Berlins Erinnerungshüter: 65 Jahre nach der Mauer hält Frank Ebert die DDR-Opposition lebendig
65 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer drängt der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Frank Ebert, auf ein Gedenkforum und eine Freiheitsausstellung und kritisiert die Behörden für die Vernachlässigung von Stasi-Opfern.
Ein Leben geprägt von der Mauer
Frank Ebert war noch nicht geboren, als die Berliner Mauer 1961 errichtet wurde, aber als er in Ostberlin aufwuchs, teilte die Barriere dennoch seine Stadt. Geboren in Halle, heute 56 Jahre alt, lebt er seit 1981 in Berlin. Bereits in der Schule wehrte er sich gegen staatliche Bevormundung. Sein Motto in der DDR war: "Im Land bleiben und täglich widerstehen", was bedeutete, sich nicht zu ducken, nicht alles zu schlucken, selbst wenn Konsequenzen folgten. Als die Mauer fiel, war Ebert ein junger Mann und ein Veteran der DDR-Opposition.
Vom Kriegsdienstverweigerer zum Archivar
Ebert verweigerte 1987 den Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee. Im darauffolgenden Jahr begann er in der Umweltbibliothek Berlin zu arbeiten, die im Gemeindehaus der Zionskirche untergebracht war, wo sich Oppositionsfiguren zu Friedens- und Umweltthemen versammelten. Im entscheidenden Jahr 1989 wurde Ebert mehrmals verhaftet, nachdem er gegen Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen im Mai protestiert hatte. Im Oktober organisierte er eine Mahnwache in der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg mit, die zu einem zentralen Treffpunkt der DDR-Opposition wurde. Im September 1990 beteiligte er sich an der zweiten Besetzung der Stasi-Zentrale, die vor allem darauf abzielte, die Vernichtung von Stasi-Akten zu verhindern.
Seit 1991 baute Ebert das Matthias-Domaschk-Archiv auf und übergab es 1993 an die Robert-Havemann-Gesellschaft. Es bildete die Grundlage für das heutige Archiv der DDR-Opposition.
- Berliner Mauer errichtet; Ebert noch nicht geboren
- Ebert zieht nach Berlin
- Verweigert den Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee
- Beginnt in der Umweltbibliothek Berlin im Gemeindehaus der Zionskirche zu arbeiten
- Mehrmals verhaftet nach Protest gegen Wahlfälschung bei Kommunalwahlen
- Organisiert eine Mahnwache in der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg mit
- Beteiligt sich an der zweiten Besetzung der Stasi-Zentrale, um Aktenvernichtung zu verhindern
- Beginnt mit dem Aufbau des Matthias-Domaschk-Archivs
- Übergibt das Archiv an die Robert-Havemann-Gesellschaft
- Wird Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
- Kritisiert Berliner Behörden im jüngsten Bericht für Vernachlässigung der Anliegen von Stasi-Opfern
Beauftragter seit März 2023
Ebert ist seit März 2023 Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. In dieser Funktion berät er Stasi-Opfer und vertritt ihre Anliegen im Abgeordnetenhaus. Er erforscht auch die Geschichte der DDR und insbesondere des Ministeriums für Staatssicherheit. Er legt dem Abgeordnetenhaus jährlich einen Tätigkeitsbericht vor, in dem er auf Missstände hinweist. Anfang Juli 2026 kritisierte er in seinem jüngsten Bericht die Berliner Behörden dafür, dass sie die Anliegen politisch verfolgter DDR-Bürger jahrelang teilweise ignoriert hätten, und dass Anträge auf Opferrenten unbearbeitet geblieben seien.
Ebert veröffentlicht auch Texte zur Geschichte der DDR-Opposition, einschließlich, aber nicht beschränkt auf die Bürgerbewegung, der er selbst angehörte. Er möchte, dass diese Themen eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen, anstatt auf Fachkreise beschränkt zu bleiben.
Ein Forum für Opposition und Widerstand
Ebert setzt sich für das "Forum Opposition und Widerstand 1945–1990" als zentrale Gedenkstätte auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg ein. Er drängt auch auf eine Freiheitsausstellung zur Geschichte der Friedlichen Revolution, die im Humboldt Forum untergebracht werden soll.
Für mich ist die Aufarbeitung der SED-Diktatur eine dauerhafte Aufgabe
Er bezeichnet die geplante Ausstellung als einen Ort der Ermutigung für Menschen, die heute unter Diktaturen leben, sei es in Venezuela oder im Iran.
Ich möchte deutlich machen, dass man erfolgreich sein kann, wenn man etwas gegen Diktaturen unternimmt
Er verknüpft die Arbeit ausdrücklich mit der heutigen Gesellschaft, nicht nur mit der Vergangenheit. Er möchte den Menschen den Wert der Freiheit näherbringen, ein Wert, der seiner Meinung nach ständig in Gefahr ist, vergessen zu werden. Er will auch eine Schönfärberei der Geschichte verhindern.
Man sollte nicht vergessen, nicht jeder in der DDR war in der Opposition, sie waren die wenigsten. Aber es ist auch nur eine kleine Minderheit, die die DDR zurückhaben will oder sagt, dass dort alles besser war.

