Berlins SPD-Spitzenkandidat Krach fordert 100 Mietenpolizisten und fordert Linke bei Enteignung heraus
Berlins SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kündigte 100 'Mietenpolizisten' an, um gegen illegale Mieterhöhungen vorzugehen, sowie Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Gleichzeitig forderte er die Linke in einem provokativen Social-Media-Beitrag auf, ein russisches Kulturgebäude zu enteignen.
Mietenpolizei und höhere Bußgelder
Krach, der Spitzenkandidat und Landesvorsitzende der Berliner SPD, sagte der Zeit, dass 100 'Mietenpolizisten' eingesetzt würden, um die Einhaltung der Vorschriften manuell durchzusetzen, bis der Mietenkataster in Betrieb sei. Das Berliner Abgeordnetenhaus hatte die Schaffung des Katasters Anfang Juli beschlossen und machte Berlin damit zum ersten Bundesland mit einer solchen Datenbank. Der Kataster soll überhöhte Mieten aufdecken und Verstöße gegen das Mietrecht erschweren. Berlin leidet unter Wohnungsknappheit, die Mieten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Manche Vermieter verlangen mehr als gesetzlich erlaubt, was oft lange unbemerkt bleibt.
Für die Übergangszeit, bis der Mietenkataster steht, werden wir 100 Mietenpolizisten einsetzen, die manuell gegen Verstöße vorgehen.
Krach warnte Vermieter mit illegalen Mietverträgen, diese schnell anzupassen, und sagte, dass die Strafen ab Januar deutlich schmerzhafter würden.
Ab Januar gibt es hohe Bußgelder. Ich bin dafür, diese auf 100.000 Euro anzuheben.
Provokation gegen die Linke
Krach postete auf X ein Foto von sich, wie er vor dem Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin ein Pappschild hochhält. Darauf stand: 'Hier können wir enteignen, liebe Linke! Seid ihr dabei?' Der Beitrag war eine Antwort auf die Bundesvorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, die die Vergesellschaftung von Wohnraum zur Bedingung für die Regierungsbeteiligung ihrer Partei in Berlin gemacht hatte. Schwerdtner äußerte ihre Forderung im Podcast '5-Minuten-Talk' des Magazins Stern.
Das ist für uns ganz klar: Mit der Berliner Linken in der Regierung wird es Vergesellschaftung geben.
Krach warf der Linken vor, mit Enteignungsparolen einen populistischen Oppositionskult zu betreiben. Er zeigte sich demonstrativ offen für eine Koalition mit der Partei.
Weiteres Programm und Koalitionssignale
Im Zeit-Interview, das an Bord eines Wahlkampfbusses geführt wurde, inszenierte sich Krach als Hoffnungsträger der Berliner SPD und kritisierte gleichzeitig offen die eigene Bundesregierung. Er griff die Kürzungen bei Wohngeld, Rente, Pflege und Sozialleistungen als sozialpolitischen blinden Fleck an und forderte stattdessen stärkere Mieterrechte und höhere Steuern für Spitzenverdiener. Er argumentierte, die SPD solle sich durch kommunale Basisarbeit retten, nicht durch Hauptstadt-Spin. Für Berlin skizzierte er ein Programm, das Mietenkataster, Mietenpolizei, Demokratiebildung in Schulen, besseren Schutz der Hauptstadt und eine Expo-artige Vision umfasst. Die Ost-West-Ungleichheit bei Ärzten und Verkehr beschrieb er als Nährboden für Frustration, AfD-Erfolge und Demokratie-Erosion.
Krach richtete auch Kritik an die CDU und warf ihr vor, Familien durch Kürzungen bei Schulessen, Nahverkehrstickets und Kitas zur Kasse bitten zu wollen. Er zeigte sich offen für eine Koalition mit der Linken oder der CDU, ließ aber beiden Seiten deutliche Spitzen zukommen. Die SPD liegt in Berlin derzeit bei 13 Prozent in Umfragen. Krach versucht, die Partei mit Gerechtigkeitsrhetorik, einer Portion Law-and-Order und der Botschaft aus diesem Tief zu ziehen, dass Berlin aufhören müsse, Provinzialität als Regierungsprogramm zu verkaufen – selbst bei so kleinen Themen wie E-Scootern.
- Das Berliner Abgeordnetenhaus beschließt die Schaffung eines Mietenkatasters, dem ersten in einem Bundesland
- Krach sagt der Zeit, er werde 100 Mietenpolizisten einsetzen und Bußgelder auf 100.000 Euro erhöhen
- Krach postet auf X ein Foto mit einem Pappschild, das die Linke auffordert, das Russische Haus zu enteignen


