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Gesundheit & Bildung·vor 3 Std.

Deutscher Bildungsbericht belegt: Bildungsschere öffnet sich vor der Schule, Ministerin fordert verpflichtende Sprachtests

Der aktuelle Nationale Bildungsbericht für Deutschland zeigt, dass sich die Leistungskluft zwischen Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft bereits vor der Einschulung manifestiert. Die Bildungsministerin drängt nun auf verpflichtende Sprachdiagnostik für alle Vierjährigen.

Ungleichheit beginnt vor der ersten Klasse

Der Nationale Bildungsbericht 2026, der in Berlin vorgestellt wurde, bestätigt, dass die soziale Herkunft den Bildungserfolg lange vor dem Eintritt in die Schule bestimmt. Bereits im Alter von zwei Jahren zeigen sich signifikante Unterschiede im Wortschatz, abhängig vom Bildungsgrad der Mutter, und diese frühen Vor- oder Nachteile bleiben über die gesamte Schullaufbahn hinweg stabil.

Die Bildungsschere öffnet sich bei der Geburt. Sie öffnet sich weiter bis zum Schuleintritt, und danach wird sie kaum noch geschlossen.

Ungleicher Zugang zur frühkindlichen Bildung

Kinder, die am meisten von der Kindertagesbetreuung profitieren würden, besuchen diese am seltensten. Bei Familien mit hohem Bildungsabschluss sind etwa 40 Prozent der Unter-Dreijährigen in einer Kita; bei Familien mit niedrigem Bildungsabschluss liegt dieser Wert nur bei 20 Prozent. Der Bericht hält zudem fest, dass die Länder 347 Programme und der Bund 13 weitere Maßnahmen zur Verringerung sozialer Bildungsungleichheit für den Zeitraum 2024–2026 gestartet haben, doch die große Mehrheit dieser Maßnahmen zielt auf Schulen ab und nicht auf die frühen Jahre, in denen die Kluft entsteht.

Kita-Besuch von Unter-3-Jährigen nach elterlichem Bildungsstand (2024) · %
Hoher Bildungsstand
40 %
Niedriger Bildungsstand
20 %

Sinkende Schulleistungen

Die Basiskompetenzen in Lesen, Mathematik und den Naturwissenschaften schwächen sich ab. Im Jahr 2024 verfehlte fast ein Viertel der Schüler, die einen mittleren Schulabschluss anstreben, den Mindeststandard für diesen Abschluss – neun Prozentpunkte mehr als im Jahr 2018. Der Anteil der jungen Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist auf acht Prozent des entsprechenden Altersjahrgangs gestiegen.

Zu viele junge Menschen erreichen die Basiskompetenzziele nicht. Dies deutet auf langfristige strukturelle Probleme bei der Sicherung dieser Kompetenzen hin und damit auf eine zentrale Schwäche des Bildungssystems.

Schüler, die den Mindeststandard in Mathe für den Mittleren Schulabschluss verfehlen · %
2018
15 %
2024
24 %

Politische Initiative: verpflichtende Sprachtests

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) will noch vor der parlamentarischen Sommerpause ein Qualitätsentwicklungsgesetz für die Kindertagesbetreuung ins Kabinett einbringen, das sich insbesondere auf das letzte Vorschuljahr konzentriert. Der Koalitionsvertrag sieht bereits verpflichtende Sprachdiagnostik für alle Vierjährigen vor; laut Bericht setzen dies bereits acht der sechzehn Länder um. In Bayern, wo Vierjährige mit Deutschdefiziten seit über einem Jahr getestet werden, besuchten im Schuljahr 2025/26 rund 43.000 Kinder vorbereitende Sprachkurse. Gleichzeitig verändern demografische Verschiebungen das System: Erstmals sank 2024 die Gesamtzahl der Kinder in Kitas, teilweise aufgrund sinkender Geburtenraten, und ab dem Schuljahr 2027/28 wird ein weiterer Rückgang der Grundschülerzahlen erwartet. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist auf 26 Prozent gestiegen, gegenüber 17 Prozent im Jahr 2013.

Berlin · Nürnberg

8 Quellen

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