energieinfrastruktur gesehen, insbesondere aus dem linksextremen Spektrum.
Reaktion und Sicherheitsmaßnahmen
Eine Bereitschaftspolizei-Einheit wurde nach Reutlingen verlegt, um eine sichtbare Präsenz an kritischer Infrastruktur und in Gebieten ohne Strom zu gewährleisten. Hagel versprach, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, nachdem er von einem „vorsätzlichen Brand, der öffentliche Einrichtungen beeinträchtigt hat“ sprach. Der Schaden durch den Brand und den Stromausfall wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt, wie die dpa berichtet.
- Brand bricht im Umspannwerk Reutlingen-West in der Nacht aus
- Brand gelöscht; großflächiger Stromausfall betrifft rund 40.000 Menschen
- Krankenhaus wird mit Notstromaggregaten betrieben; geplante Operationen verschoben
- Innenstadt und Krankenhaus wieder ans Netz angeschlossen
- Wohngebiete Betzingen und Ohmenhausen haben wieder Strom; Unternehmen bleiben abgeschaltet
- Notunterkunft für Anwohner ohne Strom eingerichtet


