
VfL Bochum verbietet synchrones Hüpfen auf der Osttribüne wegen Trampolineffekts
VfL Bochum hat den Fans auf der Osttribüne des Ruhrstadions gemeinsames rhythmisches Hüpfen untersagt, nachdem technische Gutachten einen Trampolineffekt festgestellt haben, der bei Zuschauern Unwohlsein auslöst. Die Anordnung gilt ab dem Sonntagsspiel gegen Arminia Bielefeld und bleibt bis 2028 in Kraft.
Neue Beschränkungen im Ruhrstadion
VfL Bochum und die städtische Stadionbetriebsgesellschaft Bochumer Sportstätten Besitzgesellschaft haben mit sofortiger Wirkung ein Hüpfverbot für die gesamte Osttribüne des Ruhrstadions erlassen. Das Verbot gilt unmittelbar für den Stehplatzbereich der Heimfans in der auch als Stadion an der Castroper Straße bekannten Spielstätte. Der Zweitligist gab die Maßnahme am Mittwoch nach einer offiziellen Ordnungsverfügung der örtlichen Bauaufsichtsbehörde bekannt. Die Regel tritt sofort in Kraft, sodass die Anhänger die Beschränkungen bereits beim kommenden Zweitligaspiel gegen Arminia Bielefeld am Sonntag um 13:30 Uhr einhalten müssen. Vereinsführung und örtliche Behörden bestätigten, dass der Klub rechtlich verpflichtet ist, die Beschränkung bei Heimspielen umzusetzen und aktiv zu überwachen. In der gemeinsamen Erklärung von Verein und Stadionbetriebsgesellschaft wurde betont, dass die Einhaltung im gesamten betroffenen Bereich streng kontrolliert wird.
Ursache des Hüpfverbots
Die Vereinsführung stellte klar, dass die Beschränkung nicht auf eine bauliche Schwäche oder eine unzureichende Tragfähigkeit der Betontribünen zurückzuführen ist. Vielmehr hätten technische Untersuchungen im Zusammenhang mit der laufenden Stadionmodernisierung ein spezifisches dynamisches Phänomen identifiziert, das durch synchronisierte Zuschauerbewegungen entsteht.
Durch gemeinsames, rhythmisches Wippen oder Hüpfen, also synchronisierte Bewegungen vieler Menschen, kann ein sogenannter Trampolineffekt entstehen, der ein Gefühl des Unwohlseins hervorruft.
Das Gutachten kam zu dem Schluss, dass die Schwingungen, die entstehen, wenn sich Tausende Fans gleichzeitig bewegen, eher ein Trampolingefühl erzeugen als eine unmittelbare Gefahr für die Statik. Da diese Bewegung bei den Zuschauern auf der Tribüne Übelkeit und körperliches Unwohlsein auslöst, hielten die Bauaufsichtsbehörden ein Eingreifen für notwendig. Die Anordnung richtet sich ausschließlich gegen choreografierte, koordinierte Bewegungen, die in großen Fanblöcken organisiert werden. Vereinsvertreter betonten ausdrücklich, dass spontane Jubelszenen, einschließlich des Hüpfens nach einem Tor, weiterhin uneingeschränkt erlaubt bleiben.
Drohende Sperrung der Tribüne und Dauer
Ein Verstoß gegen die Anweisung hat erhebliche verwaltungsrechtliche Konsequenzen für den Verein und seine Anhängerschaft. Die städtische Bauaufsichtsbehörde warnte, dass bei Nichteinhaltung die gesamte Osttribüne, die bis zu 10.000 Zuschauer fasst, vollständig geschlossen werden könnte. VfL Bochum muss Kontrollverfahren einrichten, um koordinierte Hüpfrituale auf den Rängen für die gesamte Dauer der Anordnung zu verhindern. Die Sicherheitsmaßnahme bleibt über mehrere Spielzeiten hinweg in Kraft, während die umfassenden Modernisierungsarbeiten an der Spielstätte weiterlaufen. Laut Verein soll die Beschränkung bis zum Abschluss der Stadionsanierung im Jahr 2028 gelten; dann sollen bauliche Anpassungen die Aufhebung der Regel ermöglichen. Sollte es bei den kommenden Heimspielen wiederholt zu Verstößen kommen, behalten die Aufsichtsbehörden die rechtliche Befugnis, die Heimkurve mit 10.000 Plätzen vollständig zu schließen.
Präzedenzfall beim 1. FC Magdeburg
Eine ähnliche Beschränkung wurde bereits in einem anderen deutschen Fußballstadion verhängt, das mit baulichen Schwingungsproblemen zu kämpfen hatte. Im Jahr 2016 untersagte der 1. FC Magdeburg den Fans auf der Nordtribüne das rhythmische Hüpfen, nachdem Ingenieure starke Schwingungen festgestellt hatten, die ein Risiko für Schäden an der Stahlbetonkonstruktion darstellten. Magdeburg führte anschließend zwischen 2016 und 2019 umfangreiche Umbau- und Verstärkungsarbeiten durch, um die Tribüne zu stabilisieren. Nachdem die Stahlbetonkonstruktion verstärkt und die Sanierungsarbeiten 2019 abgeschlossen waren, hoben die Magdeburger Behörden das Hüpfverbot offiziell auf. Der Präzedenzfall Magdeburg zeigte, dass bauliche Nachrüstungen Schwingungsprobleme lösen können, allerdings waren dafür drei Jahre ingenieurtechnischer Eingriffe nötig. VfL Bochum steht vor einem vergleichbaren Zeitplan, da der Verein die Zuschauerbewegungen bis zum Abschluss seines eigenen Bauprojekts im Jahr 2028 steuern muss.
- 1. FC Magdeburg verbietet rhythmisches Hüpfen auf der Nordtribüne wegen Betonschwingungen
- 1. FC Magdeburg hebt das Verbot nach Verstärkungsarbeiten an der Konstruktion auf
- Bochum kündigt per Anordnung der Bauaufsicht ein sofortiges Hüpfverbot auf der Osttribüne an
- Geplante Fertigstellung der Ruhrstadion-Sanierung und Aufhebung des Bochumer Verbots


